Florian Hastedt aus Jeersdorf erlebt den Abbruch von „Rock am Ring“ hautnah

„Als ich mich umdrehte, war alles schwarz“

Besucher waten nach dem Festivalabbruch durch den Matsch. - Foto: dpa

Scheessel/Mendig - Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen, Blitzeinschläge und mehr als 70 Verletzte, davon zwei Reanimationen – das Musikfestival „Rock am Ring“ mit mehr als 80.000 Besuchern stand wettertechnisch nach dem Vorjahr erneut unter einem schlechten Stern. Einer, der beide Veranstaltungen aus nächster Nähe miterlebte, ist der Jeersdorfer Florian Hastedt.

Der passionierte Festivalgänger und Mitorganisator des „Heimatfestivals“, der mit acht Wohlsdorfern unterwegs war, berichtet von seinen Erlebnissen am Wochenende.

Wie haben Sie das Festival erlebt?

Florian Hastedt: Wir sind schon am Donnerstag früh angereist. Um 6 Uhr morgens waren wir da. Für die letzten drei Kilometer ab der Autobahnabfahrt haben wir drei Stunden gebraucht. Das war wohl der Tatsache geschuldet, dass nach zwei Wochen Regen da einige Parkplätze schon abgesoffen waren und es mit dem neuen Geländeplan noch nicht reibungslos funktionierte. Unser Stellplatz war dann auch ziemlich weit weg.

Wo waren Sie am Freitag, als die Unwetterwarnungen kamen?

Hastedt: Wir waren ganz vorn vor der Bühne und haben auf den Auftritt von Tenacious D. gewartet, die sollten um 19.50 Uhr anfangen. Als ich mich zufällig umgedreht habe, war alles komplett schwarz. Als kurz darauf die Durchsage kam, dass man sich Schutz suchen soll, war uns klar, dass wir es nicht mehr bis zum Zelt schaffen. Wir haben uns dann beim Crew-Catering im Backstage-Bereich untergestellt.

Wie haben die Sicherheitskräfte reagiert?

Hastedt: Das war sehr professionell, obwohl sie selbst nicht mal mit Regensachen ausgestattet waren und wohl teilweise nur spärliche oder gegensätzliche Informationen bekamen. Sofort wurden die Notausgänge geöffnet. Nach 20 Minuten konnten wir dann wieder raus und haben direkt vor der Bühne auf den nächsten Auftritt gewartet. Dann ist Marek Lieberberg (der Veranstalter, Anm.d.Red.) auf die Bühne gekommen und hat erzählt, dass es weitergeht.

Hatten Sie Angst?

Hastedt: Nein, überhaupt nicht. Von den Blitzen haben wir überhaupt nichts mitbekommen. Aber es kam schon eine Menge Wasser runter. Es war zu keinem Zeitpunkt so schlimm wie letztes Jahr. Da herrschte wirklich Weltuntergang. Den Freitag haben wir dann noch die ganze Nacht weiter gefeiert – wir hatten ja Gummistiefel an. Es war schon extrem matschig, aber gestört hat es keinen.

Wie haben die Besucher reagiert, auch auf den Abbruch des Festivals am Sonntag?

Hastedt: Sehr vernünftig. Es gab keinerlei Panik, und als irgendwann Samstagnacht offiziell verkündet wurde, dass es nicht weitergeht, haben die Leute Lieberberg nicht ausgebuht, sondern geklatscht. Da war keiner sauer. Wir hatten uns das schon gedacht nach den Wetterprognosen. Wir wurden immer gut auf dem Laufenden gehalten – von den Durchsagen, aber auch über Facebook. Der Abbruch war definitiv gerechtfertigt. Diejenigen, die im Nachhinein Schlechtes in den Sozialen Medien verbreitet haben, waren meist gar nicht vor Ort gewesen.

Zwei Mal Rock am Ring mit Unwetter – überlegen Sie sich, ob Sie nächstes Mal wieder am Start sind?

Hastedt: Auf das Wetter muss man bei Festivals immer gefasst sein; genervt hat mich bloß, dass es bei der Anfahrt so lange gedauert hat. Ansonsten waren wir zufrieden. Wir wollten unbedingt die Red Hot Chili Peppers sehen, und das hat ja auch noch geklappt. Notfalls wären wir zu Rock im Park weitergefahren (lacht). Es hat definitiv trotz allem Spaß gemacht. Ob ich nächstes Mal wieder hin fahre, hängt ganz stark vom Line-Up ab.

hey

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