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Alles wieder auf Null: Schwere Schäden nach Sturmtiefs im Westerholzer Wald

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Von: Lars Warnecke

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Die Stürme haben im Westerholzer Bauenwald großen Schaden angerichtet und viele Bäume entwurzelt oder gebrochen. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Realverbandsvorsitzender Heino Dreyer.
Die Stürme haben im Westerholzer Bauenwald großen Schaden angerichtet und viele Bäume entwurzelt oder gebrochen. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Realverbandsvorsitzender Heino Dreyer. © Warnecke

Die drei aufeinanderfolgenden Stürme vor zwei Wochen – sie haben auch im Westerholzer Bauernwald massive Schäden hinterlassen. Wie massiv, das will Heino Dreyer an diesem ganz und gar windstillen Vormittag zeigen. Dreyer ist Vorsitzender des örtlichen Realverbandes, ein Zusammenschluss von neun Landwirten, der das 52 Hektar große Forstgebiet bewirtschaftet.

Westerholz –Beim Anblick der gefallenen Großbäume, die teilweise an ein „Riesen-Mikado“ erinnern, verschlägt es dem 72-Jährigen noch immer die Sprache. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Dreyer. Allein dreimal hätten er und seine Mitstreiter in diesem Jahr schon ausrücken müssen, um Sturmschäden zu beseitigen. Nicht nur seien umgekippte Bäume mit Wurzelballen zu beklagen, nein, auch Splitterbrüche, herausgerissene Äste und abgeknickte Bäumstämme. „Die ganze Palette“, so Dreyer, der von rund 500 Fichten spricht, denen Orkan „Ylenia“ und Co. nicht hätten standhalten können – im wahrsten Sinne des Wortes.

Warum es gerade Fichten so stark erwischt habe? „Ihre Nadeln bringen ja ein gewisses Gewicht mit – und wenn durch Fallwinde erst mal ein Baum fällt, dann hat das auf die umliegenden einen Domino-Effekt. Sprich: Einer stürzt den anderen.“ Dreyer spricht von einem speziellen Südwest-Wind, den es so noch nicht gegeben habe. „Die Bäume hatten sich auf Ost und Nordwest eingestellt, nicht aber darauf.“

Noch kurz bevor die Stürme gewütet hatten, waren die Verbandsmitglieder in Absprache mit Ulf Wahlers, Scheeßels neuem Bezirksförster, mit einer großangelegten Durchforstung beschäftigt gewesen. „Danach haben wir alles wieder auf Null stellen können“, beschreibt es Dreyer. Über eine Sturmversicherung von der Waldmärkerschaft verfüge der Verband zwar, nur trete die erst in Kraft, wenn an einer Stelle zusammenhängend mindestes ein Hektar kaputt sei. „Und da liegen wir nur knapp drunter.“

Mehr als 100 Posten Buchenholz stehen am Sonntag zum Verkauf.
Mehr als 100 Posten Buchenholz stehen am Sonntag zum Verkauf. © -

Die Kosten zur Wiederaufforstung, inklusive dem Abräumen der Flächen, müssten die privaten Waldbesitzer also selbst tragen. Die Schäden so belassen wie sie sind, das komme für ihn nicht infrage, so Dreyer: „Wir können nicht einfach alles liegen lassen, sondern die Waldpflege, der wir uns verschrieben haben, muss weitergeführt werden – auch im Hinblick auf die nachfolgenden Generationen“, betont er. Viel Geld und Arbeit müsse in die Maßnahme gesteckt werden. Einen erheblichen Teil zur Finanzierung möchten die Waldbesitzer aus der bevorstehenden Brennholzauktion generieren. Dreyer: „Der Plan war es eigentlich, dass die Bauern aus dem Erlös auch mal ein bisschen etwas ausgezahlt bekommen und sie nicht nur investieren müssen – jetzt kommt uns aber das dazwischen.“

Was die umgestürzten Nadelhölzer betrifft, würden die wohl der Verwertung zugeführt werden können – in welcher Form auch immer. „Letztendlich muss der Förster entscheiden, ob das noch als Langholz zu gebrauchen ist“, erläutert der Vorsitzende. Im Zweifelsfall, das wäre seinen Worten nach die schlimmste Lösung, reiche das Material noch als Häckselholz. Eine genaue Beurteilung solle demnächst erfolgen.

Mit der Spaltmaschine werden die Eichenstämme in Form gebracht.
Mit der Spaltmaschine werden die Eichenstämme in Form gebracht. © -

Viel Zeit zum Abtransport bleibt dem Realverband derweil nicht. „Die Bäume müssen auf alle Fälle aus dem Wald, bevor wieder bei milderen Temperaturen der Borkenkäfer kommt“, macht Dreyer deutlich. Immerhin seien die noch immer mit dem Wurzelwerk verbundenen Gehölze für den unerwünschten Parasiten nun eine willkommene Stätte, dort seine Eier abzulegen. „Was da alles zusammenhängt, darüber hat man sich früher noch gar keine Gedanken gemacht.“

Während die Wiederaufforstung im Bauernwald noch eine Weile auf sich warten lassen dürfte, hat ein anderes Projekt schon Fahrt aufgenommen: In diesen Tagen sind Heino Dreyer und seine Kollegen dabei, mit einer Spaltmaschine Eichenstämme in Form zu bringen. Die würden später im Zuge der von der Gemeinde Scheeßel initiierten Rückführung und ökologischen Aufwertung der Seitenräume der Wirtschaftswege, wie sich die Maßnahme nennt, für die Feldmarkierungen gebraucht. 300 Weidepfähle, sagt Dreyer, seien bestellt worden und sollen jetzt im März gemeindeweit an den Wegerändern ihren festen Platz finden.

Wer bietet mehr? Brennholzauktion in Westerholz am 6. März 

Nachdem die für Ende Dezember geplante Veranstaltung coronabedingt ausgefallen war, versteigert der Realverband Westerholz jetzt am Samstag, 6. März, Brennholz. Die Auktion, bei der mehr als 100 Stapel an Stammholz und Buchenkronen unter den Hammer kommen, beginnt gegen 13 Uhr. Das Gelände im Bauernwald an der Kreisstraße in Richtung Scheeßel ist bereits eine halbe Stunde vorher geöffnet. Das Holz wird am Wegesrand liegen, sodass Käufer problemlos mit dem Pkw ihre Einkäufe aufladen und abtransportieren können, teilen die Organisatoren mit.

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