Jahresrückblick-Interview mit Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele

„Alles war anders“

Raum war bei Rats- und Ausschusssitzungen wegen der Corona-Abstandsregeln keine Mangelware. Scheeßels Politiker tagten in der Beekeschulaula.
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Raum war bei Rats- und Ausschusssitzungen wegen der Corona-Abstandsregeln keine Mangelware. Scheeßels Politiker tagten in der Beekeschulaula.

Scheeßel – Der Jahreswechsel gilt als die Zeit für Resümees und gute Vorsätze. Welche Bilanz zieht Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) nach diesem völlig turbulenten Corona-Jahr für die Gemeinde? Darüber hat sich unsere Zeitung mit ihr unterhalten.

Frau Dittmer-Scheele, Ende 2021 geht Ihre Amtszeit zu Ende. Sie hören als Bürgermeisterin auf. Können Sie die Zeit bis dahin locker auslaufen lassen oder ist das in der Corona-Krise nicht möglich?

Ein Amt als Bürgermeisterin ist immer spannend und fordernd. Es hält jede Menge Chancen, Überraschungen und Herausforderungen bereit, die ich bis zum letzten Arbeitstag annehmen werde.

Welches war aus Ihrer Sicht denn das wichtigste Ereignis für die Gemeinde Scheeßel 2020?

Das wichtigste Ereignis ist in diesem Jahr leider die Corona-Krise. Geschäfte, Restaurants und Frisöre mussten schließen, viele Menschen in unserer Gemeinde machen Homeoffice und Kurzarbeit, Familien mussten ihre Kinder betreuen, weil Schule und Kita geschlossen waren. Veranstaltungen von Vereinen wie Feste, Sport, Singen und vieles mehr waren nicht mehr möglich. Das sind heftige Veränderungen. Die Pandemie hat auch die Arbeit in der Verwaltung verändert, es mussten immer wieder innerhalb kürzester Zeit neue Regelungen umgesetzt, Einrichtungen und Kindertagesstätten geschlossen werden. Telefon- und Videokonferenzen gehören nun zum Arbeitsalltag. Die Besuche bei Ehe- und Altersjubiläen, bei jeder Menge ausgefallener Veranstaltungen sind weggefallen. Das ist schade. Mir fehlen die vielfältigen persönlichen Kontakte mit den Menschen.

Welches war für Sie eigentlich der arbeitsintensivste Monat dieses Jahres und warum?

Der erste Lockdown im März und April – das war damals schon sehr fordernd.

Wo lagen im auslaufenden Jahr die Stärken der Gemeinde? Worauf schauen sie gerne zurück?

Rat und Verwaltung haben nicht alles geschafft, was wir uns vorgenommen hatten. Das war einfach nicht möglich. Dennoch wurde noch vieles auf den Weg gebracht, abgeschlossen oder fortgeführt. Die Rathaussanierung, einschließlich vorübergehender Ausgliederung der Verwaltung, ein riesiger Kraftakt, aber es geht mit Riesenschritten voran. Wir planen, im Februar wieder einzuziehen. Darauf freuen wir uns. Das DGH Westervesede mit Kita ist fertig, die Planungen für die Feuerwehrhäuser Ostervesede und Westerholz sind beauftragt, Feuerwehrfahrzeuge für Bartelsdorf und Wohlsdorf und ein Einsatzleitwagen sind bestellt. Beispielsweise im Klärwerk, im Freibad, ins Lehrschwimmbecken der Grundschule und in der Sporthalle Hetzwege wurde investiert und saniert.

Wie sah es in den Bereichen Wirtschaft, Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung aus?

Die heimische Wirtschaft hat teilweise mit dem Lockdown zu kämpfen, teilweise wirkt sich die Pandemielage nicht oder sogar positiv aus. Im Handwerk und Baubereich sind die Auftragsbücher nach wie vor gut gefüllt. Der private Wohnungsbau ist ungebremst, die Ausweisung von neuen Wohnbaugebieten ist in einigen Dörfern und im Kernort in der Planung. Die Verfahren werden leider immer komplexer und die Immissionsrichtlinie macht es uns oft schwer. Ein Gewerbegebiet auszuweisen, bleibt notwendige Aufgabe.

Wie stand es um das Ehrenamt?

Wir haben in unserer Gemeinde Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und sich für eine besondere Sache für unsere Gemeinschaft einbringen. Ihnen gilt mein Dank. Schade, dass in diesem Jahr vieles nicht möglich war.

In welchen Bereichen hatte die Gemeinde in 2020 Schwächen? Wo bekamen sie Bauchschmerzen?

Scheeßel wurde im September durch die Bundesgesellschaft zur Endlagersuche im Zwischenbericht als eines von bundesweit 90 Teilgebieten benannt, das aufgrund geologischer Beschaffenheit in das Verfahren zur Standortsuche für ein Atommüllendlager aufgenommen wurde. Das macht mir Sorge. In weiteren Verfahrensschritten wird die Standortsuche in den nächsten Jahren durch weitere Parameter eingegrenzt werden, die Anzahl der Teilgebiete also immer weiter reduziert.

Nicht zu vergessen das Thema Knotenpunktentschärfung.

Ja, der Knotenpunkt an der Landesstraße ist schwierig. Wir können nur das bauen, was uns die Straßenverkehrsbehörde und insbesondere das Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Verden genehmigt. Wenn wir noch einen Weg finden sollten, bei dem weniger Bäume weichen müssen und alle Verkehrsteilnehmer, auch Fußgänger und Radfahrer, sicher kreuzen können, werden wir das gern machen. Entscheidend ist, dass die zuständigen Stellen aufgrund ihrer Vorschriften mitgehen können. Die Aufarbeitung der Eingaben zum Bebauungsplanänderungsverfahren wird sich noch einige Wochen und Monate hinziehen.

Wo sehen sie Chancen für Scheeßel im neuen Jahr? Wo kann sich die Gemeinde weiterentwickeln?

Wir haben immer gut gewirtschaftet und unser Haushalt ist in Ordnung. Damit sind wir hoffentlich gewappnet für mögliche Auswirkungen der Pandemie auf die Haushaltslage künftiger Jahre. Wir planen, unsere Infrastruktur laufend weiterzuentwickeln.

Was wünschen sie sich für 2021?

Ich wünsche allen Bürgerinnen und Bürgern vor allem Gesundheit und eine möglichst baldige Rückkehr zu unserem gesellschaftlichen Leben vor der Pandemie.

Ihr Fazit?

Dieses Jahr hat uns allen viel abverlangt, alles war anders und wird es noch eine Zeitlang sein. Ich bedanke mich bei allen, die die besonderen Herausforderungen und Einschränkungen angenommen haben.

Es ist Ihr letztes Jahresrückblick-Interview, das sie unserer Zeitung geben. Packt Sie schon ein bisschen Wehmut?

Nein, ich schaue nach vorn und sehe, was zu tun ist.  lw

Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU).

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