Bürger empört sich über „Kahlschlag“ am Wegesrand / Fachdienst relativiert

Alles für die Verkehrssicherung

Dieses Bild bot sich Wolfgang Schumacher am Wegesrand bei Wenkeloh. Aus seiner Sicht sei die Kettensäge hier völlig zu Unrecht angesetzt worden.   Foto: Schumacher

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Wolfgang Schumacher ist entsetzt. Spontan kommt ihm der Titel „Mein Freund, der Baum“ der Sängerin Alexandra in den Sinn. „Mein Freund der Baum ist tot, er fiel im frühen Morgenrot ...“ Nun, im Morgenrot fielen die Bäume am Rande eines Wirtschaftsweges zwischen Wenkeloh und Neuenfelde nicht. Doch das Ergebnis sei leider das Gleiche, wendet sich der Scheeßeler an die Zeitung. Bei einem Fahrradausflug durch die Gemarkung Westeresch sei ihm vor wenigen Tagen an besagter Stelle aufgefallen, dass an einzelnen Bäumen die Kettensäge angesetzt worden war. „Beim Anblick dieser überflüssigen und für Flora und Fauna unsinnigen Vorgehensweise fällt mir wirklich nichts mehr ein“, empört sich der Rentner, der früher einmal in höherer Position bei der Gemeinde gearbeitet hat und sich seit einiger Zeit in der Öko-Bürgerinitiative „Scheeßel für den Planeten“ engagiert. Durch den Kahlschlag, sagt er, sei beispielsweise den dort lebenden Tieren ein Rückzugsort genommen worden – ein Kahlschlag, hinter dem er als Verursacher den Scheeßeler Fachbereich Straßen und Grün vermutet.

Eine Nachfrage bei der Gemeindeverwaltung ergibt, dass der im Rahmen von Baum- und Strauchschnittarbeiten tatsächlich vor Ort war. Von „Kahlschlag“, erst recht willkürlichem, könne nur keine Rede sein, betont Leiter Pedro Müller. „Wir sind natürlich verpflichtet, im Rahmen der Verkehrssicherung solche Maßnahmen an öffentlichen Wegen auf schonende Weise durchzuführen“, macht er deutlich. Nicht weniger als das Entfernen von Totholz und brüchigen Ästen sei nun auch bei Wenkeloh geschehen.

Wo Säge und Fräse zum Zuge kommen, sei genau festgelegt. „Das Jahr über sammeln wir Hinweise von Ortsbürgermeistern und Bürgern.“ Der Fachdienst fahre die Strecken ab, sehe sich die Stellen an und lege fest, wo der Handlungsbedarf am dringendsten ist. Die Schnittgebiete, denen man sich je nach örtlichem Verkehrsaufkommen unterschiedlich oft widmet, würden sich laut Müller gleichmäßig über die Gemeinde verteilen. „Schwerpunkte werden gesetzt nach der Notwendigkeit und den Gegebenheiten vor Ort.“

Bis Ende Februar müssen laut Bundesnaturschutzgesetz alle Schnittarbeiten außerorts beendet sein. Kleine Pflegeschnitte an innerörtlichen Bäumen und Maßnahmen zur Abwendung von Gefahr für Leib und Leben seien seiner Auskunft nach wiederum auch danach noch legitim. „Diese möchten wir dennoch bis Ende der Frist erledigt wissen, sofern es uns möglich ist.“

Beim Baumschnitt sei das Lichtraumprofil das Maß aller Dinge. Das bedeutet: Autos und Lkws sollen nicht durch in die Fahrbahn ragende Äste und Zweige behindert werden. Falls ein Baum tot ist, müsse er aber auch schon mal ganz entfernt werden. „Dafür pflanzen wir im Sinne der Nachhaltigkeit Ersatz“, erklärt Müller. Verpflichtet sei man dazu nicht – die Gemeinde hat keine eigene Baumschutz-Satzung. „Wir sind es unserer Natur aber schuldig – daher setzen wir auf qualifizierte Mitarbeiter und schulen diese auch gerne.“ So sei bereits knapp die Hälfte der Belegeschaft zusätzlich als Landschaftspfleger ausgebildet worden. „Diese sind aber auch gelernte Gärtner und sogar ein Gärtnermeister ist bei uns im Fachdienst tätig.“ Ferner würde man eng mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises zusammen arbeiten. Was nach getaner Arbeit übrig bleibt, wird auf dem Fachdienstgelände gehäckselt. „Das betrifft alle Äste bis zur Armstärke“, erklärt der Fachdienstleiter. Das Stammholz werde hingegen innerhalb der Gemeinde an Bürger veräußert. Dieses geschehe seiner Auskunft nach über eine Liste, die geführt wird.

Müller seien Beschwerden aus der Öffentlichkeit, warum hier und da die Kettensäge zum Einsatz kommen musste, sehr wohl bekannt. „Jetzt gerade im Februar häufen sich die kritischen Stimmen wieder – erfahrungsgemäß beantworten und erklären wir die Notwendigkeit der Anfragen von Bürgern. Dafür sind wir da.“

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