Alles schön der Reihe nach

Westerveseder Ortsrat misst Aufwertung des Findlingplatzes keine Priorität bei

Der Platz rund um den Riesen-Findling soll eine Aufwertung erfahren – die Frage ist nur, wann es so weit ist.
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Der Platz rund um den Riesen-Findling soll eine Aufwertung erfahren – die Frage ist nur, wann es so weit ist.

Westervesede – Er ist in Westervesede unbestritten eine kleine Attraktion. Wobei „klein“ noch eine Untertreibung sein dürfte. Die Rede ist vom mächtigen Granit-Findling an der Scheeßeler Straße/Ecke Tavenhorn, gegenüber vom Dorfgemeinschaftshaus und der Kapelle. Jahrzehntelang war der öffentliche, mit Beeten bepflanzte Platz, der den mehr als vier Meter hohen Koloss einfasst, gut in Schuss.

Zuletzt, befand Ortsbürgermeister Ralf Jürges in der jüngsten Ortsratssitzung, sei der Zustand aber mehr schlecht als recht. „An den Begrenzungspfosten blättert schon der Lack ab und der Rasen ist kein Rasen mehr, sondern gelinde gesagt nur noch eine Moosfläche.“ Nein, seines Erachtens müsste an Ort und Stelle mal endlich etwas passieren, um das Ortsbild ein bisschen aufzuhübschen. „Wir können es auch nicht immer vor uns herschieben und nichts machen – die Gelder wären ja da“, betonte er. Und: „Wenn wir es vorhaben, dann sollten wir es heute, wo wir eh über die Verwendung der Ortsratsmittel sprechen, auch gleich mitbeschließen.“ Andernfalls sei für diesen Zweck erneut eine öffentliche Sitzung einzuberaumen.

Nun sah beim Thema Platzaufwertung aber nicht jeder im Ortsrat Eile geboten – „zumal es ja noch andere Projekte gibt, über die wir im Vorwege schon gesprochen haben“, gab Mitglied Martin Riebesell zu bedenken. Ein Unterstand für den örtlichen Bolzplatz zum Beispiel. „Da sollten wir die Reihenfolge schon ein bisschen einhalten.“ Ähnlich sah das auch Björn Hendrik Seel: „Das können wir vom Tisch aus heute nicht entscheiden, wir sollten uns das Ganze zusammen mit den geplanten Maßnahmen auf dem Friedhof anschauen.“

Laut Kerstin Heitmann könne man aber sehr wohl schon darüber abstimmen, ob für das Projekt grundsätzlich Geld eingestellt werden solle oder nicht. „Wir müssen ja noch nicht entscheiden, welche Blume gepflanzt wird oder welche Umrandung dort hin soll.“

Der Findling „Großer Stein“ – ein seltenes Prachtexemplar

Wie nennt man einen Findling, der mit einer Höhe von 4,20 Metern und einer Breite von 2,80 Metern beeindrucken kann? Richtig: „Großer Stein“. Unter diesem schlichten Namen ist das tonnenschwere Naturdenkmal weit über Westervesedes Grenzen hinaus bekannt. Aufgestellt wurde das seltene Prachtexemplar Anfang der 1980er-Jahre, nachdem es ein ortsansässiger Landwirt beim Tiefpflügen auf seinem Acker gefunden hatte und ihn der Ortschaft kostenfrei zur Verfügung stellte. Beim Bergen des Findlings brach dieser entzwei, wurde daraufhin aber naturgetreu wieder errichtet. Wie der Ortschronik zu entnehmen ist, soll der Stein vor etwa 200 000 bis 250 000 Jahren vor Christus, während der sogenannten Saalischen Eiszeit, vom heutigen Schweden bis nach Westervesede transportiert worden sein. Wörtlich heißt es weiter: „An der glatten nördlichen Seite wurde dieser Stein über weite Strecken am Rande des Eises oder darunter vorwärts geschoben und dabei deutlich gekennzeichnet.“ Die Gemeinde hatte damals ein 300 Meter großes Grundstück angekauft und um den Findling herum die Anlage erstellt. 

Rund 4  000 Euro an Ortratsmitteln, so hat es das Gremium kalkuliert, müssten für die Aufwertung aufgewendet werden. „Vielleicht sollten wir aber noch einen Kostenvoranschlag einholen – zumindest, was die Einzäunung betrifft“, warb Silvia Huch. Die mache bei der Gestaltung später sicher auch den größten Posten aus. Und Heitmann befand: „Es ginge ja nichts verloren, wenn wir den Punkt nochmal in eine spätere Sitzung schieben, bis wir uns intern geeinigt und wir tatsächlich Zahlen haben.“ Dem konnte der Ortsbürgermeister aber nur bedingt beipflichten: „Ich erinnere daran, dass wir in diesem Jahr Kommunalwahl haben und wir nicht wissen, wie danach die Besetzung des Ortsrates sein wird.“

Am Ende einer lebhaften, für Westerveseder Verhältnisse beinahe schon ungewöhnlichen Diskussion stimmte das Gremium mehrheitlich dagegen, schon jetzt in eine konkrete Planung einzusteigen. Wohl aber, darauf einigten sich die Politiker im späteren Verlauf bei der Frage, wofür die diesjährigen Ortsratsmittel eingesetzt werden sollen, verbleiben die 4 000 Euro nun erst mal allgemein in der Ortsbildpflege. Damit erhöht sich dieser Posten nun auf 6 500 Euro. Diese „Umschichtung“ erfolgte wiederum einstimmig.

Von Lars Warnecke

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