Scheeßel wandelt sich

Fleischerei weicht Wohnhaus: Alles neu an der Bahnhofstraße

Die Grafik zeigt ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen.
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Gravierende Veränderungen bahnen sich im Kernort an. An der Bahnhofstraße 35 entsteht auf dem ehemaligen Grundstück der Fleischerei Meinke ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen.

Scheeßel – Tagelang wütete vor Weihnachten ein Bagger auf dem Grundstück der ehemaligen Fleischerei Meinke, mittlerweile ist das Haus an der Bahnhofstraße in Scheeßel komplett abgerissen. Generationen von Scheeßelern holten sich dort frisches Fleisch aus Eigenschlachtung, der 1947 gegründete Laden, dem Ende der 1970er-Jahre ein Neubau folgte, war beliebt bei der Bevölkerung. Keine Frage.

Doch die alten Besitzer, das Ehepaar Regina „Reni“ und Günter Meinke, hatten sich schon 2011 in den Ruhestand zurückgezogen, wechselten ihren Wohnsitz von der Bahnhofstraße an die Gerberstraße. Der Familienbetrieb ging in „externe“ Hände über – lange sollte sich das neue Geschäft am Traditionsstandort, ebenfalls auf Fleisch- und Wurstwaren spezialisiert, aber nicht halten. Trauriger Höhepunkt: Im Sommer und Herbst 2018 brannte es in der leergefallenden Immobilie, die sich inzwischen im Besitz eines Ulmer Unternehmens befand, gleich zweimal binnen kurzer Zeit. Die Polizei ging seinerzeit von Brandstiftung aus, Gerüchten zufolge sollte das Haus als Treffpunkt von Jugendlichen genutzt worden sein. Die polizeilichen Ermittlungen verliefen im Sande.

„Reni“ Meinke denkt heute noch gerne an die alten Zeiten zurück, in denen sie hinter der Ladentheke stand. „Mein Mann und ich haben 48 Jahre mit viel Freude in unserer Fleischerei gewirkt“, sagt sie im Gespräch mit der Kreiszeitung. Betrieben worden war das Geschäft in zweiter Generation, Günter Meinkes Eltern Ernst und Erika hatten die Fleischerei kurz nach dem Krieg gegründet – damals noch auf einem benachbarten Grundstück. 1979 feierte man Neueröffnung mit einer vergrößerten Verkaufsfläche an der Bahnhofstraße 35. Als zusätzliche Schwerpunkte wurden ein Partyservice und der mobile Imbiss-Verkauf auf Volksfesten in die Angebotspalette integriert. „Wir und unsere Angestellten waren eine große Familie“, blickt Meinke zurück. Selbst heute treffe sich die ehemalige Belegschaft noch, um in alten Erinnerungen zu schwelgen.

Nach vorn blicken derweil Markus Mahler (41) und sein Bruder Boris (45). Das Geschwisterpaar, das in Scheeßel einen Fliesenbetrieb führt, plant auf dem Areal in bester Filetlage den Bau eines dreigeschossigen Mehrfamilienhauses. Zehn Eigentumswohnungen mit einer Größe zwischen 60 und 100 Quadratmetern soll es im Gebäude, das auf den Plänen von Architektin Bianca Witt aus Wittkoppsbostel fußt, geben. Mit den Bauarbeiten soll schon im März begonnen werden. „Jetzt, wo wir den Bauantrag gestellt haben, rechnen wir im Februar mit der Genehmigung“, berichtet Markus Mahler, der für das Projekt eigens die Mahler Wohnungsbau GmbH gegründet hat. Erst im August hätten er und sein Bruder das Grundstück erworben. „Der ursprüngliche Käufer war abgesprungen, da wir an zweiter Stelle unter den Interessenten standen, hat die Postbank uns schließlich den Zuschlag erteilt.“ Erfahrungen haben die beiden Scheeßeler Unternehmer im Wohnungsbau allemal, sind unter ihrer Regie in den vergangenen zwei Jahren doch bereits schon so einige Wohnhäuser im Kernort entstanden – an der Wilhelmstraße wie auch im Baugebiet Fuhrenkamp. Das dürfte wohl auch dem Wunsch der Gemeindeverwaltung entsprechen, mehr zentrumsnahen Wohnraum zu schaffen. „Die Wohnungen an der Bahnhofstraße wollen wir verkaufen“, kündigt Boris Mahler an. Anders sieht es beispielsweise in Bartelsdorf aus, wo die Brüder demnächst einen Komplex auf dem Grundstück der ehemaligen Ehlermann-Gaststätte hochziehen lassen werden. „Dort werden wir die elf Einheiten vermieten.“ Bekanntlich soll auch eine Bäckereifiliale in dem Objekt einziehen. Wichtig sei ihnen, dass in den Projekten stets ortsansässige Handwerksfirmen involviert seien. „Das garantiert Qualität“, ist Markus Mahler überzeugt. Die Nachfrage nach einer Wohnung am Standort Bahnhofstraße sei jedenfalls schon hoch. Die Interessenten kämen allesamt aus der Gemeinde Scheeßel. „Ein Großteil ist bereits reserviert oder sogar schon verkauft“, sagt er. Dennoch könne man sich noch nach Angeboten erkundigen – per E-Mail an info@mahler-wohnungsbau.de oder telefonisch unter 04263 / 985156.

Bleibt die Frage, warum die Geschwister im Wohnungsbau eine solche Tatkraft an den Tag legen. „Als wir 2018 zum ersten Mal versucht haben, ein Haus zu verkaufen, hat man uns das förmlich aus den Händen gerissen – und dies allein über Mundpropaganda“, erinnert sich Boris Mahler. „Aus dieser Erfahrung hat sich nun ein bisschen mehr entwickelt – es macht uns ja aber auch eine Menge Spaß.“ Und zur persönlichen Altersabsicherung, ergänzt der Bruder, seien solche Projekte eben auch eine sinnvolle Investition.

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