„Alle brauchen ihre Chance“

Schulleben damals und heute: Uwe Wahlers berichtet vor Senioren

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Seniorenkreisleiterin Angelika Witt bedankt sich bei Uwe Wahlers für seinen Vortrag vor den Senioren.

Wittkopsbostel - Von Ursula Ujen. „Eigentlich wollte ich ja keinen Fachvortrag halten, aber hier habe ich es ja ausschließlich mit Fachleuten zu tun – denn alle haben ja einmal die Schule besucht“, meinte augenzwinkernd Uwe Wahlers, der auf Einladung von Seniorenkreisleiterin Angelika Witt ins Dorfgemeinschaftshaus Wittkopsbostel gekommen war, um zum Thema „Schule damals und heute“ zu berichten.

Auch er könne nicht pauschal sagen, ob Schule damals oder heute besser sei, dazu müsse sich jeder seine eigene Meinung bilden. Er wolle lediglich die Unterschiede aufzeigen.

Nachdem alle Senioren im voll besetzten DGH zugestimmt hatten, dass der ehemalige Scheeßeler Grundschulleiter auf Plattdeutsch erzählt, machte dieser anhand seines eigenen Lebenslaufes deutlich, zu welchen Veränderungen es im Laufe der vergangenen Jahrzehnte gekommen sei. Wahlers, Jahrgang 1950, war Kind des Schulleiters in Bartelsdorf. Neben der Theorie habe es damals viel anschaulichen Unterricht gegeben – so könne er sich noch heute an etliche Heimatkunde-Exkursionen in die Umgebung erinnern. Die Schulbücher seien zwar viel dünner gewesen, aber es wurde mehr Wert auf das Wesentliche wie Grundrechenarten und Rechtschreibung gelegt. 

Kritik an heutigen Lehrplänen

Heute würde einfach zu viel Stoff in die Lehrpläne gepackt und die Schüler kämen nicht zur Ruhe. Ihm dränge sich angesichts der Ansprüche an die Kinder mit zusätzlichen Verpflichtungen in der Freizeit der Vergleich mit Zehnkämpfern auf. Dass es früher nicht nur die heile Welt gab und die Kinder damals auch den Rohrstock zu spüren bekamen, verschwieg Wahlers allerdings nicht.

Nach der Grundschulzeit in Bartelsdorf machte Wahlers am Rotenburger Ratsgymnasium nicht nur gute Erfahrungen: „Ein Lehrer meinte nach Nennung meines Wohnortes: ,Dann bleib doch auf dem Dorf und fahr Mist.‘“ Mit dem Umzug seiner Eltern nach Scheeßel wechselte der Ratsgymnasiast zur Eichenschule, wo er das Abitur machte.

Nach seiner Bundeswehrzeit und dem Studium in Lüneburg trat Wahlers gleich nach der ersten Lehramtsprüfung seine erste Stelle an der Eichenschule in Scheeßel an. Sein Weg führte ihn danach an die Realschule in Rotenburg und über die Stelle als Konrektor der Orientierungsstufe in Rotenburg 1993 zurück nach Scheeßel als Leiter der Grundschule.

Eltern sollten Ansprüche an ihre Kinder überdenken

Er musste feststellen, dass sich seit seiner Grundschulzeit viel verändert hatte: Nicht nur gab es jetzt jede Menge Fachlehrer, gravierend sei auch gewesen, dass die Kinder nicht mehr so gut auf die Schule vorbereitet gewesen seien und viel Förderbedarf bestanden hätte. Wahlers machte zudem deutlich, dass er den Beruf des Lehrers nicht nur auf das Fach bezogen, sondern übergreifend sähe: „Die Menschen sind alle verschieden und haben unterschiedliche Seiten und Talente. Man muss jedes Kind ernst nehmen, denn ein jedes kann etwas, und die Aufgabe des Lehrers ist es, das aus ihm herauszukitzeln – alle brauchen ihre Chance.“

Durch die Inklusion sei die Belastung der Lehrer noch einmal erheblich gestiegen, und hier müsse ein Umdenken durch den Staat, aber auch durch die Bürger stattfinden. So müsste gerade in die Grundschulbildung mehr investiert werden, aber auch Eltern müssten die Ansprüche an ihre Kinder überdenken – nicht jedes Kind gehöre aufs Gymnasium, und ein Aufstieg sei allemal besser als ein Abstieg.

„Die Gesellschaft hat sich verändert, und zurückzublicken bringt nichts. Man muss die Politiker dazu zwingen, sich mehr für Bildung einzusetzen, um kreative Lösungen für die Zukunft entwickeln zu können. Einen goldenen Weg gibt es nicht, denn dort wo Menschen arbeiten, sind auch immer unterschiedliche Wege möglich“, resümierte Wahlers.

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