Administratorin möchte „Scheeßel hilft“-Gruppe nicht vereinnahmen lassen

„Das hat hier nichts zu suchen“

„Scheeßel hilft“-Gruppenadministratorin Angelika Dorsch fühlt sich von den Anschuldigungen einer Nutzerin persönlich angegangen.
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„Scheeßel hilft“-Gruppenadministratorin Angelika Dorsch fühlt sich von den Anschuldigungen einer Nutzerin persönlich angegangen.

Nach einem Streit in der Facebook-Gruppe „Scheeßel hilft“ um einen gelöschten Beitrag, droht Administratorin Angelika Dorsch damit, die Gruppe zu schließen. „Seit Corona ist der Unterton in vielen Gruppen negativer geworden“, findet die Bartelsdorferin.

Scheeßel – Wo findet man einen Unterstandplatz für das Pferd, Hilfe beim Decken des Carports oder jemanden, der ausgediente Aktenordner braucht? Seit vielen Jahren hat sich die Facebook-Gruppe „Scheeßel hilft“ als digitale Anlaufstelle für Anfragen und Angebote etabliert. Hier werden entlaufene Katzen gefunden, Tipps für Arzt oder Steuerberater gehandelt oder Nachbarschaftshilfe über den virtuellen Gartenzaun vermittelt. Und auch eine Masken-Nähaktion in den frühen Tagen der Pandemie fand hier ihren Anfang.

Doch seit einigen Tagen herrscht in der 2015 von der Bartelsdorferin Angelika Dorsch unter dem Eindruck und den Erfordernissen der Flüchtlingskrise gegründete Gruppe Missstimmung. Am Sonntag riss der ehrenamtlichen Administratorin, die jahrelang täglich in „ihrer“ Gruppe nach dem Rechten geschaut hatte, der Geduldsfaden. In einer virtuellen Brandrede mit dem Titel „Schluss mit lustig“ drohte sie damit, die rund 1 750 Nutzer starke Gruppe zu schließen. Was war geschehen?

Auslöser war ein Post, also eine in der Gruppe veröffentlichte Nachricht einer Nutzerin, in der sie die Administratorin beschuldigte, einen ihrer vorigen Beiträge gelöscht zu haben. Dorsch war erschüttert – nicht nur ob des Tons, der sich so deutlich vom üblichen Gesprächsklima in dieser bis jetzt weitgehend sachlich-friedlichen Gruppe abhob. Sondern auch, weil sie sich keiner Schuld bewusst war. „Ich wäre die Letzte, die Meinungen anderer zensiert oder ausblendet – das ist schon eine fiese Unterstellung wäre“, fühlt sich die ehemalige Ratsfrau, die auch journalistisch tätig ist, angegangen. „In diesem Punkt bin ich empfindlich, dazu stehe ich auch.“

Viele haben ins selbe Horn gestoßen. Gefragt, was denn da los ist, hat niemand.

Angelika Dorsch

Besonders betroffen habe sie gemacht, dass keiner der Kommentare die Behauptung hinterfragte: „Viele haben ins selbe Horn gestoßen. Gefragt, was denn da los ist, hat niemand“, gibt sie sie von der Gruppe enttäuscht. So sehr, dass sie in ihrer ausführlichen Stellungnahme ankündigte, den Fortbestand der Gruppe zu überdenken.

Ihre Recherche ergab: Der Post vom Sonntag war gelöscht worden – nicht etwa „von Facebook“, wie sie in ihrem Brandbrief an die Gruppe „zugegeben etwas missverständlich“ formulierte, sondern infolge einer Einstellung in der Facebook-Funktion „Assist“. Diese ist recht neu und soll den zumeist in ihrer Freizeit tätigen Administratoren die Arbeit erleichtern. Darin hatte die 55-Jährige festgelegt, dass Beiträge, die von einer bestimmten Anzahl von Gruppenmitgliedern gemeldet werden, weil sie die Gruppenregeln verletzen, gelöscht werden. So wird vermieden, dass zweifelhafte Inhalte im Netz unbemerkt größere Kreise ziehen, wenn der Admin einmal mehrere Stunden oder Tage nicht online ist.

Wie in diesem Fall, war die Bartelsdorferin doch „nach dem Geschwurbel, das man in der letzten Zeit hier so lesen muss“, doch einige Tage auf digitale Distanz gegangen. Und um genau so einen Beitrag mit fragwürdigem Inhalt, ausgerechnet in einer Gruppe, die schon in der Beschreibung klarstellt, dass es sich nicht um ein Diskussionsforum handelt, hatte eine Impfgegnerin unter dem Deckmantel der Betroffenheit zu einem „Montagsspaziergang“ in Scheeßel aufgerufen. „Das geht hier gar nicht“, macht Dorsch deutlich: „Die können ja gern spazieren gehen – in dieser Gruppe, wo Menschen Hilfe suchen und bieten, hat ein politischer Aufruf wie dieser nichts zu suchen.“ Das hatten wohl auch andere Gruppenmitglieder so gesehen und den Beitrag bei Facebook gemeldet, woraufhin er aufgrund besagter Voreinstellungen gelöscht worden war. „Hätte ich den Beitrag selbst gesehen, hätte ich die betreffende Person direkt angeschrieben und gebeten, ihn selbst zu löschen“, erklärt Dorsch.

Nach einigen deutlichen Worten zum Start sei es in dem Forum jahrelang diszipliniert zugegangen, „bis auf einige fiese Diskussionen in der Flüchtlingsdebatte, wo ich eingreifen musste“. Zuletzt hatte sie Ende 2020 eine klare Ansage gemacht. „Seit Corona ist der Unterton in vielen Gruppen negativer geworden“, findet die Facebook-affine Administratorin. Im Regelfall würden die Betreffenden ihren Beitrag selbst zurückziehen, „normalerweise verlassen sie von selbst die Gruppe“. Selten blockiere sie Uneinsichtige, „zum Beispiel, wenn sie wiederholt Werbung schalten und auch nach einem Hinweis auf die Gruppenregeln den Bogen überspannen“.

Das sei aber eher die Ausnahme. Auch in diesem Fall habe die Person sich aus der Gruppe zurückgezogen. Nach etlichen positiven Rückmeldungen auf ihr verbales Luftmachen scheinen die Wogen geglättet und Dorsch einigermaßen versöhnt: „Die Gruppe aufzulösen, nachdem hier so viel Gutes entstanden ist, wäre auch irgendwie schade.“

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