Abschied vom Team Klingbeil

Gut elf Jahre arbeiten Steffen Meyer (l.) und Lars Klingbeil (SPD) zusammen. Viele spannende, aber auch lustige Momente haben sie erlebt – so wie hier, als Lars Klingbeil hinter den Kulissen beim Bundesparteitag 2019 eine Ukulele testet.
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Gut elf Jahre arbeiten Steffen Meyer (l.) und Lars Klingbeil (SPD) zusammen. Viele spannende, aber auch lustige Momente haben sie erlebt – so wie hier, als Lars Klingbeil hinter den Kulissen beim Bundesparteitag 2019 eine Ukulele testet.
  • Farina Witte
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Elf Jahre lang hat Steffen Meyer aus Wittkopsbostel für Lars Klingbeil (SPD) gearbeitet, als wissenschaftlicher Mitarbeiter und seit 2018 als Büroleiter des Generalsekretärs. Doch am 7. August tritt er zum letzten Mal in dieser Funktion in das Willy-Brandt-Haus in Berlin. Er möchte sich Zeit für die Familie nehmen. Dass er nochmal in die Politik zurückkehrt, schließt Meyer aber auch nicht aus.

Scheeßel – Steffen Meyer erinnert sich noch gut an die Anfänge seiner Zeit in Berlin. Lars Klingbeil war gerade in den Bundestag eingezogen, und Meyer hat als Teil eines insgesamt jungen, unerfahrenen Teams die Arbeit aufgenommen. Sie hätten sich ein bisschen gefühlt „wie in einem Start-Up“, erinnert sich der heute 34-Jährige an die ersten Wochen und Monate. Eine große Herausforderung sei es zwar gewesen, gleichzeitig aber auch eine Chance. „Ich habe es als großen Vorteil empfunden, dass wir so ein junges Team waren“, sagt der gebürtige Wittkopsbosteler, der damals selbst erst 23 Jahre alt war. Sie hätten einen „neuen Blick auf Politik gewagt und frische Ideen eingebracht“.

Frische Ideen, die Lars Klingbeil und seine Mitarbeiter unter anderem in das Thema Digitalisierung eingebracht haben. Dort seien sie reingerutscht, gerade weil sie ein so junges Team waren. „Heute hat Lars Klingbeil einen guten Ruf als Digitalexperte“, sagt Meyer. Klingbeil habe die digitalpolitischen Veränderungen in den vergangenen Jahren mitgeprägt.

Nach mehr als einem Jahrzehnt lasse sich aber auch sagen, dass Erfahrung ebenso ein Vorteil im politischen Geschäft ist. „Lars Klingbeil hat gerade in den vergangenen Jahren viel bewegen können für den Wahlkreis“, findet Meyer. Das falle leichter, weil der SPD-Politiker und seine Mitarbeiter mittlerweile gut wissen „wie der Hase läuft“.

„Mir war vorher nicht bewusst, wie viel ein Abgeordneter tatsächlich für seinen Wahlkreis umsetzen kann.“ Der ländliche Raum habe nicht so eine starke Lobby in Berlin. Deshalb sei es wichtig, dass ein Bundestagsabgeordneter weiß, wie er sich für den Wahlkreis entscheidend einbringen könne.

Der 34-Jährige hat in den elf Jahren viel erlebt und einige besondere Momente in Erinnerung. Da ist zum einen natürlich die erste Rede Klingbeils im Bundestag, andererseits aber auch die Nacht, als Jamaika nach den Bundestagswahlen 2017 scheiterte. Als besonders aufreibend ist ihm auch noch die Zeit der Groko-Sondierungen im Gedächtnis geblieben. 48 Stunden habe er da vor deren geplantem Ende nicht geschlafen. „Da ist auch etwas, wovon die Politik wegkommen muss. Man trifft in so einer Situation, unter Druck und völlig übermüdet, nicht immer die besten Entscheidungen“, weiß Meyer um die Lage, in der sich die beteiligten Politiker befunden haben.

Seit zweieinhalb Jahren ist Meyer Leiter des Büros des SPD-Generalsekretärs und ist damit für viele organisatorische Fragen rund um die Partei zuständig, etwa wenn es um den Parteitag geht. Viel Verantwortung, die er mit einem 15-köpfigen Team geschultert hat. Dass Klingbeil ihn sich für diese Stelle gewünscht hat, kommt nicht von ungefähr. Schließlich arbeiten beide schon lange zusammen. Meyer hat Klingbeil schon während seiner Zeit im Scheeßeler Gemeinderat kennengelernt und ihn 2008 beim Wahlkampf unterstützt. „Lars Klingbeil setzt bei seinen Mitarbeitern auf Menschen, die aus dem Wahlkreis kommen“, stellt Meyer nicht nur für seine Person, sondern auch für viele andere Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten fest. Klingbeil habe ihm den Job als Büroleiter schon einmal angeboten, doch der zweifache, bald dreifache Vater hatte zunächst abgelehnt. Als sich vor zwei Jahren erneut die Gelegenheit bot, konnte er aber nicht mehr Nein sagen. Er ist froh, dass er die Aufgabe angenommen hat: „Ich habe in den vergangenen zwei Jahren so viel gelernt wie in den zehn Jahren zuvor.“

Eine Antwort auf seine berufliche und vielleicht auch politische Zukunft hat Meyer noch nicht. Er nimmt sich zunächst Zeit für die Familie, geht in Elternzeit. Deshalb sei auch jetzt die richtige Zeit, die Büroleitung an die bisherige Stellvertreterin Wenke Kant zu übergeben. Die nächsten Monate möchte er nutzen, um sich neu zu orientieren. Ganz schließt er eine Rückkehr in das politische Geschehen nicht aus, sieht sich aber selbst nicht als jemanden für die erste Reihe. „Ich habe mich immer wohler gefühlt, im Hintergrund zu organisieren.“ Was allerdings für ihn bereits länger feststeht, ist, dass er bei Lars Klingbeils Wahlkampf 2021 in seiner alten Heimat mithelfen möchte.

Eine Rückkehr zu seinen Wurzeln in der Kommunalpolitik in Scheeßel hingegen kann er vorerst ausschließen, er wird mit seiner Familie in Berlin bleiben. Auch Fußballspielen bei seinem längjährigen Verein, dem SV Blau-Weiß Westervesede, ist nicht mehr möglich. Aber er verfolgt immer die Spiele und Ergebnisse der Veeser-Kicker. Selbst hat er mittlerweile die Stollen- gegen Laufschuhe getauscht. „In Berlin halte ich mich mit joggen fit.“

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