Friederike Höfer widmet ihrer alten Heimat ein Aquarellband

Abschied mit Farben und Buchstaben

Friederike Höfer experimentiert gerne mit Materialien und Techniken.
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Friederike Höfer experimentiert gerne mit Materialien und Techniken.

Scheeßel – Gar nicht so einfach, der Heimat nach 38 Jahren den Rücken zu kehren – die Scheeßeler Künstlerin Friederike Höfer nahm auf ihre ganz eigene Weise Abschied: Sie hielt die Besonderheiten des Beekeortes mit Farben und Buchstaben fest.

Optisch erinnert das Büchlein mit dem Titel „Augenblicke – Aquarelle aus Scheeßel und umzu“ zunächst an ein Schulheft. Allerdings das einer äußerst kreativen Schülerin, ziert doch eine farbenfrohe Wümmelandschaft in Aquarelltechnik den Einband. Und als Schülerin in der Welt der Farben und Maltechniken begreift die 65-Jährige, die immer wieder mit neuen Materialien experimentiert, sich noch immer. „Ich lerne ständig dazu“, meint die Autodidaktin, die ihrer kreativen Ader freien Lauf lässt. Den fachlichen Hintergrund in ihrem persönlichen Lernprozess, aber auch Unterstützung beim Hängen ihrer ersten öffentlichen Ausstellungen holte sich die gelernte Krankenschwester und ehemalige Betreiberin eines Bastellädchens im Beekeort im Atelier SO von Sabine Oldenbüttel. Bis sie den Mut fand, mit ihren Werken an die Öffentlichkeit zu gehen, sollten allerdings gut 15 Jahre ins Land gehen.

Viele ihrer Bilder, die zuletzt in Tostedt im Rathaus hingen, sind jetzt ein Jahr lang in einem neu eröffneten Hotel in ihrer neuen Wahlheimat Leeste in der Gemeinde Weyhe im Landkreis Diepholz zu sehen. Scheeßeler müssen jedoch nicht auf Höfers ganz eigenen Blick auf die heimische Natur verzichten, denn mit „Augenblicke“ hat sie dem Betrachter ein Abschiedsgeschenk hinterlassen. Das „Handbuch mit Herz“, wie sie es selbst nennt, sei jedoch auch ein Geschenk an sich selbst gewesen, eine kreative Verarbeitung des Umzugsprozesses.

Auf 24 Seiten hat Höfer den Schönheiten des Beekeortes ein Denkmal gesetzt: Heimathaus, Amtsvogtei und Meyerhof finden sich ebenso wieder wie Felder und Wiesen, aber auch ganz spezielle Lieblingsorte wie die große knorrige Baumwurzel am Wümmewanderweg unweit der Gerberstraße. Dabei setzte sie zuweilen auch eine Technik ein, die sie vor Jahren bei einem Nordseeurlaub entdeckt hatte, nämlich das Malen auf Ortsplänen. „Das hatte ich einige Jahre im Hinterkopf und jetzt wieder abgerufen – es passte einfach.“

Dass sie dabei immer wieder die St.-Lucas-Kirche im Mittelpunkt der Bilder rückt, ist kein Zufall, stehen ihr Glaube und viele schöne Erlebnisse hier doch im Zentrum: „Hier ist unsere Tochter getauft worden, hier hat Pastorin Handrich einen Meditationsgottesdienst mit meinem Gedicht „Der Lebensbaum“ gehalten.“ So besteht die sehr persönliche Hommage nicht nur aus Bildern mit Aquarellfarben, Ölkreide, Wachsmalstift und Fineliner, sondern auch aus Gedichten und Gedanken. Die brachte ihre Schwester Ilse-Marie Voß in Kaligrafieschrift zu Papier – neben den sehr persönlichen Betrachtungen eine weitere individuelle Note des Büchleins.

Mit dem Umzug nach Weyhe hat sich auch Höfers Art zu malen verändert. „Früher habe ich großflächig gearbeitet, viel gespachtelt.“ Nach der Auflösung des Ateliers zeichnet sie nun minimalistischer, vornehmlich mit Bleistift und Kohle. „Ein Lernprozess, auch für den Kopf“, findet die Rentnerin, „und die Schärfung des Blicks für das Wesentliche“. Geblieben ist die Lust auf Natur. Die neue Umgebung bietet viel Inspiration. Ob sie Scheeßel vermisst? Darüber nachzudenken, dazu habe ihr die Zeit gefehlt. Es seien eher die Menschen, die ihr fehlen, die über Jahre entstandenen Netzwerke. „Die Augenblicke habe ich bildlich festgehalten, entweder gemalt oder in meinem Inneren, und so ist es gut.“  hey

Erhältlich in Scheeßel

Das in einer Auflage von 250 Stück erschienene Büchlein „Augenblicke“ ist in der Buchhandlung Vielseitig und bei den Beeke-Löwen Ilse-Marie und Thomas Voß (Tel.: 04263 3585) zum Preis von 7,50 Euro erhältlich, von denen 2 Euro an das Kinderhospiz Löwenherz gespendet werden.  

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