Vater-Sohn-Gespann aus Jeersdorf startet zu zweiwöchiger Balkan-Autotour

Abenteuer auf vier Rädern

Niklas Gallo und sein Vater Thorsten wollen es wissen: Von Jeersdorf aus bereisen die beiden mit ihrem „Teewagen Father-Son“ 14 Länder in 13 Tagen. Fotos: Heyne

Jeersdorf – Der nagelneue Grill steht zum Testen auf der Terrasse, der Campingtisch noch in der Verpackung, die mit dem Logo „Balkan Express 2019“ bestickten Polo-Shirts werden schon am Leib getragen, die großen Aufkleber schon auf dem Kühler des Mercedes W 124. Im Hause Gallo stehen die Zeichen auf Aufbruch. „Baujahr 1995, 294 000 Kilometer, 193 PS“ – Niklas rattert die Kenndaten des Fahrzeugs herunter, das ihn und seinen Vater 13 Tage lang von Dresden über Polen, Bulgarien, Albanien und Bosnien zum Zielort Salzburg bringen soll.

Die genaue Route kennt das Vater-Sohn-Team aus Scheeßel nicht – die händigt der Veranstalter den rund 260 Teams aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland, erst beim Start aus. Der professionelle Anbieter mit dem nicht gerade bescheidenen Namen „Superlative Adventure Club“ organisiert Abenteuer auf Zeit und vier Rädern. Bereits 2014 hat Vater Thorsten an der „Baltic Sea Circle“ teilgenommen, damals mit Freund Günter Barth aus Heeslingen. Als der Inhaber einer Autowerkstatt die neue Herausforderung – fahrbarer Untersatz von mindestens 20 Jahren, kein Navi, keine Autobahn und tägliche Zusatzaufgaben wie „Setze eine Ziege ans Steuer, fotografiere eine Hochzeit oder kicke mit Einheimischen“ – mit einem anderen Freund antreten wollte, fragte der Jeersdorfer seinen 19-jährigen Sohn. Der, ebenfalls ein Autonarr, sagte sofort zu. Was für ihn jedoch nicht infrage kam, war, den eigenen in viermonatiger Arbeit herausgeputzten Mercedes gleicher Baureihe zu opfern: „Man weiß nie, was für Wege man fährt, da ist mir das Risiko einfach zu groß.“

Denn genau darum geht es: Abseits der ausgetretenen Pfade fahren, eigene Wege finden, Land und Leute auf sich wirken lassen. Viel Zeit für Sightseeing bleibt ihnen dabei indes nicht. Zwischen 500 bis 600 Kilometer stehen pro Tag auf dem Programm, insgesamt um die 5 000 in 13 Tagen, 14 Länder sind es insgesamt.

Übernachtet wird im Auto – die Rücksitze sind bereits ausgebaut, eine umklappbare Verlängerung der Liegefläche mit Scharnier vorgesehen, die Schaumstoffmatratze hat ein örtlicher Fachbetrieb maßgefertigt. Ganz auf Luxus wollen die beiden denn doch nicht verzichten: „Abenteuer, aber mit Maß und doppeltem Boden“, ist die Devise. Routenabschnitte, vor denen man Respekt haben sollte, wie Serbien, wollen die beiden vielleicht umfahren. Den Veranstalter im Rücken hat Vater Gallo bei der Ostseetour 2014 nicht gebraucht, und auch auf das Werkstattfahrzeug wird das Vater-Sohn-Team, das sich nach den T-Modellen scherzhaft „Teewagen Father-Son“ nennt, wohl eher nicht benötigen: Im Konvoi fährt auch Freund Günther mit, sozusagen als „rollende Werkstatt“. „Dafür sind wir der Verpflegungswagen, das haben wir so aufgeteilt.“

Das A und O ist neben der Technik – Vater und Sohn haben in den vergangenen Monaten sämtliche Verschleißteile prophylaktisch erneuert – ist nämlich Platz. Zwar haben die beiden ein kleines Wurfzelt an Bord, „für Schnarcher oder Gepäck“, wie der Student der Wirtschaftsinformatik schmunzelnd erzählt. Doch einen nicht unbeträchtlichen Teil nehmen die Dinge ein, die die beiden einem rumänischen oder bulgarischen Kinderheim auf dem Weg spenden wollen, darunter Schreibsachen und Kuscheltiere. Denn bei der Rallye geht es ganz offiziell auch darum, gute Zwecke zu unterstützen.

Die Jeersdorfer haben sich den Rotenburger Klinikclown ausgesucht. „Uns war wichtig, dass es etwas Regionales ist und Kinder passt ja auch – gottlob haben unsere beiden das nie gebraucht“, so der zweifache Vater. Ob die Verknüpfung mit dem Spendengedanken auch dazu beitrage, die Spaßrallye zu legitimieren? Der karitative Hintergrund sei ihm wichtig, bekundet der Mercedes-Vertriebsleiter. Und: „Wir sind uns schon bewusst, dass wir zwei Wochen lang die Umweltsäue sind, aber das Sammeln von Spenden liegt uns schon am Herzen.“ Auch wenn die beiden dies nicht im großen Stil betreiben – einiges sei schon zusammen gekommen.

Interessierte und Sponsoren werden im Unterschied zum ersten Mal nicht per eigener Website, sondern zeitgemäß über die eigens eingerichteten Instagram- und Facebook-Accounts auf dem Laufenden gehalten, inklusive Live-Tracking und Gopro-Filmclips. Die Social Media übernimmt der Junior; Kochen und Grillen fallen in den Aufgabenbereich des Seniors. „Beim Fahren schlagen wir uns wahrscheinlich darum, wer ans Steuer darf“, lacht der 53-Jährige.

Ob die beiden Angst haben, dass es in der Zeit des engen Zusammenlebens zu Reibereien kommt? „Die Erwartung liegt bei 90 zu zehn Prozent, meinen beide übereinstimmend. Die letzten zwei Tage, bevor es am Donnerstag losging, heiß es: Packen, Auslandskrankenversicherung und ein letztes Mal auf die Hebebühne, um den verbleibenden Ölaustritt nach der kompletten jüngsten Motorzerlegung zu kontrollieren.  hey

Spenden willkommen

Wer sich informieren oder spenden möchte, findet weitere Infos auf Facebook oder Instagram unter @teewagenfatherandson.

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