Spenden für „Herzcaspar“

Zwei Scheeßeler wollen bei der „Baltic Sea Circle“-Rallye Vollgas geben

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Rouven Stieghahn (l.) und Patrick Siegmund starten ihre Tour am 16. Juni in Hamburg. 16 Tage werden sie unterwegs sein und bis zum Nordkap fahren.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen und Polen: Zehn Länder wollen Rouven Stieghahn (39) und Patrick Siegmund (44) bereisen. In nur 16 Tagen, in einem 25 Jahre alten Geländewagen.

Die beiden Scheeßeler nehmen an der nach Veranstalterangaben „nördlichsten Rallye des Planeten“ teil, dem „Baltic Sea Circle“. Los geht es für das Team, das sich den Namen „Intercooled Deluxe“ gegeben hat, am 16. Juni in Hamburg. Vor den beiden Familienvätern liegt dann eine etwa 7 500 Kilometer lange Tour rund um die Ostsee, bei der es nicht nur um das große Abenteuer geht, sondern auch um einen guten Zweck.

Die Idee an einer Teilnahme habe schon länger im Raum gestanden, erzählt Stieghahn, im Berufsleben Versicherungskaufmann. Für ihn und seinen Kumpel ist es nicht die erste gemeinsame Rallye, mit Abstand wird es aber die längste sein. Aus der Idee wurde ein ernsthafter Plan, für den man innerhalb der Familien anfangs noch jede Menge Überzeugungsarbeit habe leisten müssen, erinnert sich Siegmund. Inzwischen stecken die Männer mitten in den Vorbereitungen. Und die unterscheiden sich erheblich von denen für eine Pauschalreise in den Süden.

Mindestens 20 Jahre alte Fahrzeuge

Die Wohlfahrtstour ist nämlich an spezielle Bedingungen geknüpft. So müssen alle teilnehmenden Motorräder, Autos oder Kleinbusse mindestens 20 Jahre alt sein. Und: „Keiner darf ein Navigationsgerät nutzen, gefahren wird nur nach Karte und abseits von Autobahnen“, erläutert Stieghahn das Reglement. „Unterwegs werden wir also ganz auf uns alleine gestellt sein.“ 

Zunächst geht es für das Duo nach Dänemark, danach Schweden und dann zum nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes, dem Nordkap in Norwegen. Von dort aus führt sie die Reise über Finnland weiter nach Russland. Murmansk ist der nächste große Stopp. Das Team muss von nun an wieder den Kompass auf Süden einstellen. Es geht dann durch die russische Landschaft bis St. Petersburg. Es folgen das Baltikum und Polen, dann geht es zurück in Richtung Hamburg.

Schlafen wollen die beiden unterwegs im Zelt – auf dem Dach ihres Oldtimers, einem Mitsubishi Pajero 2 500 TD Intercooler, Baujahr 1993. Den haben sich die beiden eigens für die Rallye angeschafft, zum Schnäppchenpreis von 2 900 Euro, berichtet Stieghahn stolz. Platz genug bietet ihr Gefährt – für Proviant und Ausrüstung wie Trinkwasser, Reservekanister, Ersatzreifen und Werkzeug. Sogar ein kleiner Kühlschrank ist vorhanden.

Exakte Route unbekannt

Die exakte Route kennen Stieghahn und Siegmund selbst noch nicht. Erst am Starttag bekommen sie am Fischmarkt in Hamburg – dort versammeln sich die 250 angemeldeten Teams – ihr sogenanntes Roadbook. Darin befinden sich Informationen, die die Teilnehmer auf ihrer Reise zu besonderen Plätzen lotsen sollen. Ansonsten wird kein bestimmter Weg vorgegeben. Die Fahrer entscheiden auf eigene Faust, welche Strecke sie zurücklegen. 

Auf extrem einsame Landabschnitte mit geringer oder überhaupt nicht vorhandener Infrastruktur haben sich die Scheeßeler mit der Startnummer 246 jedenfalls schon mal eingestellt – und freuen sich darauf ganz besonders. „Die unberührte Natur zu erleben, wenn die Sonne Ende Juni im hohen Norden beim Mittsommer nicht untergeht, das macht ja gerade den Reiz aus“, sagt Rechtsanwalt Patrick Sigmund. Angst davor, dass ihr Wagen während der Mammut-Tour schlapp macht, hat er nicht. „Der hat trotz seines Alters noch eine Top-Laufleistung.“

„Uns geht es darum, Spaß zu haben“

Pro Tag, rechnen die Männer, werden sie etwa 600 Kilometer fahren und dafür jeweils acht bis zehn Stunden unterwegs sein. „Uns geht es nicht darum, möglichst komfortabel durch die Gegend zu fahren, sondern darum, Spaß zu haben – und das Ganze für einen guten Zweck“, sagt Stieghahn. Gutes tut das Team, indem es eine 750-Euro-Spende für Wohltätigkeitsprojekte zahlt. Das ist die Grundidee und Voraussetzung für die Teilnahme an der Rallye, die in diesem Jahr schon zum achten Mal stattfindet. Darüber hinaus haben sich die beiden gezielt ein lokales Projekt ausgesucht. „Wir sammeln bei Sponsoren für ,Herzcaspar‘“, erläutert Siegmund.

Der noch junge gemeinnützige Verein, gegründet von der Familie von Schiller vom Landpark Lauenbrück, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Verständnis und Empathie für lange Krankheitsverläufe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu fördern. Dafür, lautet die Zielrichtung, werden junge Erwachsene ehrenamtlich im Rahmen von Besuchsdiensten in Krankenhäuser oder Reha-Zentren gehen, um mit den Patienten Zeit zu verbringen. 

Im Sommer sollen die ersten Besuche in einem Hamburger Krankenhaus stattfinden. Außerdem sollen die betroffenen Familien und Geschwister in ihrer schwierigen Situation unterstützt werden und in einem weiteren Schritt Aufklärungsarbeit im sozialen Umfeld (zum Beispiel Schulen, Vereine und Universitäten) der Erkrankten erfolgen, um die Eingliederung in den Alltag nach ihrem Leidensweg zu erleichtern.

Erlös zu 100 Prozent an den Verein

Das Geld, versichern die Männer, kommt zu 100 Prozent dem Verein zugute. Unterstützer, ob Firmen oder Privatpersonen, können deshalb auch direkt an die von ihnen ausgewählte Institution spenden (Herzcaspar e.V., IBAN: DE 68241512350075214155, BIC: BRLADE21ROB, Verwendungszweck: Baltic Sea Circle). „Wir hoffen natürlich, ein Vielfaches der vom Veranstalter geforderten Mindestspendensumme einsammeln zu können“, betonen die beiden. Entsprechende Sponsoren würden namentlich auf ihrem Fahrzeug Erwähnung finden – so denn gewünscht.

Die Fortschritte des Teams im Kampf gegen den Verschleiß und schlechte Straßen können während der Fahrt übrigens bei Facebook, Instagram und auch auf der eigenen Website (www.intercooled-deluxe.de) verfolgt werden. „Wenn alles klappt, und wenn die Technik nicht versagt, kann man unsere Route sogar live auf unserer Seite mitverfolgen“, sagt Rouven Stieghahn, der mit Blick auf den 3. März schon mal kräftig die Werbetrommel rührt. 

Dann nämlich will das Fahrerteam seinen für die Tour umgerüsteten Geländewagen beim Tag der offenen Tür des Autohauses Brunkhorst in Hetzwege präsentieren. Und auch die Verantwortlichen von „Herzcaspar“ werden zugegen sein, um ihr Engagement näher vorzustellen.

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