Fuhrenkamp in Scheeßel

60 Minuten auf dem Spielplatz: Zwischen Sandkiste und Klettergerüst

Fast wie am Sandstrand.
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Fast wie am Sandstrand.

Der Verein Simbav probiert Spielplätze aus. Im Rahmen unserer Serie „60 Minuten“ haben wir Eltern und Kindern begleitet.

Lauenbrück/Scheeßel – Bis zu zweieinhalb Stunden dauert ein Treffen der Eltern, die zum Spielplatz-Hopping zusammenkommen – und zwar, weil es allen Beteiligten richtig viel Spaß macht. Die Idee, sich auf verschiedenen Spielplätzen zu treffen, um diese kennen zu lernen, ist im vergangenen Jahr in der Lauenbrücker Eltern Gruppe des Vereins Simbav entstanden.

Diesmal sind die Initiatoren nach Scheeßel gefahren, um auch dort attraktive Orte ausfindig zu machen. Heute treffen sich einige Eltern auf dem Spielplatz Fuhrenkamp in der Ostlandsiedlung. Obwohl die Siedlung eine Neubausiedlung ist, gibt es den Spielplatz dort schon länger, berichtet Dörte Nack, die sich im Verein initiiert und geholfen hat, die Spielplätze auszusuchen.

Spielplätze können gemütlich sein, trotz Wind und eher trübem Wetter – wichtig ist im Grunde nur, dort nicht allein zu verweilen. Diesen Gedanken hatten wohl auch die Initiatoren des Spielplatz-Hoppings – mit Erfolg, denn die Initiative kommt sichtbar gut an. Nach und nach kommen immer mehr Mütter mit ihren Kindern hier vorbei. Der Effekt ist vergleichbar mit einem Restaurant: Sitzt erstmal der erste Gast dort, nehmen auch andere Passanten Platz.

Spielerisch wird hier diskutiert – ein wichtiger Aspekt bei den Treffen auf dem Spielplatz.

Witzig zu beobachten: Obwohl es sich hier nicht um eine organisierte Gruppen-Aktion handelt, sondern alle einfach recht frei zum Spielen auf den Spielplatz kommen, wird schnell gemeinsam agiert. Erstmal schaukeln alle, plötzlich das Signal „Hunger“. Schwups, alle setzten sich auf die mitgebrachten Decken und essen fröhlich ihre Kekse. Kaum sind alle satt, geht es weiter mit dem Spielen – keine Frage, Kinder haben ziemlich viel Energie. Während sie diese verbrauchen, haben die Mütter Zeit sich auszutauschen. Denn nicht nur die Kinder nutzen die Chance, Sozialkontakte zu pflegen. Auftanken, das ist etwas, was gerade Eltern wirklich brauchen – denn sie werden ganz schön gefordert. Zeit zum Sitzen auf den Spielplatzbänken hat kaum einer. Die Mütter müssen nicht nur auf Trab sein, um den Kindern hinterher zu kommen, sondern sie müssen auch einiges aushalten. Trotz der ersten aufkommenden Regentropfen will niemand nach Hause. Die Mütter reden viel miteinander. Das hilft, den eigenen Alltag zu stemmen.

Denn es gibt eine Zeit im Leben aller Eltern, die besteht aus relativ simplen und doch extrem wichtigen Dingen. Der Alltag reduziert sich auf elementare Bedürfnisse. Diese heißen dann „Hunger“, „Arm“ und „Aua“ oder auch mal „Pipi“. Immer wieder fordert der Nachwuchs nach Aufmerksamkeit, mit einer schlichten und doch dramatischen Wichtigkeit werden die eigenen Bedürfnisse artikuliert. Das ist auch gut so, denn nur so lernt man zu bestehen. Ein Spielplatz ist viel mehr als ein Platz, an dem „nur“ gespielt wird. Wer ältere Kinder hat, vergisst das später schnell.

Ebenso vergisst man später, dass Spielplätze sehr sandig sind. Ruckzuck ist alles voll mit dem Sand. Doch hier und heute stört das keinen. Es erinnert eher an Sandstrände am Meer – irgendwie hat Sand auch immer ein wenig mit Urlaub, Freizeit und Entspannung zu tun. Auf dem Spielplatz ist die Sache mit der Entspannung eher eine kurzweilige Angelegenheit: „Mama, Arm.“ So einfach ist das, wenn man ein noch nicht zweijähriges Kleinkind ist. „Mama, Hunger“, das ist im Grunde ebenso klar. Auch „Mama, aua“ ist selbsterklärend.

Wer sich 60 Minuten auf einem Spielplatz aufhält, hört diese Schlüsselbegriffe. Die Mütter hören sie jeden Tag, immer mal gibt es das eine oder das andere Bedürfnis. Auf einmal weinen alle und zwei Minuten später lachen alle – die Launen wechseln genauso schnell, wie die Wolken aufziehen.

Dörte Nack und ihr Nachwuchs nutzen die Zeit.

Aber wer genauer hinhört, der erfährt viel mehr. Zum Beispiel, dass aus einem lauten Weinen ganz schnell ein kicherndes Lachen werden kann. Gute Laune heilt alle Wehwehchen und ist ansteckend. Der Zuhörer erfährt aber auch, dass hier draußen auf dem Spielplatz für’s Leben gelernt wird.

Die Kinder, die sich hier treffen, um zu schaukeln und zu wippen, die lernen so ganz nebenbei auch, wie man sozial und gerecht miteinander umgeht. Wie man Rücksicht nimmt, auf die anderen, wenn die zum Beispiel noch nicht so schnell laufen können. Wie man aufpasst auf die jüngeren Geschwister und wie man sich im Streit auch mal durchsetzt. Wie man zuhört, wenn der beste Kumpel erzählt, was er sich vom neuen Schuljahr wünscht, und vieles mehr, die Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

So gesehen erfüllen Spielplätze von jeher eine zutiefst soziale Funktion: Sie helfen den Kindern, ihre Energien an der frischen Luft loszuwerden. Und sie helfen den Eltern, neue Energie zu schöpfen. Gut, dass es solche Plätze gibt.

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