50 Jahre Automobilgeschichte

Werner Meirose feiert Dienstjubiläum bei Holst – und geht in Rente

Luftaufnahme Autohaus Holst in Scheeßel
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Werner Meirose hat die Entwicklung des Unternehmens innerhalb der vergangenen 50 Jahre miterlebt.

Nach 50 Jahren im selben Unternehmen geht der Scheeßeler Werner Meirose in den Ruhestand.

Scheeßel – Ein Mitarbeiter, der 50 Jahre in einem Betrieb arbeitet – das ist in heutigen Zeiten angesichts sich wandelnder Arbeitsmärkte und -welten kaum noch denkbar. Werner Meirose hat es geschafft, und noch stolzer als der gelernte Bürokaufmann, zuletzt Disponent für Neuwagen, sind seine Arbeitgeber Heide Holst und Torsten Meyer.

Schon der Einstieg ins Arbeitsleben mit gerade mal 15 Lenzen ist heute undenkbar: „Das wird ihm hier wohl keiner mehr nachmachen“, ist Meyer sich sicher. Dabei war die berufliche Laufbahn des Helvesiekers im Scheeßeler Familienunternehmen fast Zufall. Durchgeplant hatte Meirose seine Berufswahl jedenfalls nicht: „Berufsmessen gab es ja noch keine“, erinnert sich der 65-Jährige, also habe man geschaut, was an Arbeitgebern in der Nähe war. Pendeln nach Bremen oder Hamburg kam nicht infrage, auch später nicht.

Sein Praktikum in der Molkerei hatte ihm nicht gefallen, „und Schlips- und Anzug konnte ich mir auch nicht vorstellen, also fiel auch die Sparkasse weg“. Landwirtschaft betrieb er ohnehin schon im Nebengewerbe. Eine Lehre als Bürokaufmann im Autohaus, in dem die Eltern Stammkunden waren: Das passte für den Mann mit dem guten Gedächtnis – ein Berufsleben lang.

Arbeit im Wandel der Zeit

Noch heute sagt Seniorchefin Anita Holst, die sich 1999 aus dem aktiven Betrieb zurückzog und ihrer Tochter Heide das Feld überließ: „Werner weiß alles, das war schon unser kleiner Computer, bevor wir überhaupt von welchen träumten.“ Sie erkannte früh, dass der Zahlen- und Faktenmensch mit der schnellen Auffassungsgabe flexibel einsetzbar war, und so war Meirose im Verlauf der fünf Dekaden im Ersatzteillager, im Servicebereich, in der Gebrauchtwagen-Bestandspflege und in der Neuwagen-Disposition tätig.

Genau wie seine Aufgabenfelder änderte sich das Geschäft: „Am Anfang hatten wir fünf Modelle, jetzt sind es unzählige Typen und Motoren, dazu noch mit individueller Ausstattung“, konstatiert der Disponent. Anfänglich seien Verträge noch handschriftlich beim Kunden in der Küche abgeschlossen worden, heute erledigt das ein digitales Bestellsystem – ein Riesenschritt, der gleichzeitig Fluch und Segen sein sollte.

Ein bisschen trauert Meirose den guten alten Zeiten nach – vielleicht nicht den Reparaturaufträgen auf Karteikarten, aber auf jeden Fall dem persönlichen Kontakt. „Heute wird das ja alles nur per E-Mail abgewickelt.“ Er erlebte die Einführung der Gurtplicht, die Erfindung von Autotelefon, Schiebedach („damals ein Luxus!“) und Navigationsgeräten, lange nach der Zeit, wo die Radios noch Mono waren und Lautsprecher und Standheizung exotisch.

Im Familienbetrieb ist man eine Person, keine Nummer.

Werner Meirose

So wie der schüchterne jungen Mann, der sich kaum traute, ans Telefon zu gehen, an seinen Aufgaben wuchs, erlebte er auch das Wachsen des Unternehmens – der Ernennung zur VW-Handelsvertretung 1966, dem Bau des Showrooms, der neuen Werkstatt, der zwischenzeitlich betriebenen Lackiererei und Tankstelle des Räderhotels. Und auch er entwickelte sich weiter: „Wenn er Urlaub hatte, kam er mindestens drei Mal in der Woche und schaute nach dem Rechten“, so die Seniorchefin. Was er wiederum schätzt: „Im Familienbetrieb ist man eine Person, keine Nummer“ – auch wenn sich die Zahl der Mitarbeiter in den 50 Jahren von einem Dutzend auf rund 85 erhöht hat.

Dass die Azubis später zuweilen Angst vor ihm hatten, kann Meirose sich gar nicht vorstellen – ein klares Wort habe er aber schon mitunter gesprochen. Sein Ruf der Perfektion eilte ihm voraus – seltene Fehler blieben daher auch im Gedächtnis, wie etwa der bestellte Pritschenwagen ohne Pritsche oder der Lieferwagen in der falschen Farbe, der sich als echter Ladenhüter erweisen sollte.

Persönliche Erinnerungen

Geschäftsführerin Heide Holst formuliert es zu seinem jüngsten offiziellen Ausscheiden in den Ruhestand so: „Wir haben viele persönliche Erinnerungen auch außerhalb des Protokolls, von Knobelabenden über Grillen bis zu Kohltouren.“ Genau die Art von Veranstaltungen, deren Wegfall sie, genau wie die Verabschiedung ihres dienstältesten Mitarbeiters, momentan bedauert.

Auch der passionierte Fußballer, der sich noch gern an Firmenturniere erinnert, hatte sich seinen Abschluss anders vorgestellt. Immerhin: An seinem ersten offiziellen Tag als Pensionär wurde er von seinen Vorgesetzten an der Haustür mit frisch gekochten Eiern und einem Korb für das erste „Rentnerfrühstück“ überrascht.

Dem Unternehmen bleibt er noch ein wenig erhalten – bis alle noch offenen Projekte abgewickelt sind, wird er noch mehrmals in der Woche vorbeischauen.

Angst, ins berüchtigte „Rentenloch“ zu fallen, hat der Familienvater mit Reiseambitionen nicht: „Allein in Deutschland gibt es noch genügend schöne Ecken zu sehen.“  

Ein „Rentnerfrühstück“ frei Haus von Chefin Heide Holst – da staunt der dienstälteste Mitarbeiter Werner Meirose nicht schlecht.

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