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20 Jahre Landschaftswarte im Kreis: Mittler zwischen Natur und Mensch

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Alfred Nottorf in Försterbekleidung. Im Hintergrund ein weißer Bagger.
Alfred Nottorf ist seit 20 Jahren Landschaftswart im Landkreis. © Bonath

Seit rund 20 Jahren gibt es nun Landschaftswarte im Kreis Rotenburg. 16 Ehrenamtliche machen mittlerweile mit. Alfred Nottorf aus Stemmen war der Erste.

Stemmen/Rotenburg – Landschaftswarte als Hilfe für die Tier- und Pflanzenwelt, als Mittler zwischen Bürgern und Behörden: Landkreise sind nicht dazu verpflichtet, ehrenamtliche Naturschützer einzustellen. In Rotenburg hat man sich vor rund 20 Jahren nach teilweise anfänglicher Skepsis und kritischen Diskussionen dazu entschlossen, das Amt für Naturschutz und Landschaftspflege entsprechend zu erweitern.

Inzwischen gibt es 16 Landschaftswarte. Vom Kreis eingesetzt, bemüht sich jeder darum, in seinen Bereichen, dazu gehören circa 13 710 Hektar Naturschutz- und etwa 17 760 Hektar Landschaftsschutzgebiete, der Natur den notwendigen Raum zu wahren. Das Miteinander von Mensch, Natur- und Pflanzenwelt soll soweit wie möglich erhalten bleiben.

Zunächst ein Jahr auf „Bewährung“

Der Anstoß kam seinerzeit aus Stemmen. Genauer vom heute 83 Jahre alten Alfred Nottorf, der vor 20 Jahren kurz vor seiner Pensionierung als Amtsleiter für Naturschutz einem Brief an den damaligen Landrat Dr. Hans-Harald Fitschen schrieb. Nottorf schlug vor, die Naturschutzgebiete Tister Bauernmoor und Ekelmoor (1 220 Hektar) – die beiden Torfabbaugebiete waren vom Kreis renaturiert worden – auf ehrenamtlicher Basis zu betreuen und weiterzuentwickeln. Der Kreisausschuss stimmte schließlich im August 2002 der Einsetzung Nottorfs als erstem Landschaftswart des Kreises Rotenburg zu. Zunächst aber mit einer einjährigen „Bewährungszeit“.

Das „Reich“ von Alfred Nottorf: Die Erlebniszone des Tister Bauernmoores vor der Saison.
Das „Reich“ von Alfred Nottorf: Die Erlebniszone des Tister Bauernmoores vor der Saison. © Bonath

Das Experiment glückte. Das Wasservögel-Eldorado, in der Nähe von Tiste, an der Spitze Tausende von Kranichen, wurde zu einem Magneten der Naturfreunde, darunter viele aus entfernten Bereichen. Sieben Jahre später kam das 140 Hektar große Naturschutzgebiet Schneckenstiege hinzu.

„In den Naturschutzgebieten”, resümiert Alfred Nottorf heute, „standen viele Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen an, unter anderem vorrangig im Rahmen der Wasserrückhaltung. Die sogenannte Erstinstandsetzung ist inzwischen erfolgreich beendet worden.” Nottorf, der von dem Wert der Institution Landschaftswarte überzeugt ist und zahlreiche Gruppen sowie andere Interessierte führt und informiert, betont, dass es bis auf wenige Ausnahmen keine Probleme mit Besuchern gegeben habe. Bewusst sei die Moorerlebniszone eingerichtet worden, um die sensiblen Bereiche des Moores zu schützen.

Nur wenige Wochen noch, dann beginnt wieder nächste Saison mit zahlreichen Besuchern im Moor. Nottorf ist natürlich auch außerhalb dieser dort anzutreffen. Es ist ein grauer, regnerischer Februarvormittag, rechts und links des Fußwegs Knüppeldamm, der zum Aussichtsturm führt, tragen Bagger Torf ab. Außerdem schichten sie im Bereich der Erlebniszone im Rahmen einer wasserbaulichen Maßnahme des Amtes für Naturschutz und Landschaftspflege den früheren Brennstoff um. Nottorf trifft die beiden Kreismitarbeiter Diplom-Ingenieur Tobias Volk und Forstwirt Henrik Scheunemann.

Schäden werden abgewendet

Beide gehören zu den 22 Mitarbeitern des Amts Naturschutz und Landschaftspflege, das seit dem vergangenen Jahr von Christoph Kundler geleitet wird. Für den Bremervörder Kundler, der vorher mehrere Ämter des Landkreises durchlaufen hat, gilt: „Landschaftswarte sollen darauf hinwirken, dass Schäden von Natur und Landschaft abgewendet werden. Sie sollen die Behörden über nachteilige Veränderungen in der Landschaft informieren und als Bindeglied zwischen der Verwaltung und der Bevölkerung agieren.”

Zwischen Natur- und Landschaftsschutz kommt es immer wieder zu Reibereien, das gilt auch im Landkreis Rotenburg. Aber in den meisten Fällen schließt man Kompromisse. Dazu Christian Intemann aus Bothel, zweiter Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Rotenburg-Verden: „Es gab anfangs doch einige Vorbehalte seitens der Landwirtschaft gegenüber der Einrichtung von Landschaftswarten. Über die Jahre hat sich aus meiner Sicht die Einrichtung von Landschaftswarten aber bewährt.“ Wie so oft liege viel an den handelnden Personen vor Ort. „So würden wir uns aus Sicht des Landvolkes in manchen Bereichen mehr Einbindung der Ortsvertrauenslandwirte wünschen, um eventuelle Probleme schneller abstellen zu können.”

Auch von Naturschutzseite gibt es ein Lob für die Institution Landschaftswarte. „Unsere Natur ist an vielen Stellen bedroht. Deshalb ist es ganz toll, wenn Menschen ehrenamtlich ihre Zeit, ihr Wissen und ihre Kommunikationsfähigkeit einbringen, um dagegen zu halten. Das ist bei den Landschaftswarten nach meinem Eindruck in hohem Maß der Fall“, so Roland Meyer, der erste Vorsitzende des Rotenburger Nabu-Kreisverbands. Oft seien gerade die Landschaftswarte es, die zuerst zur Stelle sind. „Dafür, dass sie für diese oft unangenehme Arbeit ihre Freizeit opfern, können wir nur dankbar sein.”

Zunächst drei Landschaftswarte

Ursprünglich, also vor rund 20 Jahren, waren es neben Alfred Nottorf nur zwei weitere Ehrenamtliche, die dieses Amt bekleideten – nämlich Herbert Brandt aus Ahausen, zuständig für das Große und Weiße Moor, sowie Detlef Cordes aus Glinstedt für das Huvenhoopsmoor, dem größten Naturschutzgebiet des Kreises. Anfang 2015 entschied die Kreispolitik dann, die Institution auszuweiten. Es wurden daraufhin zusätzlich 13 weitere Landschaftswarte auf der Ebene der Städte, Samt- und Einheitsgemeinden mit diesem Amt betraut.

Wachsender Tourismus, so auch im Kreis Rotenburg, führe, betont Christoph Kundler, zu mehr Menschen in der Natur. Aufgabe der Landschaftswarte sei es, auf das richtige Verhalten der hin und wieder überforderten Besucher, hier besonders Hundehalter, zu achten. Er bedauert weiter, dass noch nicht sämtliche Naturschutzgebiete durch entsprechende Schilder gekennzeichnet sind. Das führe bei Besuchern zu Problemen, sich zu orientieren. Grundsätzlich stelle er jedoch in den meisten Fällen die notwendige Rücksicht der Tier- und Pflanzenwelt gegenüber.

Keine Ausweitung von Naturschutzgebieten

Aktuell sei keine Ausweitung der Zahl der Naturschutzgebiete im Kreis Rotenburg geplant, informiert Kundler. Im Mittelpunkt stehe vielmehr die Managementplanung der „Natura 2000”-Gebiete. Es gehe dabei um Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen zur Erreichung eines günstigen Erhaltungszustandes. Ein Beispiel sei die Wümme-Niederung. Die Intensivierung der Landwirtschaft sei hingegen in den letzten Jahren mancherorts zu einem Problem geworden. Weniger Grünland habe zu einem Verlust von Wiesenvögeln und zur Verdrängung seltener Pflanzen geführt.

Allerdings, betont Kundler, man stehe mit der Landwirtschaft in einem guten Dialog. Bisher seien stets Kompromisse gefunden worden. „Landwirte sind in der Regel die richtigen Partner bei der Umsetzung der Managementregeln.”

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