10 144 Scheeßeler dürfen an die Urnen

Rathausmitarbeiterin Yvonne Neumann präsentiert den eher wenig handlichen Stimmzettel für die Europawahl. Fast einen Meter misst er. Fotos: Warnecke

Die Europawahl interessiert kaum jemanden? Von wegen. Hatte sie in der Vergangenheit den Ruf, weniger wichtig zu sein als Kommunal-, Land- oder Bundestagswahlen, zeichnet sich bei der Briefwahl in Scheeßel schon jetzt eine Rekordbeteiligung ab.

VON LARS WARNECKE

Scheeßel – Gut anderthalb Wochen noch, dann wählt Europa. 10 144 Bürgerinnen und Bürger und damit 79 Prozent der Gesamteinwohnerschaft sind es, die in der Einheitsgemeinde Scheeßel ihre Stimme abgeben dürfen. Kirsten Baden hat das schon hinter sich. Sie gehört zu jenen 218 Frühwählern, die bis Mittwoch persönlich ins Rathaus gekommen waren, um schon vor dem 26. Mai ihren Stimmzettel in die dort aufgestellte Wahlurne zu schmeißen. Warum? „Na, weil ich an den Wahlsonntagen generell etwas Besseres zu tun habe“, sagt die Geschäftsfrau. Auch Karl-Heinz Humrich hat sein Kreuzchen schon für eine Partei gemacht. (einzelne Politiker können nicht gewählt werden). „Normalerweise gehe ich immer an den Wahlsonntagen hin, dieses Mal aber steht ein kleiner Ausflug auf dem Programm“, erzählt der Rentner, der es „mega wichtig“ findet, gerade jetzt von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. „Vor allem im Hinblick auf den Brexit und das Erstarken europafeindlicher Parteien.“

Was generell zu beobachten ist und ebenso auf die Gemeinde zutrifft: Die Briefwahl per Post wird immer beliebter. 353 Personen, Stand Mittwoch, haben diesbezüglich im Rathaus bereits einen Wahlschein beantragt. „Im Vergleich zu vergangenen Europawahlen ist diese Zahl schon hoch“, sagt Sandra Bassen, die mit ihren Kollegen vom Fachbereich Ordnung und Soziales die Wahl am 26. Mai vorbereitet. Dass sich daraus automatisch dieses Mal eine hohe Wahlbeteiligung ableiten lässt, sieht sie nicht so. „Vielmehr findet eine Verlagerung der Stimmabgabe hin zur Briefwahl statt.“

Bei der bisher letzten Europawahl am 25. Mai 2014, durften genau 10  118 Scheeßel an die Urnen. Von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten letztlich immerhin 6  387 Frauen und Männer – das waren 63,1 Prozent. 2009 hatte noch nicht einmal die Hälfte der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben (42,9 Prozent). Vor fast genau fünf Jahren hatte die CDU in Scheeßel mit 47,6 Prozent die Nase vorne. Die SPD folgte mit 26,5 Prozent. Auf Rang drei kamen die Grünen (10,8 Prozent). Die AfD war bei 4,4 Prozent gelandet. Noch vor der Linken (3,1 Prozent) und der FDP (2,3 Prozent) kam die Partei damit im Gemeindegebiet auf Rang vier.

24 Parteien und politische Vereinigungen umfasste der Stimmzettel bei der vorangegangenen Europawahl – und damit noch 16 weniger als dieses Mal. Entsprechend ist das Dokument besonders lang. „Aber keine Sorge, die Schlitze in den Wahlurnen können die geknickten Stimmzettel schon noch aufnehmen“, versichert Rathausmitarbeiterin Yvonne Neumann.

Wie schon bei den vorherigen Wahlen wird es in der Gemeinde insgesamt 16 Wahlbezirke (Wahllokale) geben. Sie sind am 26. Mai von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Bis auf Westervesede (dort ist das Lokal im Schützenhaus und nicht wie sonst im Dorfgemeinschaftshaus eingerichtet) bleiben die Standorte identisch. Für einen reibungslosen Ablauf vor Ort sorgen die Wahlvorstände. Probleme, diese zu besetzen, habe es keine gegeben, versichert Neumann: „Bei uns läuft das richtig gut.“ Die Wahlhelfer, von denen viele altgedient seien, würden sich immer wieder melden.

Unter den 10 144 Bürgerinnen und Bürgern, die nun wahlberechtigt sind, befinden sich 21 Wählende mit einer EU-Staatsbürgerschaft, die in Scheeßel wohnen und sich hier ins Wählerverzeichnis eintragen lassen haben. Darüber hinaus sind 239 Erstwähler, die noch an keiner Wahl teilnehmen durften, diesmal wahlberechtigt. 2014 waren es nur 70.

Gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen werden Sandra Bassen und Yvonne Neumann am 26. Mai das Rathaus „hüten“, um die Ergebnisse aus den einzelnen Wahllokalen in Empfang zu nehmen einzupflegen und weiter zu übermitteln. Zum Team gehört auch Fachbereichsleiter Frank Thies. „Da wir uns zu viert darum kümmern, werde ich selber erst ab nachmittags vor Ort sein“, sagt er. „So habe ich noch genügend Zeit, in mein Wahllokal ins Ahauser Gemeindebüro zu gehen.“

Wer die Ergebnisse am Wahlabend verfolgen will, findet einen entsprechenden Link auf der Homepage der Gemeinde Scheeßel.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

10. Herbstrallye in Visselhövede

10. Herbstrallye in Visselhövede

Illuminierte herbstliche Natur in Waffensen

Illuminierte herbstliche Natur in Waffensen

Der Samstag auf dem Bremer Freimarkt

Der Samstag auf dem Bremer Freimarkt

Der Samstag auf dem Bremer Freimarkt

Der Samstag auf dem Bremer Freimarkt

Meistgelesene Artikel

Frontal-Crash mit Baum: Autofahrer bei Unfall auf B75 schwer verletzt

Frontal-Crash mit Baum: Autofahrer bei Unfall auf B75 schwer verletzt

Viel zu tun für die neue Kartoffelkönigin

Viel zu tun für die neue Kartoffelkönigin

Die Klimawandel-Alternative

Die Klimawandel-Alternative

Wider die Altersarmut

Wider die Altersarmut

Kommentare