Acht Teilnehmerinnen lernen an Webstühlen des Heimatvereins altes Handwerk

Von Schäften und Litzen

Ilse Halupzok bei der Arbeit an einem Leinentuch.

Scheessel - SCHEESSEL - Elf Hauswebtische stehen in der ersten Etage in dem Gebäude auf dem Meyerhofgelände. Fast alle sind belegt. Der Sommerwebkurs des Scheeßeler Heimatvereins geht immer in der zweiten Juli Hälfte über die Bühne. Seit 20 Jahren ist Rosi Burnus dabei. Nachdem sie sieben Jahre selbst lernte mit Kettfäden, Schiffchen, Schäfte oder Litzen umzugehen, gibt sie dieses Wissen nun seit 13 Jahren an die nächsten Kursteilnehmer weiter.

„Ich habe es von meiner Tante Anna Mießner beigebracht bekommen und möchte mein Wissen nun weiter vermitteln“, so Burnus. Dieses Jahr sind es acht Teilnehmerinnen, die ihre eigenen Stoffe weben. In den vergangenen Kursen – es gibt jährlich drei Stück, im Frühling, Sommer und Herbst – waren manchmal auch Männer dabei. Dieses Mal sind es nur Frauen.

Ilse Haluzok und Gerda Heinz haben Premiere, als Anfängerinnen wollen sie das alte Handwerk von der Pieke auf lernen. Die anderen Hobby-Weberinnen sind wiedergekommen. Teilweise nehmen die Damen dafür eine weite Anfahrt in Kauf. Aus Celle, Bremen oder Hamburg reisen die Auswärtigen an. Zehn Tage lang unter der Woche.

„Die Hauswebstühle waren früher ganz normale Gebrauchsgegenstände in den Haushalten. Einen Meter breit sind die Stoffe, die entstehen“, erklärt Kursleiterin Burnus. Im Weberhaus auf dem Scheeßeler Meyerhof stehen aber auch noch zwei gewerbliche Webstühle, die halb mechanisch betrieben werden. Dabei werden Stoffe mit einer Breite von 1,50 Metern angefertigt. „Diese Maschinen wurden früher beispielsweise bei Kolkmann in Scheeßel verwendet“, so Burnus, die aus Klein Meckelsen kommt. Der älteste Webstuhl stammt aus dem Jahr 1773 und ist immer noch voll funktionsfähig.

Der Kurs ist für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet, da die Webstühle mit zwei bis acht Schäften, den Vorrichtungen, mit denen die Muster im Stoff erzeugt werden, bereit stehen. Schon im Vorfeld sind ehrenamtliche Mitglieder des Scheeßeler Heimatvereins damit beschäftigt, die Kettfäden aufzuziehen, die Schäfte und Litzen herzurichten sowie die dünnen Schnüre durch Ösen zu ziehen. Auf einem Stuhl mit vier Schäften müssen insgesamt 1200 Fäden aufgezogen werden. „Dafür braucht man schon mal einen Tag“, schmunzelt Burnus. Wer ein besonderes Muster weben möchte, hat noch ein paar Stunden mehr Vorbereitungszeit, bis das Schiffchen durch die Fäden fliegt. Übrigens: Der Webstuhl gilt als eine der frühesten Erfindungen der menschlichen Geschichte. Erst im Zuge der industriellen Revolution wurde er durch effizientere Webmaschinen verdrängt. Bei der Herstellung der Textilien haben sich die meisten Kursteilnehmerinnen für Tischdecken oder Handtücher entschieden. Doch bis die fertig sind, müssen die Frauen noch einige flinke Handgriffe erledigen. · pfa

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