Heribert Eiden ist Regisseur der Theatergruppe „RollenTausch“ / Proben für neues Stück laufen

Vom Ruhrpott nach Scheeßel

Heribert Eiden arbeitet begeistert als Regisseur für die Rotenburger Theatergruppe „RollenTausch“. ·
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Heribert Eiden arbeitet begeistert als Regisseur für die Rotenburger Theatergruppe „RollenTausch“. ·

Rotenburg - Von Wieland BonathHeribert Eiden (64), mitten im Ruhrpott, in Wattenscheid geboren, lernte schon als Neun-, oder Zehnjähriger das Theater kennen und lieben. Er in kurzen Hosen, als ihn die von der Bühne besessenen Eltern zum ersten Mal mitnahmen zu Schillers „Räuber“ in das Schauspielhaus Bochum. Das sollte der Beginn einer lebenslangen Liebe werden.

Für den begeisterten Pädagogen an der Lauenbrücker Fintauschule (Deutsch, Geschichte und Religion) folgt beim Aufzählen der Reize dieser Welt nach der Familie ganz schnell eine große Leidenschaft: Eidens Arbeit als Regisseur der Gruppe „RollenTausch“, die für ihn Amateurtheater ist. „Ich mag nämlich den Begriff Laientheater nicht“, stellt Heribert Eiden klar.

Ein langer und steiniger Weg, bevor RollenTausch inzwischen nach 15 Jahren als besonderes Ensemble von immer mehr Menschen wahrgenommen wird. Nach dem Studium in Bochum und Freiburg vor 35 Jahren der Wechsel nach Scheeßel. „Wir vertauschten die Weinberge mit den Kartoffeläckern“, sagt Eiden und erinnert sich an die herzliche Aufnahme durch die Scheeßeler.

Und das war für die „Zugezogenen“ besonders wichtig: „Eigentlich sind wir Großstadtkinder und schätzen das Kulturelle einer großen Stadt. Umso überraschter waren wir, als wir das kulturelle Angebot auf dem Lande kennenlernten.“ Das hatten sie nicht erwartet, das forderte geradezu zum Eintritt in den Heimatverein auf und ließ die Mädchen gern bei den Beekscheepers mitmachen.

Heribert Eiden hatte als Student oft in Jazzbands mitgespielt. Als faszinierender Magnet war jedoch immer das Theater geblieben. Vor 20 Jahren begann er damit, jedes Jahr an der Beeke-Schule ein Stück mit den Schülern einzuüben und zu spielen. Hin und wieder übernahm er eine Rolle und schrieb eigene Stücke, wie zum Beispiel „Hass im Herzen“ (Deutscher Theaterverlag), bei dem es um Rechtsextremismus geht. Bis es vor 15 Jahren zu der „Liebesheirat“ mit der Rotenburger Theatergruppe „RollenTausch“ kam. Hier die begeisterten Feierabend-Schauspieler, dort mit Heribert Eiden der Regisseur, dem es immer wieder gelingt, anspruchsvolle Stücke in passende Formen zu gießen. Der 64-Jährige weiter: „Unser Ziel ist es, die Zuschauer sollen sich gut unterhalten. Das heißt, sie dürfen lachen, sie dürfen aber auch gern nachdenklich werden.“

Die Schauspieler kommen aus vielen Teilen des Landkreises, sie haben die unterschiedlichsten Berufe, vom Lehrer über den Forstrat, den Richter, die Krankenschwester bis hin zu Schülerinnen. Die Jüngsten in der Gruppe sind drei 15-jährige Mädchen. Und auch mit dabei ist eine etwa 90-jährige Dame. Alle mit gleicher Begeisterung, alle bereit, viele Stunden der Freizeit dem Theater und sich selbst zu schenken: Ricarda Morgenstern, Sofie Stallzus und Marieke Schatull heißen die drei 15-Jährigen, die aus der KIR-Arbeit kommen, außerdem Christina Wedemeyer-Neumann, Jürgen Seifert, Jacky Sappert-Böhk, Uwe Goldschmidt, Andreas Winterhalter, Jürgen Cassier, Petra Vermehren, Anneliese Börner, Jens Kramer, Martina Loth. Als Souffleuse mit an Bord ist Marianne Janssen. Maskenbildnerinnen sind Irina Lir und Safiye Delibas. Neu hinzugekommen ist Bettina Renken. Interessierte sind willkommen. Nach gegenseitigem „Beschnuppern“ fällt dann die Entscheidung. „RollenTausch“ ist seit geraumer Zeit Mitglied der Kulturinitiative Rotenburg (KIR).

Gespielt wird fast regelmäßig vor vollem Haus in der Aula der Theodor-Heuss-Schule. So dankbar Heribert Eiden und die Theatergruppe sind, dort so etwas wie eine künstlerische Heimat gefunden zu haben, noch ist ein großer Wunsch unerfüllt: eine den Ansprüchen genügende Lichtanlage. Nach Riesenerfolgen mit Shakespeares „Maß für Maß“ bereitet sich „RollenTausch“ zur Zeit in erster Probenarbeit auf Molirès „Der eingebildet Kranke“ vor. Einbezogen ist dabei auch die Rotenburger Ballettschule von Ines Güttel.

Eiden, der eine Vielzahl von Seminaren absolviert hat, sich immer wieder von Profis beraten lässt und an Fortbildungen teilnimmt, weiß: Der richtige Umgang mit dem Körper ist das Wesentliche, wenig ist viel beim Theater, mit geringen Mitteln das Maximum erreichen. Er arbeite mit einem zurückhaltenden Bühnenbild, betont Heribert Eiden. Der Mensch sei das Wichtige.

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