Raumplaner starten Umfragen zu Schwächen in städtischen Quartieren

Rotenburger sind gefragt

Der Lohmarkt ist ein grauer Platz, oft zugemüllt und schlichter Parkplatz. Hier sehen die Planer Potenzial. 
Foto: Menker
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Der Lohmarkt ist ein grauer Platz, oft zugemüllt und schlichter Parkplatz. Hier sehen die Planer Potenzial. Foto: Menker
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Rotenburg – Rotenburg soll sich 25 Jahre nach dem letzten großen Umbau der Innenstadt mit dem Kerngebiet der Fußgängerzonen zwischen Pferdemarkt und Neuem Markt wieder in großem Maße verändern. Eine zu kleinteilige Planung hatten viele politische Lage und sogar mehrfach die Kreisverwaltung in der Kreisstadt bemängelt. Nun geht’s auf Ganze: 2022 solllen Millionensummen aus dem Städtebauförderungsprogramm von Bund und Ländern Investitionen vor Ort anschieben. Die Innenstadt, die Niederungen von Wümme und Wiedau/Rodau und insbesondere die Rotenburger „Problembezirke“ im Bereich Auf dem Loh/Berliner Ring sollen aufgewertet werden. Die Bürger sind jetzt aufgerufen, sich aktiv mit Ideen einzubringen.

Im Oktober hatte die Stadt mit den drei beteiligten Planungsbüros zum ersten öffentlichen Workshop in den Lucia-Schäfer-Saal geladen, im März sollte der zweite folgen – doch Corona kam. Die Planungen stehen damit aber nicht still, sondern das Virus hat zum Umdenken bei den Projektträgern geführt. Schon bei der ersten Informationsveranstaltung war kritisiert worden, dass nur die erschienen waren, die erwartet wurden. Zumeist Männer, älter als 40, politisch interessiert, viele Funktionsträger: Das übliche Publikum der politischen Diskussion im öffentlichen Raum, möchte man meinen. Aber bei der Entwicklung der Stadt sollen gerade auch die eingebunden werden, die sonst weniger Gehör finden. Jüngere, Randgruppen, alle sozialen Schichten: Vor allem mit Onlinetools soll nun bis Ende Juli das Meinungsbild in Rotenburg eingefangen werden, wo es hakt.

„Es ist ein experimentell neuer Weg“, betont Ingenieurin Heike Wohltmann, die mit der Bremer „plan-werkStadt“ federführend das Vorhaben am Donnerstagvormittag im Rathaus vorgestellt hat. Vielfach sei man in den vergangenen Monaten vor Ort gewesen, habe mit mehr als 20 Akteuren persönliche Gespräche geführt, dazu Telefonate geführt, unter anderem Kindergärten besucht und Fragebögen an Eltern verteilt. Mitunter sei Corona dafür sogar zuträglich gewesen – viele Menschen hätten mehr Zeit gehabt, sich mit Fragen zu Entwicklungspotenzialen ihrer Umgebung zu befassen. Nun wolle man mit persönlichen Sprechstunden, Onlineumfragen, Telefonbereitschaften den nächsten Schritt gehen. Auf der digitalen Pinnwand „Padlet“ sind auf der Homepage oder in der App im Bereich „Bürgerbeteiligung Rotenburg“ bereits die ersten sechs Foren zur Kommentierung freigeschaltet: „Von A nach B“, „Lieblingsorte und Treffpunkte“, „Neugestaltung Lohmarkt“, „Neugestaltung Bolzplatz Harburger Straße“, „Neugestaltung Grünstreifen Sandhasenweg“ und „Rotenburg 2030“. In Kooperation mit den Rotenburger Streetworkern sollen vor allem junge Menschen dazu gebracht werden, ihre Ideen einzubringen. Als weiteren Online-Dialog ist eine Onlineplattform mit 14-tgägig wechselnden Schwerpunktthemen vorgesehen. Die Links dazu sind über die städtische Homepage www.rotenburg-wuemme.de abrufbar und werden über die sozialen Medien gestreut.

Rund 80 000 Euro kostet die Stadt die Anschubfinanzierung für das „Integrierte städtebauliche Entwicklujngskonzept“ und die vorbereitenden Untersuchungen für die Antragstellung. Im Juni 2021 soll auf dieser Basis der Antrag zur Aufnahme ins Städtebauförderungsprogramm 2022 gestellt werden. Im Herbst 2022 könnten erste Maßnahmen beginnen – Bürgermeister Andreas Weber (SPD) rechnet über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren mit zweistelligen öffentlichen Investitionssummen, von denen der städtische Haushalt ein Drittel übernehmen müsste. Bislang fließen laut Wweber jährlich sieben bis zehn Millionen Euro in Investitionen aus der Stadtkasse. Raumplanerin Wohltmann beziffert die im Regelfall eintretenden privaten Folgeinvestitionen in einem aufgewerteten städtischen Umfeld auch das Sechs- bis Siebenfache. „Das sind ganz erhebliche Dimensionen“, untermauert Verwaltungschef Weber.

Es geht allerdings bei dem Programm nicht um Detailplanungen für einzelne Häuser, wie zuletzt selbst in der Ratspolitik diskutiert. Vielmehr würden Leitlinien festgelegt, wie konkrete Maßnahmen aussehen werden, entscheide sich erst nach Bewilligung der Fördermittel in der konkreten Vergabe. Trotzdem biete sich jetzt schon die „einmalige Chance für die Rotenburger, ihre Meinung zu sagen, was sich in den Quartieren verbessern kann“, so Weber. Man habe gemeinsam die große Chance, Rotenburgs Weiterentwicklung in den kommenden Jahrzehnten mitzugestalten. Diese Möglichkeit sollte sich keiner entgehen lassen – bis Ende Juli sammeln die Planer Stimmen.

Kontakt zum Planungsteam

Bis Ende Juli Fragen die Raumplaner Ideen und Meinungen der Rotenburger ab. Das geht unter anderem hier:

•  Online-Dialog mit Jugendlichen unter padlet.com/Buergerbeteiligung_Rotenburg oder in der Padlet-App;

• Online-Dialog für die gesamte Stadtbevölkerung als Informations- und Austausch-Plattform mit jeweils 14-tägigen Schwerpunktthemen für die Gesamtstadt;

• Sprechstunden im Rathaus am 17. Juni, 1. Juli und 15. Juli jeweils ab 17 Uhr zu Schwerpunktthemen;

• Telefonische Sprechstunden am 23. Juni, 7. Juli und 21. Juli ab 17 Uhr;

•  Kontakt zu den Planern unter anderem unter 0421/50 6248 oder team@plan-werkstadt.de;

.• Gruppengespräche mit Rotenburger Bürgern.

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