Der Rotenburger Verkehr soll wieder fließen

Zwischenbericht zum Verkehrsentwicklungsplan zeigt Stärken und Schwächen auf

Ärztehauskreuzung in Rotenburg bei Nacht.
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Einer der Verkehrsknotenpunkte in Rotenburg ist die Ärztehauskreuzung.

Wie lässt sich die Verkehrssituation in Rotenburg verbessern? Eine Antwort darauf soll der neue Verkehrsentwicklungsplan geben, der bis Mitte des kommenden Jahres von der Planersocietät in Bremen gefertigt werden soll. Im Zwischenbericht geht es um Stärken und Schwächen.

Rotenburg – Der Verkehr in Rotenburg stockt. Besonders in den Morgenstunden und am späten Nachmittag gibt es entlang der B215, die sich einmal durch die Stadt zieht, zeitweise lange Staus durch Pendler und Schwerlastverkehr. Aber welche Möglichkeiten gibt es, die Knotenpunkte zu entlasten? Diese und weitere Fragen klärt Sebastian Schröder-Dickreuter, Standortleiter der Planersocietät Bremen. Der städtische Bauamtsleiter Clemens Bumann betont: „Wir haben Ende 2020 einen Verkehrsentwicklungsplan mit dem Zieljahr 2030 in Auftrag gegeben. Der Vorgängerplan ist etwa 20 Jahre alt.“

Schröder-Dickreuter stellte seinen Zwischenbericht nun im Ausschuss für Planung und Hochbau der Stadt Rotenburg im Ratssaal vor. Besonderes Augenmerk richte die Planersocietät auf die Innenstadt, das Diakonieklinikum und den Bahnhof. „Es geht darum, für die nächsten 15 Jahre die wesentlichen Weichen zu stellen und die strategische Ausrichtung im Bereich Verkehr mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu benennen“, sagte Schröder-Dickreuter.

Sein Team habe eine Parkraumerhebung vorgenommen, also die Anzahl und die Auslastung der Parkplätze ermittelt, und an insgesamt zwölf Stellen eine kamerageführte Verkehrszählung durchgeführt, um ein umfassendes Bild der Verkehrsbelastung in und um Rotenburg zu erheben. Mitte kommenden Jahres soll der Verkehrsentwicklungsplan der Öffentlichkeit vorgestellt werden, zuvor tagt noch eine projektbezogene Arbeitsgruppe. „Zum Abschluss werden wir ein Zielkonzept erstellen, in dem es dann um die spannende Aufgabe geht, die Ansatzpunkte zu finden“, so Schröder-Dickreuter. Für seinen Zwischenbericht beschränkte er sich auf den Ist-Zustand und benannte die Stärken und Schwächen.

Rotenburg habe eine „fragmentierte“ Fußgängerzone, die im Verlauf unterbrochen sei. Hohe Aufenthaltsqualität bieten nach Einschätzung des Experten der Stadtstreek und der Pferdemarkt. Insgesamt stünde es um die Barrierefreiheit „verhältnismäßig gut“, jedoch: „In einigen Bereichen sind die Wege nicht sehr vorteilhaft für Menschen, die nur eingeschränkt mobil sind.“ Positiv sei dagegen, dass die Kernstadt einen großen Einzugsbereich habe. „Innerhalb von 20 Gehminuten sind die meisten Bürger in der Innenstadt, viele Quartiere um die Innenstadt sind somit abgedeckt“, so Schröder-Dickreuter.

Es geht darum, für die nächsten 15 Jahre die wesentlichen Weichen zu stellen und die strategische Ausrichtung im Bereich Verkehr mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu benennen.

Sebastian Schröder-Dickreuter, Standortleiter der Planersocietät Bremen

Um eine Einschätzung zur Lage im Radverkehr geben zu kommen, war der Bremer Verkehrsexperte selbst mit dem Fahrrad in Rotenburg unterwegs. Dabei habe er einige Mängel bei der „baulichen Qualität“ der Wege und den Markierungen festgestellt, die bei den Verkehrsteilnehmern zu Unsicherheiten führen könnten.

Insgesamt gebe es in den Stoßzeiten zu wenig Möglichkeiten, Fahrräder sicher unterzubringen. Dies führe zu wild abgestellten Fahrrädern, wie er häufig beobachtet habe. „Die Situation hält Menschen davon ab, aufs Rad umzusteigen. Denn die Fahrräder werden heute immer teurer“, erklärte Sebastian Schröder-Dickreuter.

Die Schulen seien dagegen zwar insgesamt ausreichend ausgestattet, der Zustand der Anlagen sei jedoch nicht immer gut. Außerdem fehle es zum Teil an Überdachungen und Beleuchtung. Konfliktpotenzial zwischen Fahrradfahrern und Fußgängern gebe es überall dort, wo der Straßenraum zu eng sei und dies dazu führe, dass die Verkehrssicherheit nicht immer gegeben sei.

Die Lage im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bewertet die Planersocietät nur am Rande: „Das ist für uns kein Schwerpunktthema. Die Anbindung von Bus und Bahn, Fahrrad und Bus sowie Fahrrad und Bahn ist gut, die Bustaktung aber ,rudimentär‘. Die Busse fahren meist nur im Stundentakt, das ist natürlich nicht optimal“, berichtete der Verkehrsexperte weiter. Der Bahnhof sei ein wichtiger Verknüpfungspunkt für Pendler und das Park+Ride-Angebot werde dort gut angenommen.

Die Verkehrszählung an insgesamt zwölf Knotenpunkten habe wichtige Erkenntnisse geliefert. Für ein umfangreiches Bild sei die Zählung an vier Stellen über 24 Stunden, an den übrigen acht Stellen für jeweils vier Stunden vor- und nachmittags erfolgt. Dabei habe sich der subjektive Eindruck bestätigt, dass die B215 viel befahren ist: Innerhalb eines Tages hat die Planersocietät dort 25 000 Fahrzeuge gezählt. Dies führe zu einer hohen Lärmbelastung insbesondere für Fußgänger und Fahrradfahrer.

Als positiv bewertet Schröder-Dickreuter, dass es abseits der Hauptverkehrs-Achsen das Tempo fast flächendeckend auf 30 Kilometer pro Stunde beschränkt ist: „Das gewährleistet eine hohe Verkehrssicherheit und dämmt die Lärmbelästigung.“

Probleme, sein Fahrzeug abzustellen, gebe es besonders am Diakonieklinikum: „Dort ist der Parkdruck für Anwohner sehr hoch“, so Sebastian Schröder-Dickreuter. Die Parkraumerhebung habe jedoch insgesamt ergeben, dass es in Rotenburg mehr Parkplätze gebe als tatsächlich gebraucht würden. Die Auslastung sei demnach werktags im Schnitt bei nur etwa 60 Prozent, wobei zum Beispiel der Parkplatz am Rathaus deutlich mehr ausgelastet sei. Wer einen Parkplatz finde, müsse zudem nur geringe oder keine Parkgebühren zahlen. Kehrseite der hohen Anzahl an Parkplätzen sei jedoch, dass diese viel Fläche verbrauchten. „Da stellt sich die Frage: Kann man diese teilweise auch anders nutzen?“

Die Ausschussmitglieder nutzten die Gelegenheit, um ihrerseits Anregungen zu geben. Klaus Rinck (CDU) etwa wollte wissen, ob eine West- oder Ostumgehung eine nennenswerte Entlastung bringen würde und ob Parkhäuser am Krankenhaus und Bahnhof die Parkplatzsituation verbessern könnten. Ekkehard von Hoyningen-Huene (Grüne) bemängelte, dass für ihn bisher zu wenig an die Verkehrswende gedacht worden sei. Bürgermeister Torsten Oestmann bat um Geduld: „Wir sollten offen an die Diskussionen im Frühjahr gehen und nicht aus einer Gefühlslage heraus jetzt schon etwas ausschließen. Später geht es um die Frage, welche Auswirkungen die Maßnahmen auf andere Bereiche hätten.“ Es sei eine einmalige Chance, Optionen durchzuspielen und nach Faktenlage zu entscheiden, was sinnvoll für die Stadt Rotenburg ist.

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