Open-Air kommt später: Veranstalter in den Startlöchern

Zweite Auflage der Rotenburger Autodisco verschiebt sich

Viele Autos parken vor der Bühne zur Autodisco
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Auf die Atmosphäre im Dunklen, mit Lichtern und Musik, wollen die Veranstalter nicht verzichten.

Die Veranstaltungswirtschaft steht nach wie vor ohne Perspektive da. Selbst lange geplante Ideen, wie die zweite Auflage der Autodisco, müssen nun noch ein wenig nach hinten verschoben werden.

  • Die Pläne liegen in der Schublade: vier Autodisco-Termine, eine Treckerdisco.
  • Veranstalter frustriert über mangelnden Fahrplan.
  • „Test-Events“, Open-Air-Events: Ideen gibt es viele.

Rotenburg – Blinkende Lichter, hupende Autos, Musik über das Autoradio, große Leinwände, auf denen das Geschehen auf der Bühne in schwarzen Containern gut zu beobachten ist, dazu viele gut gelaunte Menschen: Das war die Autodisco im vergangenen Jahr auf der Wiese neben der Wäscherei der Rotenburger Werke im Gewerbegebiet Hohenesch. Die Idee dazu hatten Malte Holsten von Sound-Patrol und sein Freund und Geschäftspartner Dario Elsen von der Gegenheit Medienproduktion – ein ganz coronakonformes Vergnügen in veranstaltungsarmen Zeiten. Auch für 2021 laufen entsprechende Planungen an, fünf „geile Event-Konzepte haben wir fest geplant in der Tasche“, sagt Holsten. Doch die Termine müssen nun vorerst verschoben werden.

Vier Autodisco-Termine, eine Treckerdisco: Auftakt sollte bereits an Himmelfahrt, Donnerstag, 13. Mai, sein. Doch aufgrund der Bundesnotbremse werden die Planungen vorerst auf Eis gelegt. Verschoben, das ist Holsten und Elsen besonders wichtig. Nicht abgesagt. Denn sobald es die Situation erlaubt, sind die beiden startklar: Die Pläne liegen in der Schublade. Per Knopfdruck sei man bereit, alles ins Rollen zu bringen. Flyer, Ticketsystem, alles ist vorbereitet.

Die Discos von der Uhrzeit her früher starten zu lassen, was eventuell machbar wäre, sei keine Option: Das Event lebe von der Atmosphäre, den Lichtern in der Dunkelheit. Die Künstler hören und sehen, „das nimmt man abends ganz anders wahr als tagsüber“. Holsten wird noch deutlicher: „Das Partyfeeling ist ein ganz wesentlicher Teil, auf den wir nicht verzichten wollen.“

Keine Planungssicherheit

So ganz nachvollziehen kann Holsten den Stopp seiner Branche langsam nicht mehr. „Wir sind Profis, halten uns an die Konzepte. Wir gehen alles mit und natürlich ist der Grundgedanke einer einheitlichen Linie gut, aber es reicht langsam.“ Mittlerweile steht die Veranstaltungsbranche, ebenso wie die Gastronomie, seit über einem Jahr an der Wand. Das eine ist meist undenkbar ohne das andere: Für Feiern arbeitet man mit Location, Licht, Ton und Versorgung Hand in Hand. Eine richtige Perspektive, die Anfang des Jahres für den Sommer noch da schien, schätzt Holsten derzeit gering ein.

Im vergangenen Sommer ging letztlich noch einiges, wie es dieses Jahr aussehen wird, darüber hängt ein Fragezeichen. Aber im Großen und Ganzen gilt: „Seit über einem Jahr kann niemand so richtig planen.“ Das merkt er auch in Gesprächen mit anderen: Die Leute sind verunsichert, das Telefon klingelt merklich seltener. Und wenn, dann sind es meist Absagen. Frustrierend, sagt Holsten. „Wir haben ein neues Level erreicht.“

Gerade Events wie eine Autodisco sieht er aber als Chance, „mal rauszukommen mit einer sicheren Möglichkeit“. Die Rückmeldungen im vergangenen Jahr seien positiv gewesen, aus vier geplanten Veranstaltungen wurden letztlich acht. Einige Besucher sind mehr als 200 Kilometer gefahren, um dabei zu sein. „Die Leute waren froh und es steckt viel Leidenschaft dahinter.“

Jedes noch so kleine Detail fassen Holsten und Elsen ins Auge. So war unter anderem ein Quad auf der Wiese unterwegs, falls einem Auto die Batterie ausging. Aber auch an die Treckerdisco, beim ersten Mal mit 300, beim zweiten Mal mit 500 Treckern, denkt Holsten gerne. „Das war ein geiles Feeling, überall waren Trecker zu sehen. Da ist ein tolles Gemeinschaftsgefüge unter den Landwirten. Sie funken bei der Disco untereinander. Genau diese Momente sind es, warum wir das machen – und weshalb es uns so frustriert.“

Ein Format, auf dem aufgebaut wird

Aber eben das sind auch die Gründe, warum die beiden Veranstalter die Idee weiterverfolgen und sich von dem kleinen Rückschlag nicht entmutigen lassen. Auch dieses Jahr ist eine Ausweitung wieder denkbar: „Wir müssen gucken, wie es angenommen wird, dann machen wir auch mehr“, verspricht Holsten. Es sei ein „tolles Format, darauf wollen wir aufbauen“. Auch die Zusammenarbeit mit Polizei und Ordnungsamt, mit Security sowie die Ein- und Ausfahrt hätten reibungslos geklappt.

Verbesserungen am Grundkonzept wird es daher nur kleinere geben, grundsätzlich sei man damit gut gefahren. „Das richtet sich auch nach Corona, da sind uns schon ziemlich die Hände gebunden.“ Allerdings wird die Bühnenkulisse überarbeitet, „da gibt es etwas Neues“. Was das ist, verrät Holsten noch nicht, auch nicht, welche Künstler auftreten werden.

Es steckt viel Mühe, viel Liebe zum Detail in den Plänen, die noch in der Schublade verwahrt werden müssen. Und auch Ideen für andere Projekte warten. Grundsätzlich würde sich Holsten daher einfach wünschen, dass die Veranstaltungswirtschaft von der Regierung mehr mit einbezogen würde. Und: „Wir wollen alle da raus, aber dafür muss jeder mitziehen.“ Wie man gerade sehe, tut das nicht jeder. Und es brauche Perspektiven, wie in anderen Ländern aktuell. „Aber die gibt es nicht, keinen Fahrplan.“ Holsten denkt beispielsweise an „Test-Events“, an denen die Leute mit Nachweis eines negativen Schnelltests teilnehmen könnten. Open-Air-Events, selbst, wenn das Maskentragen Pflicht ist: „Wir haben uns an die Maske gewöhnt, die Leute sind ausgehungert, das wäre kein Problem.“

Jetzt beginnt die Zeit, wo Veranstaltungen draußen organisiert werden können, kontrolliert per Eingangsschleuse – und sicherer, findet Holsten. „Wir entwickeln ein anderes Bewusstsein, in solchen Zeiten sind Sachen besonders, die es vorher nicht waren. Aber wenn ich alles draußen streiche, treffen sich die Leute drinnen, ohne Hygienekonzept. Und das Zusammensein bei der Auto- und Treckerdisco, auch wenn man nicht dicht beieinander ist, gibt auch Hoffnung und Freude.“

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