Schulsozialarbeit im Wandel

Zwei neue Schulsozialarbeiter unterstützen das IGS-Kollegium

Detlef Lehmann (v.l.), Bianca Fischinger, Sandra Röger und Uwe Goldschmidt.
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Sie bereiten sich schon auf die Situation vor, wenn alle Schüler zurückkehren dürfen: Detlef Lehmann (v.l.), Bianca Fischinger, Sandra Röger und Uwe Goldschmidt.

Das Team der Schulsozialarbeiter an den IGS-Standorten in Rotenburg hat Zuwachs bekommen. Und der ist notwendig: Wenn die Schüler wieder vollständig zurückkehren dürfen, werden sie Unterstützung bei der Rückkehr in den Alltag benötigen.

Rotenburg – Die große Herausforderung, sie wird erst noch kommen, und zwar mit der dauerhaften Rückkehr aller Schüler: Da ist sich das Team der Schulsozialarbeiter – oder ganz korrekt der Sozialen Arbeit in schulischer Verantwortung – an den IGS Standorten an der Gerberstraße und In der Ahe sicher. Deswegen bereiten sie sich darauf vor, sowohl personell als auch mit Projekten. Denn wenn die Schüler wiederkommen, werden sie vor allem eines im Gepäck haben: viele aufgestaute Emotionen. Und die müssen raus.

Um das aufzufangen, haben Detlef Lehmann, Sandra Röger sowie der didaktische Leiter Daniel Wendt Unterstützung: Seit November verstärkt Uwe Goldschmidt, vielen bekannt durch seine Arbeit in der Kulturinitiative Rotenburg (Kir), und seit Januar Bianca Fischinger das Team. Schule ist im Wandel, ständig, das merkt Lehmann gleich an.

1992 hat er seine schulische Arbeit aufgenommen, und eines sei deutlich: Wurde Sozialarbeit in den Schulen früher manchmal belächelt, ist sie heute ein wichtiger und vor allem wertgeschätzter Part. „Es hat eine Aufwertung stattgefunden, der Beruf ist etabliert“, sagt er. Insbesondere durch den Ganztag, wodurch die Sozialarbeit eingebunden wurde.

Die Schulen hätten die Möglichkeiten erkannt, die sich ihnen bieten. Das beschränkt sich nicht nur auf die Beratung – die weiter ein wesentlicher Teil ist – oder schlichte Aufsicht, sondern auch auf viele Projekte und Aktionen, die die Sozialarbeiter mit den Kindern und Jugendlichen umsetzen. Es ist ein vielfältiger Beruf. „Wir ergänzen uns da in unseren Qualifikationen“, sagt Lehmann. „Es ist auch ein Glück, dass wir Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter haben – das ist nicht selbstverständlich“, merkt Fischinger an. „Auch in Zeiten von raren Ressourcen in Sozialarbeit.“

Auswirkungen ähnlich einer Langzeitarbeitslosigkeit

Aktuell ist die Truppe auch in der Notbetreuung eingesetzt. Ohnehin hat die Pandemie einiges verändert. Der Kontakt insbesondere zu den Schülern – die sie bei Neuzugängen auch erstmal kennenlernen müssen – ist mitunter schwer zu halten. Es ist eine Distanz, die sie versuchen mithilfe von Online-Meetings, Telefonaten, E-Mails, Briefen und Chats zu überwinden. Manchmal müsse man hartnäckig bleiben, mehrfach nachfragen, so Röger – aber dann öffnen sich die Schüler meist auch.

Denn auch, wenn sie sich oft nicht laut beschweren, „sie leiden still“, weiß Fischinger. Isolation, Einsamkeit, der normale Ausgleich fehle – wem soll man seine Probleme anvertrauen? „Das hat Auswirkungen ähnlich einer Langzeitarbeitslosigkeit.“ Natürlich gibt es die aktiven Schüler, die damit umgehen können, die daran wachsen und individuell sogar besser sind. Für sie ist es auch eine Chance. Aber es gibt eben auch die, die „versacken“, so Lehmann. Beide Seiten müssen später abgeholt werden.

Eines ist ihnen aber gemeinsam: Sie sind müde, frustriert, erschöpft – die Zeit hinterlässt ihre Spuren. Denn Schule ist nicht nur Unterricht, sie ist ein Ort der Begegnung. „Die Lehrer und die Mitarbeiter halten ein System hoch mit Energie und Menschenwärme, Hut ab“, meint Fischinger.

Denn die Verwirrung, die sich zum Beispiel vonseiten der Politik ergibt, nehmen die Schüler wahr – sie dürfen nicht beieinander sitzen, aber in engen Bussen. Sie sollen Abstand halten, auf dem Spielplatz oder dem Bullensee tummeln sich die Menschen. „Es sind Dinge, die keine Akzeptanz fördern“, erklärt Wendt.

Eine Mammutaufgabe für alle

Hauptaufgabe der Sozialarbeit sei es aktuell, für Entspannung zu sorgen und dass die Menschen sich an der Schule wohlfühlen – eine Mammutaufgabe. „Wir sind in Habachtstellung – wann öffnen wir? Was bringen die Schüler dann mit?“, sagt Fischinger. „Wir sind froh, wenn wir bis Sommer überhaupt einen Fahrplan haben.“ Der Balanceakt zwischen Privatleben, oftmals mit eigenen Kindern, Präsenzunterricht und Homeschooling, ist kein leichter. Daher sind die Sozialarbeiter auch verstärkt für die Lehrer da – aber auch für die Eltern.

Schule war auch vorher keine heile Welt, doch jetzt ist es ein Gefühl von der „Ruhe vor dem Sturm“. Und genau auf diesen müssen sich die Sozialarbeiter einstellen: Es sind neue, andere Aufgaben. „Vorbereitende Arbeit“, Prävention, nennt Lehmann es.

Flexibilität ist dabei eines der wesentlichen Stichworte. Denn die große Herausforderung, die steht ihnen erst noch bevor, da sind sich alle sicher: Wenn die Schüler zurückkehren dürfen, feste Strukturen, ihre Freunde, einen Alltag zurückbekommen. „Wir bekommen jetzt mit, was sie bewegt, Emotionen, Gefühle, die sich aufstauen“, so Lehmann.

Ein Angebot, das daher gerade umgesetzt wird, ist ein Ruhe- und Entspannungsraum. Diesen gibt es an der Gerberstraße bereits, er soll aber umgestaltet werden. „Und wartet auf einen Namen“, so Fischinger, die dabei auf die Ideen der Schüler zählt. Ein weiterer Plan ist eine Ausstellung unter dem Motto „Corona gehört ins Museum“. Daran sollen sich alle beteiligen, basteln, stricken, malen, alles ist möglich. Zum einen, um sich mit dem Geschehen auseinanderzusetzen, zum anderen, um es so verarbeiten zu können. „Wir denken jetzt schon weiter“, sagt Fischinger. Denn es gibt auch Dinge, die oft noch nicht richtig bedacht wurden, die aber angegangen werden müssen: Manche Kinder bekommen in der Schule ihr warmes Mittagessen – das im Homeschooling vielleicht wegfällt. Daher wird Schule auch noch mehr darauf achten müssen, wie es Zuhause aussieht, „sich dafür interessieren müssen“, sagt Lehmann. „Es ist wichtig, auch in solchen Momenten deutliche Zeichen zu setzen.“

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