CDU und SPD stehen vor Nominierungsparteitagen

Zwei Kandidatinnen und ein alter Bekannter

Die Auswahl bei der CDU wird geringer – nur noch Kathrin Rösel und Ulrike Jungemann bewerben sich darum, SPD-Politiker Lars Klingbeil im Bundestagswahlkampf für das Direktmandat im Wahlkreis herausfordern zu dürfen. - Foto: dpa

Rotenburg - Von Michael Krüger. Im Herbst 2017 wird ein neuer Bundestag gewählt. Wer dann im hiesigen Wahlkreis 35 „Rotenburg I – Heidekreis“ hoffen kann, das Direktmandat zu ergattern, entscheidet sich in diesen Wochen. Die offizielle Nachfolge des bekanntermaßen ins höchste deutsche Fußballfunktionärsamt gewechselten Reinhard Grindel wird, realistisch betrachtet, zwischen CDU und SPD entschieden. Wer SPD-Platzhirsch Lars Klingbeil bei den Christdemokraten herausfordern wird, ist noch offen – eine Kandidatin ist aber bereits abgesprungen.

Andrea Kaiser will nicht mehr. Die Sottrumerin hat ihre Kandidatur bei der CDU zurückgezogen. Damit bleiben mit Kathrin Rösel, die das Mandat von Grindel im Juni offiziell übernommen hat, und Ulrike Jungemann noch zwei Kandidatinnen, die sich bei der Parteibasis für die Nominierung zur Wahl stellen. Kaiser begründet ihren Schritt damit, dass sie Rösel in den vergangenen Monaten als „sehr engagiert, motiviert, kompetent und überaus verbindlich kennengelernt“ habe. Im Frühjahr hatte sich Kaiser beworben, weil sie für die Partei jemand ins Rennen bringen wollte, der die Region kenne und gut vernetzt sei. Sie sei skeptisch gewesen, dass die aus Gifhorn stammende Rösel dies bieten könne – sei nun aber überzeugt, dass sie falsch gelegen habe: „Sie ist hier angekommen.“ Es wäre für den Wahlkreis und die CDU „dumm“, sagt Kaiser, wenn die eingeleitete Veränderung und Entwicklung mit Rösel gestoppt werde.

Daraus resultiert bei der stellvertretenden Kreisvorsitzenden auch eine Empfehlung, die sie in einem Schreiben an die Parteikollegen so formuliert: „Ich bitte Sie, mit mir gemeinsam Kathrin Rösel nicht nur auf der Nominierungsveranstaltung am 19. November in Walsrode zu unterstützen, sondern darüber hinaus bei ihrer täglichen Arbeit für uns in Berlin.“ Bemerkenswert ist diese Aussage, weil Kaiser sich damit auch gegen Ulrike Jungemann ausspricht – obwohl diese lokale Kandidatin ist und zudem eine Arbeitskollegin in der Landkreisverwaltung. Jungemann selbst kommentiert Kaisers Aussagen nur kurz: „Es ist ihr gutes Recht, eine Empfehlung für Kathrin Rösel auszusprechen. Da spielt wohl auch die Verbundenheit durch die Arbeit in der Frauen-Union hinein.“

Möglicherweise ist es nun aber im Bereich Rotenburg für die politische Quereisteigerin, die erst seit Mai CDU-Mitglied ist, auch etwas einfacher, sich gegen Rösel beim Votum der Parteimitglieder durchzusetzen. Jungemann: „Ich weiß nicht, ob wir uns Stimmen weggenommen hätten.“ Einen prominenten Unterstützer weiß Jungemann an ihrer Seite – Landrat Hermann Luttmann (CDU) hat sich bereits für sie als Kandidatin ausgesprochen. Rückendeckung für die 45-jährige Regionalplanerin.

Rückzug sei mutig

Kathrin Rösel wiederum bezeichnet Kaisers Rückzug als „mutig“. Sie freue sich natürlich über die Unterstützung. Den Wahlkreis habe sie über den Sommer hinweg intensiv kennengelernt, 4. 000 Kilometer sei sie quer durch alle Regionen gefahren und habe die Menschen getroffen. Eine „Trennschärfe“ zwischen den beiden Kreisverbänden im Wahlkreis sei nicht mehr erkennbar. Wird sie nominiert, möchte sie auch in die Region ziehen, zumindest mit einem Zweitwohnsitz. Da ihr 19-jähriger Sohn mittlerweile in Berlin studiere, sei sie familiär in Gifhorn auch nicht mehr so sehr gebunden.

Und der Gegenkandidat, der 2009 und 2013 gegen Grindel verloren hatte und über die Landesliste in den Bundestag eingezogen ist? Lars Klingbeil ist optimistisch. Die SPD-Vorstände in Rotenburg und im Heidekreis haben sich bereits einstimmig für den 38-Jährigen ausgesprochen, die endgültige Entscheidung über die Kandidatur am 18. November bei der Vollversammlung aller SPD-Mitglieder im Wahlkreis dürfte ein Selbstläufer sein. Klingbeil: „Ich darf unsere Region jetzt seit acht Jahren in Berlin vertreten und unsere Themen voranbringen. Das tue ich mit großer Begeisterung und Überzeugung. Ich will weiter beharrlich für unsere Region arbeiten.“

Lesen Sie auch

Die neue CDU-Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel im Interview

Mehr zum Thema:

Istanbul: 38 Tote und viele Verletzte

Istanbul: 38 Tote und viele Verletzte

Luftangriffe vertreiben IS wieder aus Palmyra

Luftangriffe vertreiben IS wieder aus Palmyra

Terror in Istanbul: Die meisten Opfer sind Polizisten

Terror in Istanbul: Die meisten Opfer sind Polizisten

Bereits sieben Tote nach Zug-Inferno in Bulgarien

Bereits sieben Tote nach Zug-Inferno in Bulgarien

Meistgelesene Artikel

Reumütiger Dieb bringt Beute zurück

Reumütiger Dieb bringt Beute zurück

„Der Löwenzahn setzt sich durch“

„Der Löwenzahn setzt sich durch“

Angebliche E-Mail der Polizei - Ermittler warnen vor Schadsoftware

Angebliche E-Mail der Polizei - Ermittler warnen vor Schadsoftware

Buchhandlung Wandel: Ende des Jahres ist Schluss

Buchhandlung Wandel: Ende des Jahres ist Schluss

Kommentare