Zwei Jahre nach Attacke auf polnische Leiharbeiter der Firma Neupack: Verfahren gegen Auflage eingestellt

Angeklagte müssen Opfer 4000 Euro zahlen

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Mediengruppe Kreiszeitung

Von Inken QuebeROTENBURGHeute ist es genau zwei Jahre her, dass sich ein brutaler Überfall auf polnische Leiharbeiter, die aufgrund eines Streiks der übrigen Belegschaft befristet beim Unternehmen Neupack in Rotenburg beschäftigt waren, ereignet hat – gestern kam es vor dem Amtsgericht Rotenburg nun zur Verhandlung gegen drei Männer. Das Verfahren gegen die drei Angeklagten – 29, 33 und 42 Jahre alt – wurde zwar eingestellt, allerdings gegen Auflage: Einer der damaligen Leiharbeiter, der bei dem Überfall eine Schädelhöhlenfraktur davontrug, erhält von den mutmaßlichen Tätern eine Entschädigung in Höhe von 4000 Euro.

Am Ende gab es gleich drei Versionen, was sich am Abend des 16. Januar 2013 in der Unterkunft mehrerer polnischer Leiharbeiter, die Pension Eichenhof in Hellwege, ereignet hat. Die drei Männer sollen laut Anklageschrift dort eingedrungen sein und den Angestellten aus Polen gedroht haben, ihren Familien würde etwas zustoßen, wenn sie nicht in ihr Heimatland zurückkehren. Diese Nötigung wurde allen drei Angeklagten zur Last gelegt. Der 29-Jährige, der in Rotenburg lebt, soll zudem einen der Gastarbeiter mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihm zudem das Knie ebenfalls ins Gesicht gestoßen haben. Das Opfer hat dadurch massive Verletzungen davon getragen, musste zwei Wochen lang im Agaplesion Diakonieklinikum behandelt werden – mehr als ein Jahr lang habe er nicht arbeiten können, bis heute habe er zudem keinen neuen Job gefunden, gab das Opfer in der gestrigen Verhandlung an.

Sowohl der 29-jährige Rotenburger als auch der 33-Jährige, der in Bothel lebt, verweigerten die Aussage. Einzig der 42-jährige Scheeßeler machte Angaben – er könne sich jedoch aufgrund starker Alkoholisierung nur noch bruchstückhaft an den fraglichen Abend erinnern. Die mögliche Tat selbst fehle in seiner Erinnerung komplett. Auch die Zeugen bestätigten eine starke Alkoholisierung des Scheeßelers.

Trotz mehrerer Zeugen hat Richterin Petra Stein-Simon während der Verhandlung nicht abschließend klären können, wie die Auseinandersetzung abgelaufen ist. Die Aussagen wichen während der Beweisaufnahme voneinander ab. Zu schnell sei alles gegangen, und nach zwei Jahren erinnere sich heute niemand mehr richtig an das Geschehen. Schon bei der polizeilichen Vernehmung soll zudem kein anerkannter Dolmetscher anwesend gewesen sein. Eine Zeugin merkte mehrfach an, dass ihre Aussage bei der Polizei wohl falsch übersetzt worden sei. So waren sich die drei polnischen Leiharbeiter nicht einig, welcher der drei Angeklagten dem Opfer die schweren Verletzungen zugefügt haben soll. Um eine weitere Version zu verhindern, machte Stein-Simon vor der Aussage einer weiteren Zeugin, die ebenfalls dort anwesend war, schließlich das Angebot, das Verfahren gegen eine Zahlung an den Geschädigten einzustellen.

Ein vierter mutmaßlicher Täter, der die Angreifer schließlich dazu aufgerufen haben soll, den Ort des Geschehens zu verlassen, konnte bis heute nicht ermittelt werden.

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