Mechthild Ross-Luttmann und Heiner Ehlen ziehen sich aus dem Landtag zurück

Zwei CDU-Urgesteine verabschieden sich

Die beiden Ex-Minister Hans-Heinrich Ehlen und Mechthild Ross-Luttmann planen ihren Abschied aus dem Landtag. Sie treten für die Wahl 2018 nicht mehr an. Die Nachfolgersuche beginnt. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Hans-Heinrich Ehlen und Mechthild Ross-Luttmann verabschieden sich am Ende der Legislaturperiode aus dem Niedersächsischen Landtag. Das haben die beiden Christdemokraten am Montagvormittag in einem Gespräch mit der Presse bekanntgegeben. Zuvor hatten sie die Mitglieder des CDU-Kreisverbandes Rotenburg in einem Brief darüber informiert, dass sie bei der Landtagswahl am 14. Januar 2018 nicht noch einmal antreten. Ehlen nimmt nach 24 Jahren in Hannover seinen Hut, Ross-Luttmann war dann 15 Jahre im Landtag.

„Die Politik hat mir unheimlich viel Spaß gemacht und mich geprägt“, sagt Ehlen, der von 2003 bis 2010 als Landwirtschaftsminister gegrüßt hat. Nach reiflichen Überlegungen habe er sich entschieden, aus der Landespolitik auszusteigen. „Auch mir ist es nicht leicht gefallen, mich gegen eine erneute Kandidatur zu entscheiden“, erklärt Mechthild Ross-Luttmann, die von 2005 bis 2010 als Landessozialministerin am Kabinettstisch saß. Die CDU im Südkreis wird am 15. Februar über die Kandidatur für 2018 entscheiden, einen Tag später sollen für den Nordkreis die Würfel fallen. Beide, Ehlen und Ross-Luttmann, betonen, dass die CDU offiziell in der Kandidatenfrage bei Null stehe. Ehlen, auch CDU-Kreisvorsitzender: „Wer sich das zutraut, ist aufgefordert, sich von sofort an beim Kreisvorstand zu melden.“

Ein solches Schreiben wird es von Ulrike Jungemann nicht geben. Sie war erst vor wenigen Tagen im Kandidaten-Duell für die Bundestagswahl im kommenden Jahr an Kathrin Rösel gescheitert. Jungemann: „Ich stehe nicht bereit, denn ich würde nicht von einer Wahl zur nächsten gehen – ich finde, das gehört sich nicht.“ Ob sich daran langfristig etwas ändert, müsse sich zeigen. „Zurzeit habe ich keine Ambitionen.“ Sie sei auch nicht mit einem „Plan B“ in der Tasche gegen Rösel angetreten.

Eike Holsten, der Gemeindeverbandsvorsitzende der CDU in Rotenburg, bedauert zunächst den geplanten Landtagsausstieg von Mechthild Ross-Luttmann. „In ihr haben wir eine hervorragende Abgeordnete.“ Kommt er selbst als Kandidat infrage? „Die Kreispartei hat potenzielle Bewerber darum gebeten, möglichst bis Ende des Jahres Bereitschaft zu signalisieren. Diese Zeit möchte auch ich gerne nutzen, um einen solchen Schritt in Ruhe mit meiner Familie zu beraten, aber auch um mit Parteifreunden darüber sprechen zu können. Eine solche Entscheidung überstürzt man nicht.“ Rotenburgs CDU-Stadtratsfraktionschef Klaus Rinck hat selbst kein Interesse an einer Kandidatur. „Wir haben doch in Eike Holsten einen exzellenten Kandidaten. Er ist qualifiziert, engagiert und tüchtig.“ Er hoffe, dass Holsten sich dafür entscheidet.

So oder so: Es wird Veränderungen geben – und das nach vielen Jahren. Mechthild Ross-Luttmann und noch viel mehr Hans-Heinrich Ehlen sind schließlich Urgesteine der CDU auf Landesebene. Beachtlich ist dabei der Einstieg der 58-jährigen ehemaligen Sozialdezernentin des Landkreises Rotenburg: Sie trat 2003 zum ersten Mal an und gewann auf Anhieb den Wahlkreis – gegen den Sozialdemokraten Bodo Räke. Der Sozialdemokrat war in Rotenburg eine Institution. „Er war der mächtige Mann mit großem Zuspruch“, erinnert sich die Abgeordnete. Sie selbst war bis dahin politisch lediglich in der Frauen-Union unterwegs. Dennoch holte sie den Wahlkreis – „wahrscheinlich hat der Kampf gegen die Y-Trasse damals den Ausschlag gegeben“. Heute ist sie froh, dass diese über Jahre umstrittene Bahn-Variante endlich gekippt worden ist. Ross-Luttmann, die auch nicht mehr für den Rotenburger Stadtrat kandidiert hatte: „So schließt sich für mich so ein wenig der Kreis.“ In den zurückliegenden Jahren hat sie mehrere aus ihrer Sicht wichtige Themen eng begleitet: die Abschaffung der Bezirksregierungen sowie die Einführung und Umsetzung des Nichtraucher-Schutzgesetzes beispielsweise. Nun also der Rückzug zu einem Zeitpunkt, da es darum gehe, in einem geordneten Verfahren einen Kandidaten zu finden. Gründe: Sie selbst hat in den vergangenen Jahren schweren Krankheiten durchlebt, außerdem geht es ihr um die Familie.

Das wünscht sich auch Hans-Heinrich Ehlen, der ehemalige „Minister für Essen und Trinken“. Der 67-Jährige freue sich darüber, stets großen Zuspruch in der Region, aber auch in der Fraktion zu haben. Auf fünf absolvierte Legislaturperioden wird er zurückblicken können. Dabei war vor allem die Landwirtschaft stets sein Thema. „Andere Schwerpunkte hatte ich nicht.“ Und zugleich weist er darauf hin, dass er diesen Weg als Volksschüler und gelernter Landwirtschaftsmeister gegangen sei. Ein Jahr vor seiner ersten Kandidatur war er in die CDU eingetreten – zusammen mit seiner damals 85-jährigen Mutter. Der Abschied 2010 aus dem Kabinett sei nicht leicht gewesen, aber danach habe er vielleicht sogar noch viel mehr erreicht. In jedem Fall habe er Ort kennen gelernt, die er als Bauer nie gesehen hätte. Und demnächst? „Ich freue mich darauf, wieder Trecker zu fahren“, sagt der HSV-Fan. Ob er über den 8. April hinaus als Kreisvorsitzender der CDU am Ball bleibt, ist noch offen.

Wer ihm im Landtags-Wahlkreis Bremervörde folgt, entscheidet sich auch in den kommenden Wochen. Ex-Bundestagskandidat Marco Mohrmann hat bereits in Parteikreisen Interesse signalisiert, heißester Anwärter im Nordkreis ist aber der neue CDU-Fraktionschef im Kreistag, der Bremervörder Marco Prietz. Der sagt am Montag: „Die Frage, ob ich kandidiere, wird mir aktuell sehr oft gestellt. Ich werde sie bis Weihnachten beantworten.“

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