Holle und Oestmann im Ratsgymnasium

Zwei Rotenburger Bürgermeisterkandidaten bei Erstwählern

Schülerin mit Wahlzettel
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Die Schülerwahl deutet das Kopf-an-Kopf-Rennen in Rotenburg an.

Die Bürgermeisterwahl in Rotenburg wird spannend. Das sehen auch die Erstwähler des Ratsgymnasiums so.

Rotenburg – Es ist heiß an diesem Nachmittag, einer der letzten Schultage vor den großen Ferien. Eigentlich ideal, um am See oder im Freibad mit Freunden abzuhängen, aber die acht Schülerinnen und sieben Schüler des Grundkurses Politik im zwölften Jahrgang des Ratsgymnasiums sitzen brav auf ihren Stühlen und stellen Fragen. Beantwortet werden diese unter Leitung von Lehrerin Antje Gortmann von Frank Holle und Torsten Oestmann.

Beide wollen am 1. November als neuer Bürgermeister der Kreisstadt grüßen, stellen sich am 12. September zur Wahl. Hier stellen sie sich denen, die das erste Mal mit abstimmen dürfen an der Urne – und die auf andere Antworten hoffen, als sie üblicherweise in klassischen Wahlkampfzeiten zwischen Schützenfestzelt und Marktplatzstand fallen.

In der Pandemie ist aber natürlich alles anders, und so muss der CDU-Politiker Holle zunächst klären, ob die Maske auf oder ab darf. Sie darf ab am Platz, und duzen ist auch in Ordnung, wie er abklärt. Das macht auch der von SPD und Grünen nominierte Oestmann in der zweiten Stunde so, nachdem er sich die Erlaubnis geholt hat. 45 Minuten haben bei Kandidaten getrennt voneinander Zeit, die Schüler von sich zu überzeugen. Holle siezt trotzdem und trägt Anzug statt Polohemd und Jeans wie Oestmann – inhaltlich aber liegen die Kandidaten gar nicht so weit voneinander entfernt, wie festgestellt werden darf.

Frank Holle stellt sich den Fragen der Ratsgymnasiasten.

Vieles ist natürlich vorgegeben in der Kreisstadt, erfahren die jungen Erwachsenen von beiden. Das Thema Stadtentwicklung mit dem beantragten Städtebauförderungsprogramm, Verkehrspläne, Entwicklung von Bauen und Gewerbe. „Rotenburg hat eine tolle Perspektive“, sagt Holle, der vom gleichen Posten in Tarmstedt ins Rotenburger Rathaus wechseln möchte. Bildung, Mobilität, Klimapolitik, Sicherheit, Jugend – beide erhalten die gleichen Fragen, und unter diesen ist natürlich auch die im Ratsgymnasium etwas knifflige nach der IGS-Oberstufe. Holle verweist auf die in Tarmstedt gut funktionierende an der Kooperativen Gesamtschule, aber auch darauf, dass „die Rotenburger Schullandschaft gut so“ ist. Als Vermittler sehe er sich, wenn das Thema wieder aufkomme. Aber auch: „Wenn die Voraussetzungen so bleiben, werde ich mich nicht positiv für eine Oberstufe an der IGS aussprechen“. Auf die notwendige Anzahl an Schülern, die an der IGS Abitur machen wollen würden, verweist auch der bisherige Rotenburger Polizeichef Oestmann als Bürgermeisterkandidat. Er betont, dass zu „einer kompletten IGS eine Oberstufe gehört“, aber Politik müsse auf das hören, was Eltern und Schüler wollen. „Wir müssen ergebnisoffen vorgehen.“

Torsten Oestmann will Bürgermeister werden - und stellt sich den Fragen der Schüler.

Zu unkonkret? Weitere Themen sind noch sperriger, Zuständigkeiten unklar. Schülertickets auch für die Oberstufe? Sache des Landkreises. Mehr Fotovoltaik auf öffentlichen Gebäuden wollen natürlich beide, mehr E-Mobilität und mehr Radverkehr, aber immer angepasst auf die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung. Am längsten hallen die Themen des „Angstraums Pferdemarkt“ und der Angebote für Jugendliche nach. Oestmann will mehr Gespräche mit Beteiligten führen, um Lösungen zu finden „Ich stelle eher Fragen an die, die es betrifft – das verstehe ich als Beteiligung.“ Die Jugend einbinden, auch politisch – wenn sie sich denn engagieren möchte. „Mehr Action in der Stadt“ müsse her. Das sieht Holle mit seiner Erfahrung als Geschäftsführer der Tarmstedter Ausstellung nicht anders. „Vielleicht werde ich ja der Veranstaltungsbürgermeister“, so seine Spitze in Richtung des noch amtierenden Andreas Weber (SPD), dem oft nachgesagt wurde, alles zu verbieten. Eine „School’s Out Party“ auf dem Pferdemarkt oder am Weichelsee schwebe ihm vor, mit Investoren müsse man über neue Konzepte sprechen. Die finden sich, versichert er mehrfach, auch bald in seinem 100-Tage-Programm.

„Fünf Jahre sind knapp“, sagt Oestmann abschließend. Impulse könne man aber setzen. Die Wahlperioden sind kürzer geworden, und so treten der 57-Jährige und sein 53-jähriger Kontrahent Holle eigentlich gleich für zwei Amtszeiten an. „Dieser Zug Rotenburg ist in Fahrt“, frohlockt Holle, der bald im Führerstand stehen will. Vielleicht hat auch er ein paar Schüler überzeugt, einzusteigen.

Schüler wählen

Zwölfter Jahrgang am Ratsgymnasium in Rotenburg, Grundkurs Politik: Acht Schülerinnen und sieben Schüler sind anwesend, 14 von ihnen bereits volljährig. Es ist am 12. September die erste Kommunalwahl, bei der sie mit abstimmen dürfen, zum ersten Mal dürfen die meisten von ihnen auch einen Bürgermeister wählen. Zwölf der Schüler kommen aus dem Rotenburger Stadtgebiet, und zwölf gültige Stimmen gibt es auch. Am Ende markiert eine der ungültigen Stimmen genau das, was herauskommt und was auch viele Rotenburger „Experten“ voraussagen: Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Torsten Oestmann und Frank Holle. Auf einem „Wahlzettel“, die nach der Diskussion eingesammelt werden, sind nämlich beide Bürgermeisterkandidaten angekreuzt – es geht nach gültigen Stimmen sechs zu sechs aus.

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