Landschaftswart kritisiert Vorhaben am Kiefernweg

Zwei Bebauungspläne erhitzen weiter die Gemüter

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Die Stadt will einen Bebauungsplan für den Bereich zwischen Appelhorn und Wittorfer Straße auf den Weg bringen. Das schmeckt nicht allen Anwohnern. Jetzt hat sich eine Bürgerinitiative gebildet. Und die stellt klare Forderungen.

Rotenburg - Von Guido Menker. Zwei Bauvorhaben im Sinne der in Rotenburg bereits seit längerer Zeit forcierten Nachverdichtung erhitzen nach wie vor die Gemüter. Nachdem der Stadtrat in der vergangenen Woche die Änderung des „Bebauungsplan Nr. 13 – Wiesenstraße/Pappelweg“ bei zwei Gegenstimmen beschlossen hatte und der Investor damit grünes Licht für sein Vorhaben am Kiefernweg bekommen hat, meldet sich jetzt noch einmal Manfred Radtke zu Wort. Als Vorsitzender des BUND-Kreisverbandes hatte er bereits deutlich über das Vorhaben geschimpft. Jetzt wendet er sich als Rotenburger Landschaftswart an die Rotenburger Kreiszeitung.

„Gerade einmal zwei Ratsmitglieder haben den Bebauungsplan abgelehnt, weil sie bemerkt haben, dass etwas nicht richtig läuft. Ansonsten haben alle Fraktionen und Gruppen im Rat zugestimmt, dass eine geschützte Waldfläche den Interessen eines Investors geopfert wird. Alle haben sich über die Hinweise des Landkreises hinweg gesetzt, dass der Bebaungsplan rechtlich nicht zulässig ist“, schreibt Radtke in einer zwölf Punkte umfassenden Stellungnahme. Es handele sich um einen B-Plan der Innenentwicklung. Das bedeute: Der naturschutzrechtlich geschützte Wald dürfe entfernt werden, ohne auch nur einen einzigen Baum als Ersatz zu pflanzen. Radtke: „Die naturnahe Umgestaltung von Freiflächen ist nicht mehr als ein Feigenblatt und nicht ansatzweise ein Ausgleich für den Verlust des Waldes.“

Das zu bebauende Grundstück an der Verdener Straße sei Teil eines gültigen Bebauungsplans gewesen. Diese habe eine 20-prozentige Bebauung des Waldes zugelassen. Weitere Flächen durften für Nebenanlagen wie Zufahrt und Stellplätze versiegelt werden, die restlichen Flächen waren geschützt, so Radtke. Und weiter: „Der Landkreis hat darauf hingewiesen, dass die von der Stadt behauptete, nach altem Recht angeblich möglich gewesene 100-prozentige Bebauung schlichtweg rechtlich nicht möglich war.“ Außerdem bemängelt der ehemalige Ratsherr: Niemand aus der Stadtverwaltung habe es für nötig gehalten, ihn darüber zu informieren, dass der geschützte Bereich an der Verdener Straße bebaut werden soll. Übrigens: Der Investor, die Sparkasse Rotenburg Osterholz, will noch in diesem Monat starten.

„Wollen die bauliche Verdichtung nicht“

Auch am Appelhorn regt sich Unmut. Für einen Teil des Wohngebietes zwischen Appelhorn und der Wittorfer Straße will die Stadt einen Bebauungsplan aufstellen, um damit auf den in diesem Bereich liegenden Grundstücken eine Hinterlandbebauung zu ermöglichen. Jetzt formiert sich eine Bürgerinitiative, die sich gegen diese Pläne wendet. Sie fordert: „Keine Gestattung rückwärtiger Bebauung!“ Ziel müsse es vielmehr sein, endlich einen „schützenden“ Bebauungsplan aufzustellen. Mit den jetzigen Plänen „würde der Charakter dieses Wohngebietes zum Negativen hin verändert“, erklärt Angela Boczek, die als Sprecherin der Initiative fungiert und einen entsprechenden Appell an ihre Nachbarn verteilt hat. Das gesamte Gebiet sei geprägt von Ein- und Zweifamilienhäusern mit schönen Gärten. So könnten alle naturnah wohnen. Sie berichtet von Rehen, Igeln, Eichhörnchen und Fasanen, die sich regelmäßig in ihrem Garten sehen ließen.

Auch der große Baumbestand trage zu ruhigem Wohnen und gesundem Binnenklima bei. Deshalb habe sie zusammen mit weiteren Anwohnern die Bürgerinitiative gegründet. „Wir meinen, dass nicht ein einzelner Bauherr, gegen den wir persönlich nichts haben, über die Art der Wohnbebauung entscheiden soll, sondern die Mehrheit der Anwohner. Schon in den ersten drei, vier Tagen haben wir 30 Unterschriften von Grundstückseigentümern und Mietern im Wohngebiet gesammelt, die eine solche bauliche Verdichtung nicht wollen“, teilt Boczek mit. Im Appelhorn gebe es ohnehin schon reichlich Aufregung, weil in den vergangenen Jahren teils auch Mehrfamilienhäuser genehmigt worden seien, die zu einer größeren Belastung mit Verkehr und Lärm führten. „Wir erwarten, dass die Politik uns nun endlich hört. Wir brauchen keine Pläne, die zu noch mehr Bebauung, Verkehr und Lärm führen, sondern im Gegenteil nun endlich einen Bebauungsplan für das gesamte Gebiet.“

Boczek und ihre Mitstreiter streben für die kommenden Wochen Gespräche mit zahlreichen Ratsmitgliedern an, um für ihre Position zu werben. Fast drohenden Charakter hat da der abschließende Hinweis Boczeks in der Mitteilung an die Presse: „Der vorgeschlagene Bebauungsplan darf kein Selbstläufer sein, nur weil die Verwaltung das so vorschlägt. Viele Anwohner hier werden ganz genau darauf achten, wer bei diesem Thema in welcher Weise abstimmt.“

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