Störche kommen aus den Winterquartieren zurück / Nachholbedarf im Altkreis

Zurück im Horst

Kaisers Gasthaus am Rande der Wümmeniederung: Ein Schaukasten informiert über das Storchenjahr 2016. - Foto: Bonath

Rotenburg - Begleitet von den ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Frühlings sind, ein wenig früher als sonst, die Störche aus ihren Winterquartieren in Afrika und Spanien zurückgekehrt. Darüber freut sich Wilfried Glauch, seit fünf Jahren Nabu-Storchenbetreuer für den Südkreis, besonders: „Langsam, aber stetig ist die Storchenpopulation bei uns gewachsen.“

In den 1970er-Jahren war der Großvogel Adebar nämlich im Süden des Wümmekreises völlig verschwunden. Intensive Arbeit der Naturschützer bei Unterstützung zahlreicher Bürger haben inzwischen dazu geführt, dass in Hellwege, Stemmen und in Buchholz bei Visselhövede Storchennester besetzt sind.

Allerdings: Platz ist noch mehr als genug. Unter Glauchs Anleitung und von Storchenfreunden wurden in den vergangenen Jahren im Südkreis 40 Horste eingerichtet – große Nisthilfen, zum Beispiel auf alten Wagenrädern auf Dächern oder hohen Masten. Und es sieht so aus, als würden die Störche vermehrt auf diese Angebote reagieren. Nur die Kreisstadt mit ihren künstlichen Horsten, zum Beispiel auf dem Dach der Superintendentur und dem Heimathaus, wurde bisher ignoriert.

Mit rund 70 besetzten Horsten ist der Nachbarkreis Verden in der näheren Umgebung Spitzenreiter. Der Nachholbedarf für den Südkreis Rotenburg ist also beachtlich. Das zeigt sich bereits im Wümmekreis: Im Nordteil, als Grenze wird die Autobahn 1 angenommen, gibt es schon seit Jahren die größeren Storchenvorkommen. Hier – zuständig als Nabu-Storchenbetreuer ist Wilfried Glauchs Kollege Hans-Heinrich Gerken aus Bremervörde – liegt der Schwerpunkt der Storchenpopulation im Kreis Rotenburg.

In Hellwege, am Rande der Wümmeniederung auf dem Grundstück der historischen Gastwirtschaft Kaiser, heißt es in einem Schaukasten mit Informationen über das Storchenjahr 2016: „9. März: Bernie kommt aus dem Winterquartier zurück.“ Und acht Tage später: „Auch Barbara ist wieder da.“ Am 14. Mai: „Zwei Küken sind geschlüpft.“

Bernie kam in diesem Jahr bereits am 22. Februar, Barbara traf am 21. März ein. In der Regel halten sich Störche ein Leben lang „eisern“ die Treue. Ein anderes Männchen hat jedoch inzwischen Besitzansprüche angemeldet und Bernie vertrieben. Barbara ignoriert den Konkurrenten. Die beiden haben sich nichts zu sagen, zu einer Paarung ist es bisher nicht gekommen.

Auf jeden Fall ist auch in diesem Jahr das elektronische Auge einer Webcam auf den Storchenhorst gerichtet und gibt demnächst unter www.kaiser-deutschland.de Naturfreunden entsprechende Informationen über die weitere Entwicklung in dem 13 Meter hohen Nest am Ufer der Wümme. Seit 2013 sind hier vier Jungstörche aufgewachsen. Inzwischen ist in Hellwege (Richtung Friedhof) ein zweiter Horst bezogen worden. Die beiden Tiere, so Glauch, hätten sich inzwischen gepaart.

Anfang und Mitte März sind auch Heintje und Friedegard in das Nest auf der Wiese von Petra und Ralf Wahlers am Rande von Stemmen zurückgekehrt. Nach heftigen Kämpfen mit einem Rivalen behielt Heintje schließlich die Oberhand und paarte sich inzwischen mit seiner Friedegard. Das Storchenpaar hat in den vergangenen Jahren acht Jungstörche aufgezogen.

So sehr sich der 69-jährige Storchenbetreuer Wilfried Glauch über die positive Entwicklung bei den weißen Schreitvögeln mit den langen, roten Beinen freut, so sehr bedauert der Rotenburger allerdings, dass das geringere Futterangebot nach wie vor als Bremse bei der Population wirkt.

Bei Fragen und Informationen zu Störchen ist Wilfried Glauch unter der Telefonnummer 04261 /82619 zu erreichen.

Von Wieland Bonath

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