Wachtelhof startet Kulturprogramm mit Gartenkonzert

Zurück auf der Bühne

ZsuZsa mit Tochter auf der Wachtelhof-Bühne
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Wenn Mama ZsuZsa auf der Bühne steht beziehungsweise sitzt, dann möchte der Nachwuchs natürlich mitmachen. Auch das eine besondere Note dieses ersten Konzerts nach der Coronapause in Rotenburg.

Die kulturelle Coronapause ist vorbei! Im Wachtelhofgarten ist erstmals wieder Livemusik in der Kreisstadt zu erleben.

Rotenburg – Heiko Kehrstephan steht hinter dem weißen Zelt mit der Bar im Garten des Wachtelhofs und verdrückt eine Träne. Der Anblick der 80 in großzügigen Abständen um die Open-Air-Bühne angeordneten, zum großen Teil besetzten Stühle, über die die soulige Stimme der Musikerin ZsuZsa weht, ist nicht nur für den Wachtelhofchef berührend. „In so viele Gesichter auf einmal ohne Masken habe ich schon lange nicht mehr geblickt“, sagt er ergriffen.

Das Konzert der ungarisch-stämmigen Sängerin mit der großen Stimme markierte am Samstagnachmittag den Neustart der Kultur in der Wümmestadt. „Als wir die letzten Verordnungen gelesen haben mit der Möglichkeit, wieder kulturelle Veranstaltungen durchzuführen, konnten wir es kaum glauben“, so Kehrstephan. Auch für viele der rund 70 Gäste sei das Konzert unverhofft gekommen: „Einige haben sogar Karten gekauft, ohne zu wissen, wer spielt.“ Vielen anderen ist die Wahl-Hütthoferin durch ihre Tätigkeit in der Kreismusikschule bekannt, entsprechend groß die Anzahl der Musiker-Kollegen. Das macht sich bei „Happy“, einem der vielen Cover-Songs im Gepäck der energetischen Ungarin, bezahlt. „Eigentlich bräuchte ich jetzt meine Band, zumindest ein Schlagzeug“, meint die Frau am Keyboard – der spontane und erstaunlich rhythmusfeste Klatschchor füllt die Lücke. Und auch bei Michael Jacksons „Beat it“, als soulige Ballade interpretiert, erweist sich das Publikum als ebenso williger wie brauchbarer Backgroundchor.

Coverversionen und Eigenkompositionen

Doch ZsuZsa hat nicht nur eine äußerst stimmige Mischung bekannter Cover im Gepäck, von Abgehnummern wie „What’s Up“ bis zu Dahinschmelz-Songs wie Charly Chaplins Chanson „Smile“ oder Cyndie Laupers „Hero“, sondern auch Eigenkompositionen. Und die eingängigen, melodiösen und zumeist rhythmusgeladenen Lieder können es durchaus mit den bekannteren „Gassenhauern“ aufnehmen. In ihren englischsprachigen Songs („das singt sich leichter als Ungarisch oder Deutsch“, ihre beiden Muttersprachen) plädiert wie für Vielfalt und Toleranz („Freak“); in „What goes up must come down“, musikalisch ein Tribut an Randy Newman, geht es ums Karma. Die eigenen Kompositionen zu präsentieren, ist ihr eine besondere Freude, „da steckt natürlich noch mehr Herzblut drin.“ Doch auch Cover wie Madonnas „Material Girl“, befreit vom Disco-Gewand der 80er, macht sie mit nachdenklicher Note zu ihrem ganz eigenen Song.

Gastgeber Heike Kehrstephan freut sich, dass es wieder losgehen kann.

Also alles fast wie früher? Nicht ganz, wirken viele der Besucher doch fast ungläubig, wieder ein Live-Konzert erleben zu dürfen. Dafür haben sie am Eingang ihren frischen Test oder Impfnachweis vorgelegt oder sich per Luca-App angemeldet. Zettel füllen nur noch die wenigsten aus, meint Stefanie Vedder, die die Gäste am Eingang begrüßt; auch die Kooperation mit der Apotheke in der Nähe scheint funktioniert zu haben – nur etwa eine Handvoll Gäste macht von der „Notoption“ des Selbsttests unter Aufsicht vor Ort Gebrauch. Und auch die Wertschätzung des Publikums scheint größer denn je: überall strahlende, manchmal verträumte Gesichter. Für Sabine Bente aus Visselhövede markiert der Gig „das Ende der Entzugserscheinungen“. Sie habe zwar viele gestreamte Konzerte gesehen, „aber online ist eben nicht das gleiche wie live!“ Ihr gefällt besonders die Zusammenstellung der Songs. Conny Hellmann aus Ostervesede, heute mit Sohn Marius unterwegs, begeistert auch das Ambiente: „Einfach eine tolle Location.“ Tilman Purrucker juckt es nach dem Konzert der „fantastischen Künstlerin“ nach eigenem Bekunden schon in den Fingern, die normalerweise Gitarrensaiten zupfen: „Wir haben einige gemeinsame Songs in Planung, hoffentlich ist das bald realisierbar.“ Und die Künstlerin? Auch sie versprüht Freude darüber, wieder auf der Bühne zu stehen – ein Auftritt beim Metronom-Theatersommer war seit einem Jahr ihr einziger Gig, „ich hatte heute richtig Lampenfieber – das kenne ich sonst gar nicht mehr.“ Und nicht nur sie genießt die Momente auf den Brettern, die die Welt bedeuten: die knapp fünfjährige Tochter, die die Mama heute zum ersten Mal live erlebt, holt sich schon mal einen Vorgeschmack, selbst auf der Bühne zu stehen.

Im Wachtelhofgarten beendet Rotenburg die Corona-Konzertpause.

Als Vorgeschmack auf weitere Veranstaltungen möchte auch Kehrstephan das Konzert verstanden wissen. Auch, wenn der Eventkalender der Website noch leer ist: „Die Planung für Events steht bis Ende des Jahres“, verrät er; zu den verschobenen Gigs seien sogar noch einige neue hinzugekommen, die – so die nächsten Verordnungen dies zulassen -, zeitnah veröffentlicht würden.

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