Im Oster-Interview spricht Rotenburgs Superintendentin Susanne Briese über Eier, Hasen und Religion

„Zum Leben ermutigt fühlen“

Im Gespräch: Superintendentin Susanne Briese legt ihren Standpunkt zur Bedeutung des Osterfestes in der heutigen Zeit dar. - Foto: Warnecke

Rotenburg - Lars Warnecke. Ostern ist das höchste christliche Fest im Kirchenjahr. Anders aber als etwa Weihnachten hat es im Bewusstsein auch vieler gläubiger Menschen nicht diesen zentralen Stellenwert. Warum ist das so? Dier Rotenburger Superintendentin Susanne Briese unternimmt den Versuch, die „existenzielle Kraft“ des christlichen Osterfestes zu erklären. Im Interview spricht die 53-Jährige über seine Bedeutung und Wahrnehmung, Osterbräuche – und ihr persönliches Verhältnis zum Osterhasen.

Frau Briese, wie würden Sie einem Nicht-Christen Ostern erklären?

Susanne Briese: Ostern ist das Fest, an dem wir das Leben feiern. Denn Jesus Christus hat den Tod besiegt. Also: Noch nicht einmal der Tod hat das Ende bedeutet. Das heißt für mich, dass wir in allen Lebenssituationen die Hoffnung bewahren können. Vielleicht nach dem Motto: „Am Ende ist alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht zu Ende.“

Glauben Sie eigentlich wirklich, dass Jesus von den Toten auferstanden ist?

Briese: Ja, durchaus.

Was sagen Sie den Menschen, die das nicht glauben können?

Briese: Man kann dieses zentrale Thema unseres christlichen Glaubens nicht wirklich erklären. Auch die Berichte in der Bibel beschreiben die Auferstehung nicht, sondern berichten vom leeren Grab oder von der Begegnung mit dem Auferstandenen. Die Glaubenserfahrung trägt bis heute, dass Jesus Christus für immer lebendig unter uns ist – auf unerklärliche Weise.

Aktuell wird die Welt von Anschlägen, Bürgerkriegen, humanitären Krisen geschüttelt. Welche Botschaft vermittelt das Osterfest in Bezug auf diese Geschehnisse?

Briese: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln“, hat der Theologe Dietrich Bonhoeffer gesagt – trotz der Situation, in der er sich selbst befand. Ein starkes Vertrauen. Er wurde 1945 kurz nach Ostern im KZ hingerichtet. Für mich ist es tatsächlich so, dass die Erfahrung aus dem Osterereignis – dass nämlich das Leben über Gewalt und Tod siegt – stark macht, Mut macht. Und den kann man einsetzen, um gegen Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Gewalt einzutreten und für echten Frieden und Versöhnung zu kämpfen. Ostern macht stark, sich für das Leben zu engagieren.

Und was hat uns die Auferstehung für das tägliche Leben zu sagen?

Briese: Ostern bestreitet, dass jeder für sich allein stirbt und alles beim Alten bleibt. Auferstehung ist für mich nämlich auch ein Bild für die Befreiung aus lähmenden Zusammenhängen, aus Angst. Ich denke daran, dass das Zusammenleben gerade an Feiertagen wie diesen in Familien oder Partnerschaften schwierig sein kann. Streit und vielleicht sogar Gewalt wird es vielleicht geben. Es ist wichtig, dass Betroffene sich dann an etwas festhalten können, das tragfähig ist. Für mich ist das mein Glaube und die Zuversicht und Ermutigung, die daran hängen.

Ostern ist das wichtigste Fest, doch Weihnachten scheint erheblich populärer, was allein schon an den Gottesdienstbesuchen erkennbar ist. Warum ist das so?

Briese: Für viele bedeutet das Osterfest: Ein paar freie Tage, Frühlingsanfang, das erste Grün in der Natur, Zeit für die Familie. Der theologische Gehalt des Festes ist nicht so greifbar wie die Geburt des Kindes in der Krippe. Weihnachten bietet da vielleicht mehr Anschaulichkeit.

Wie ließe sich das ändern, dass Ostern viel intensiver gefeiert wird?

Briese: Ich freue mich darüber, dass es schon viele gute Ideen gibt, um das Fest anschaulich zu gestalten. Ganz besonders intensiv ist ein Gottesdienst in der Osternacht oder im anbrechenden Morgenlicht, wie er in vielen Gemeinden gefeiert wird, denn dort wird der Übergang vom Dunkel in das Licht direkt erlebbar. Was man hört, betet und singt, kann man auch sehen. Das ist wirklich faszinierend. Oft kommen die Besucher danach zum Osterfrühstück zusammen. Das fördert die Gemeinschaft und tut gut.

Etwa 40 Prozent der Deutschen messen dem Osterfest eine religiöse Bedeutung bei. 60 Prozent nicht mehr. Welchen Umgang mit dem Osterfest würden Sie sich von der Gesellschaft wünschen?

Briese: Ich würde mich sehr freuen, wenn das Osterfest auch darin Früchte trägt, dass Menschen sich erneut zum Leben und zum Engagement für das Leben ermutigt fühlen.

Wie bewerten Sie die Verniedlichung des Festes?

Briese: Viele Kinder glauben, dass der Osterhase die Schokoladeneier bringt und Erwachsene machen dabei mit. Wer kennt das nicht selbst aus Kindertagen? Irgendwann werden die Kinder wissen, dass es sich anders verhält. Es ist gut, dass in den Kindergärten vom Osterereignis, wie es die Bibel berichtet, gesprochen wird. Meine Erfahrung ist: Kinder können die Botschaft auch schon gut verstehen und geben sie mit ihren eigenen Worten wieder. Man sollte sie einfach mal fragen, was sie darüber schon wissen.

Warum haben das bemalte Ei un dder Hase an Osternihren großen Auftritt?

Briese: Das Ei war immer schon ein starkes Symbol für das Leben und der Hase ein Bild für Fruchtbarkeit. Insofern passte das ja gut zusammen. Schon seit dem 16. Jahrhundert wurden Eier zum Osterfest bemalt – mit den verschiedensten christlichen Motiven. Das waren fast kleine Predigten.

Gestatten SIe mir eine persönliche Frage: Wie gestalten Sie und Ihre Familie das Osterfest?

Briese: Es hat sich Besuch angekündigt – und darauf freue ich mich schon.

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