Fachtag Demenz im Rotenburger Ratssaal 

Für die Zukunft rüsten

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Referenten, Redner und Organisatoren des Fachtages mit dem Theologischen Direktor des Diako, Matthias Richter, der die Veranstaltung moderierte. 

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Sven Gamberl ist Auszubildender der Schule für Altenpflege in Rotenburg im dritten Ausbildungsjahr und hat Erfahrung im Umgang mit alten Menschen. Er ist am Donnerstag beim Fachtag Demenz im Rotenburger Ratssaal dabei gewesen, um sein Engagement speziell auch für diese Menschen zu optimieren. „Die Betroffenen brauchen viel Geduld, Liebe und Geborgenheit.“ Nur derjenige, der eine soziale Einstellung zu den Mitmenschen hat, sei für diesen Beruf geeignet. Die Zahl der Erkrankten steige ständig. Wo muss angesetzt werden, um die Situation für alle Beteiligten zu verbessern? Der Fachtag hat nach Antworten gesucht.

Die gab’s aber erst ganz zum Schluss. „Die Arbeitsgruppen haben einige Maßnahmen erarbeitet, um Demenz aus der Tabuzone zu holen“, erklärte der Theologische Direktor des Diakonieklinikums, Matthias Richter. Die Ergebnislisten der Teilnehmer werden noch exakt analysiert. Eines habe sich aber bereits herauskristallisiert: Die Ausbildung nebenamtlicher Demenzbegleiter müsse vorantrieben werden. Außerdem seien Verbesserungen bei der öffentlichen Information, die Vernetzung aller Akteure und die Erweiterung bestehender Angebote erforderlich.

„Das Forum Diakonie Rotenburg, in dem viele diakonische Einrichtungen und Initiativen verbunden sind, hat sich bereits vor diesem Fachtag mit dem Thema Demenz beschäftigt und schon einige unterschwellige Angebote zum Thema Demenz gemacht“, erklärte Olaf Abraham, Pflegedirektor am Diako.

3,3 Millionen Fälle im Jahr 2050

Hier habe das Forum angesetzt, um gemeinsam mit Fachleuten – unter anderem aus dem ambulanten Dienst, Krankenkassen, Kirche und Politik – zu erarbeiten, wie das Leben für Betroffene in der Region zukunftsorientiert verbessert werden kann.

Der Chefarzt des Zentrums für psychosoziale Medizin im Diakonieklinikum, Professor Carsten Konrad, hat sich mit dem Thema Demenz schon lange Zeit beschäftigt. Konrad eröffnete mit seinem Impulsvortrag die Diskussion mit den rund 100 Teilnehmern im Rathaussaal. Er legte Zahlen und Fakten in der Region vor und betonte, dass es sehr wichtig sei, bei den Erkrankten eine Differenzialdiagnose zu machen.

Bei Demenzpatienten reiche loses Anschauen nicht aus, zu groß seien die Krankheitsspektren. Neben dem medizinischen Aspekt beleuchtete er aber auch die gesellschaftspolitische Bedeutung der Krankheit des Vergessens. Prognosen sagten voraus, dass die Zahl von Betroffenen mit Alzheimer-Demenz im Jahr 2050 auf rund 3,3 Millionen ansteigen werde. „Eine echte Herausforderung für die Gesellschaft. Pflegeheime können zukünftig die Anzahl nicht allein bewältigen. Es sei nötig geworden, zu reagieren und sich auch vor Ort beraten zu lassen. Zurzeit würde der überwiegende Anteil der dementen Patienten (rund 70 Prozent) von Familienangehörigen betreut. Aufgabe und Ziel des Fachtages sei es nun gewesen, gemeinsam Lösungsansätze zu finden, wie die Zukunft aussehen kann oder muss.

Auch die Politik hat die Zeichen der Zeit erkannt, will sich einbringen und unterstützen. Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD): „Wir Menschen werden immer älter und wenn man bedenkt, dass mehr als 30 Prozent der 90-Jährigen an Demenz erkrankt sind, müssen wir uns frühzeitig Gedanken machen wie das Problem zukünftig angegangen werden kann.“ Er selbst habe mit der Krankheit schmerzliche Erfahrungen gemacht, als sein Vater dement geworden war. Er habe sich Hilfe in der Fachliteratur geholt. Ähnlich ging es auch Forum-Mitglied Pastor Thomas Steinke, der für die erkrankte Superintendentin Susanne Briese sprach.

Herausforderung an die Gesellschaft

Landrat Hermann Luttmann (CDU) erklärte, dass Ende 2024 mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung des Landkreises älter als 65 Jahre sein werde. Der demographische Wandel stelle Herausforderungen an die Gesellschaft. Das Risiko, an Demenz zu erkranken, steige mit höherem Lebensalter deutlich an. Die Diagnose Demenz fordere den Betroffenen, aber auch das pflegende Umfeld. Es bedürfe eines guten Zusammenspiels aller Akteure im Hilfesystem. „Ich freue mich, dass der heutige Fachtag organisiert wurde, um die verschiedensten Akteure des Landkreises an einem Tisch zu bringen, um die Situation Demenzkranker und ihrer Angehörigen zu verbessern.

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