ZUKUNFT HEIMAT: Rotenburger Architekt möchte mehr Flexibilität

Wie wohnen wir in Zukunft?

Architekt Jürgen Lohmann arbeitet inzwischen ebenso viel zu Hause wie in seinem Büro.
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Architekt Jürgen Lohmann arbeitet inzwischen ebenso viel zu Hause wie in seinem Büro.

Für Jürgen Lohmann (68), Rotenburger Architekt, ist das „Bauen schon fast eine Katastrophe“. Die Preise schießen in die Höhe, Material sei schwierig zu bekommen und „die Auflagen werden immer schlimmer“. Trotzdem werde gebaut wie selten zuvor. Der Trend zum Einfamilienhaus sei hierzulande ungebrochen, da sehe man sich nur in den Rotenburger Neubaugebieten an der Brockeler Straße oder dem Stockforthsweg um

Rotenburg – Rotenburgs Ex-Bürgermeister Andreas Weber hat schon vor einiger Zeit betont: Die Zeiten mit Einfamilienhäusern auf 1 000-Quadratmetern-Grundstücken seien vorbei. Bauflächen sind knapp, wohin man sieht. Die Wartelisten sind lang. Mehr und mehr drücken auch Menschen aus den Großstädten in die kleineren Umgebungsgemeinden. In Hamburg, Hannover oder Bremen sind Wohnungen schon fast unbezahlbar, Grundstücke ebenso – wenn man denn überhaupt was bekommt.

Für Jürgen Lohmann (68), Rotenburger Architekt, ist das „Bauen schon fast eine Katastrophe“. Die Preise schießen in die Höhe, Material sei schwierig zu bekommen und „die Auflagen werden immer schlimmer“. Da wundert man sich, dass bei Quadratmeterpreisen von 2 700 bis 3 000 Euro bei einem Wohnhaus überhaupt noch jemand baut. Ruck Zuck müssen für ein normales Einfamilienhaus mit Grundstück in unserer Region gut und gerne mehr als eine halbe Million Euro aufgebracht werden. In Ballungsräumen reicht das Doppelte nicht. Trotzdem wird gebaut wie selten zuvor. Es baut die „Erben-Generation“, also diejenigen, die von dem, was Eltern oder Großeltern nach dem Krieg geschaffen haben, profitieren. Zudem gibt es – gerade auf dem Lande – viele, die „in gegenseitiger Selbsthilfe“ bauen, so Lohmann. Das spart Bares. Der Trend zum Einfamilienhaus sei hierzulande ungebrochen, da sehe man sich nur in den Rotenburger Neubaugebieten an der Brockeler Straße oder dem Stockforthsweg um. Allerdings, so der Architekt, hätte er sich da insgesamt mehr konzeptionelle Planung erhofft. „So ist das ein Sammelsurium, wo jeder bauen konnte, wie er wollte.“ Lohmann wünscht sich, dass wir „die klassischen Wohnformen wiederbeleben“. Das heißt für ihn, dass „alle gemeinsam leben“: Singles und Familien, Studenten und Arbeiter, Alte und Junge. Ein entsprechendes Quartier plant er mit seinem Büro für Lüneburg.

Homeoffice ist für viele Büromenschen selbstverständlich geworden

Architekt Jürgen Lohmann

Das „Zauberwort“ für ihn und für die Zukunft im Wohnungsbau ist dabei „Flexibilität“: „Wir haben früher Einfamilienhäuser gebaut, die unten Küche und Wohnbereich und oben Kinder- und Schlafzimmer hatten. Dann waren die Kinder aus dem Haus, manchen älter gewordenen Menschen fiel das Treppensteigen schwer, und heute steht das halbe Haus leer.“ Da müsse man zukünftig die Grundrisse ändern, zumal sich auch die Arbeitswelt seit Corona massiv verändert habe. „Homeoffice ist für viele Büromenschen selbstverständlich geworden.“

Zusammen mit der renommierten Zeitschrift „Schöner Wohnen“ hat Lohmann schon vor Jahren ein entsprechendes Haus geplant, das Platz für Alt und Jung unter einem Dach bietet: Ein komplettes Einfamilienhaus mit einem kleineren Anbau, den entweder die größer werdenden Kinder oder später die alt gewordenen Eltern nutzen können.

Reihenhäuser entwirft Lohmann mit unterschiedlichen Geschossen, die entweder getrennt bezogen werden können oder auch einfach zu verbinden sind. Zusammen mit seiner Frau Christiane bewohnt Lohmann selbst seit gut zwei Jahren einen Neubau, bei dem sich mit wenigen baulichen Eingriffen ein Trakt abteilen lässt. Entweder für eine Pflegekraft im Hause oder eben auch für ein Elternteil, falls ihre Kinder, die längst aus dem Hause sind, doch wieder nach Rotenburg zurückkehren.

Wäre da nicht ein Mehrfamilienhaus ebenso ein Denkmodell für die Zukunft? Der Platz für Einfamilienhäuser ist doch eigentlich viel zu knapp. Grundsätzlich stimmt Architekt Lohmann dem zu, auch wenn er für sich selbst „wenigstens ein Stückchen Grün vor der Terrasse“ haben möchte.

Allerdings gäbe es seiner Meinung nach inzwischen „auch unsoziale Wohnungen, wenn es zu eng wird und kaum noch Licht in manche Wohnung“ falle. Da werde auch der „letzte mögliche Quadratmeter bebaut, um noch einen Cent mehr rauszuholen und mehr Leute unterzubringen.“ Darum dürfe es aber nicht gehen, sondern man müsse „Qualität schaffen.“ Damit Menschen auch in der Zukunft hier eine Heimat haben, müsse man flexibler bauen; Häuser und Wohnformen, die „nicht mehr starr“ seien, sondern wachsen oder eben auch verkleinert werden können. Die „Lebensbedürfnisse“ änderten sich nun mal. Gefragt sei eine „wandelbare Architektur“. Seine eigenen vier Wände sind schon mal entsprechend gesetzt.

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