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Wie bei Oma und Opa

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Von: Dennis Bartz

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Mandy Jordemann (l.) und Yvonne Kroggel sind die neuen Mitarbeiterinnen im Vertretungsstützpunkt
„Wir wollen Kindern einen schönen Tag machen“, sagen Mandy Jordemann (l.) und Yvonne Kroggel. © Bartz

Rotenburg – Das Wetter lädt an diesem Tag nicht zum Spielen im Garten ein. Auch in den drei Grupenräumen des Vertretungsstützpunkts Kuckucksnest für Tagespflegestellen in der Rotenburger Gerberstraße toben keine Kinder. „Heute hatten wir keine Anfragen“, erklären die beiden Mitarbeiterinnen Mandy Jordemann und Yvonne Kroggel.

Insgesamt zehn Plätze für Kinder bis zum Alter von drei Jahren bieten die beiden an, doch ausgebucht sind diese im Moment nicht: „Meist haben wir nur zwei bis drei Kinder. Wegen der steigenden Infektionszahlen zögern viele Eltern und versuchen, ihr Kind bei Bedarf bei den Großeltern unterzubringen“, erklärt Kroggel. Insgesamt 220 mal war im vergangenen Jahr der Vertretungsstützpunkt gefragt.

Im September 2021 hatte Mandy Jordemann das Kuckucksnest übernommen – und damit den Betrieb gerettet. Denn nachdem ihre Vorgängerin den Abschied angekündigt hatte, drohte das Aus für den Vertretungsstützpunkt nach knapp mehr als drei Jahren. Im November stieß dann Yvonne Kroggel dazu und komplettiert seitdem das Team.

Eltern, deren Kind seit mindestens drei Monaten von einer Tagespflegeperson betreut wird, können sich beim Kuckucksnest melden, wenn ihre Tagesmutter krankheitsbedingt oder wegen Urlaub die Betreuung nicht gewährleisten kann. „Wir decken dann dieselben Zeiten ab, je nach Bedarf für einige Tage oder sogar Wochen“, betont Kroggel. Die Betreuung ist montags bis freitags in der Zeit von 7.30 Uhr bis 15.30 Uhr möglich.

Anders als für die Eltern, die sich an strenge Hygieneregeln halten und ihren Impfausweis zeigen müssen, gibt es für die Kinder im Kuckucksnest keine coronabedingten Einschränkungen: „Sie tragen genau wie wir keine Maske. Sie sollen sich wohlfühlen und müssen dafür unsere Mimik sehen. Von Kindern in diesem Alter kann man außerdem nicht erwarten, dass sie Abstand halten – und auch wir trösten sie natürlich, wenn ihnen danach ist“, so Kroggel weiter. Dass sie und ihre Kollegin in den Räumen auf das Tragen einer Mund-Nasen-Maske verzichten, helfe auch dabei, die Eingewöhnung der Kinder zu erleichtern: „Wir sind ja zunächst Fremde für sie“, erklärt Kroggel.

73 Tagespflegepersonen gibt es im Landkreis Rotenburg, derzeit ausschließlich Frauen. Zusammen betreuen sie 335 Kinder, davon 25 im Anschluss an die Kita. Fällt eine von ihnen aus, springen bei Bedarf die Vertretungsstützpunkte in Rotenburg und Zeven ein. Ein weiteres Angebot ist seit Längerem in Bremervörde geplant – doch wegen eines Wasserrohrbuchs verschiebt sich die Eröffnung auf März oder April.

Uns geht es darum, dass die Kinder einen schönen Tag haben und die Zeit bei uns genießen – wie bei einem Besuch bei den Großeltern

Mandy Jordemann und Yvonne Kroggel

Die Nachfrage nach Tagespflegepersonen sei ungebrochen groß. Fast überall gebe es Wartelisten. Melanie Siller und Anika Neubauer vom Landkreis Rotenburg hoffen deshalb darauf, dass es bald weitere Stellen gibt. Besonders groß sei der Bedarf demnach in Rotenburg. „Auf dem Land ist meist der Familienanschluss etwas ausgeprägter, sodass Ausfälle in den Betreuungszeiten meist zum Beispiel durch die Großeltern aufgefangen werden können“, betont Neubauer.

Und warum entscheiden sich Eltern dafür, ihr Kind bei einer Tagespflegeperson anstatt in einer Kita unterzubringen? Dafür gebe es verschiedene Gründe. Ein Vorteil sei die Unterbringung in Kleingruppen, denn eine Tagesmutter betreue maximal fünf Kinder. Viele Eltern bevorzugen demnach außerdem die Betreuung in einem familiären Umfeld. „Für Tagespflegepersonen ist auch leichter, Ausflüge zu organisieren“, ergänzt Mandy Jordemann.

Melanie Siller begrüßt, dass die Arbeit der Tagespflegestellen im vergangenen Jahr aufgewertet wurde: „Sie haben denselben Bildungsauftrag wie Kindertagesstätten.“ Im Vertretungsstützpunkt liege der Schwerpunkt jedoch anders: „Uns geht es darum, dass die Kinder einen schönen Tag haben und die Zeit bei uns genießen – wie bei einem Besuch bei den Großeltern“, sagen Mandy Jordemann und Yvonne Kroggel.

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