Rotenburgs Landschaftswart Radtke fordert Einhaltung der Bebauungspläne

Zu wenig Grün

Da, wo Landschaftswart Manfred Radtke steht, sollte ein 13 Meter breiter Streifen mit Bäumen sein. Die finden sich allerdings nur entlang der Bundesstraße.
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Da, wo Landschaftswart Manfred Radtke steht, sollte ein 13 Meter breiter Streifen mit Bäumen sein. Die finden sich allerdings nur entlang der Bundesstraße.

Rotenburg – Wer von der Bundesstraße kommend in das Rotenburger Gewerbegebiet Hohenesch fährt, hat zwei Möglichkeiten: rechts in die Karl-Göx-Straße oder links in die Trinidadstraße. Beide Straßen haben eins gemeinsam: Insbesondere links runter findet sich nur wenig Grün. Und das ist ein Unding, sagt Landschaftswart Manfred Radtke – und es entspreche nicht den Vorgaben der Bebauungspläne für das Gebiet.

Aufgefallen sei ihm das, weil ihn jemand drauf hingewiesen hatte, dass am Ende der Hinrich-Heineke-Straße eigentlich ein 13 Meter breiter Waldstreifen sein sollte – der ist dort aber schon Jahrzehnte nicht mehr. Nur einen breiten Grasstreifen entdeckt der geneigte Beobachter, weiter vorne eine Wiese. Lediglich eine Reihe Bäume entlang der Bundesstraße findet sich dort. Daraufhin hatte sich Radtke auch mal im restlichen Gewerbegebiet umgesehen. Und das „ist nicht den Vorschriften entsprechend“, meint er. Am Ende der Karl-Göx-Straße ist sogar nur Schotter zu finden – selbst auf öffentlicher Fläche.

Lediglich vereinzelt hätten sich Eigentümer an die Vorgaben der Stadt gehalten. Meist ist dann Immergrün zu sehen. „Pflegeleicht halt“, kommentiert Radtke. Zwischendurch auch Bäume, hier und da Sträucher. Und viel Rasen. „Gar nicht so pflegeleicht, wie man denkt“, meint der Landschaftswart dazu. Trostlos, nennt er besonders die linke Seite des Gewerbegebietes. Dort sind noch relativ neue Ansiedlungen mitunter: „Da ist teils noch nichts passiert, aber ob da was passiert? Ich bezweifle das.“

Dabei war in den B-Plänen verankert worden, dass es feste Grünstreifen mit vorgegebenen Breiten gibt, auf denen einheimische Gehölze angepflanzt werden, erklärt er – und auch die Breiten würden nicht immer eingehalten. „Aber Grünstreifen sind wichtige Naturelemente“, merkt Radtke an. Und sie liefern einen weiteren Vorteil: Ausgleichsflächen an Ort und Stelle. „Wir sollten hier so viel wie möglich naturnahe Elemente erhalten, statt gleich auf andere Ausgleichsflächen auszuweichen wie im Weißen Moor.“ Deswegen sei es ihm wichtig, dass die Stadt ein Auge auf das hat, was im Rat beschlossen worden ist. Zudem sei Rotenburg im Verein „Kommunen für biologische Vielfalt“. „Dann sollten wir auch zeigen, wir meinen das mit der Mitgliedschaft ernst“, findet Radtke.

Die von ihm als Wald benannte Fläche ist aber als Grünfläche deklariert, merkt Nadine Schumacher von der Stadt Rotenburg dazu an. Viel möchte sie zu der Lage in Hohenesch gar nicht sagen. Sie sei regelmäßig vor Ort, kontrolliere und es werde sich gekümmert. Aber: Im Bezug auf die Fläche, auf der Bäume fehlen, gibt es Fortschritte. Diese werde in ihren Ursprungszustand zurückversetzt, berichtet Baumbeauftragte Nicole Austel aus dem Rathaus. Das wäre gerade in der Ausschreibung. „Das wird hoffentlich im Frühjahr passieren“, teilt sie mit.

Radtke habe sich indes auch an die Landwirtschaftskammer gewendet, denn die Fläche an dem 13 Meter breiten Streifen war landwirtschaftlich genutzt worden. „Hat ein Landwirt ein Landschaftselement bei der Kammer gemeldet und dafür Ausgleichszahlungen erhalten, obwohl gar keines da ist?“, fragt er sich. Die Antwort dazu stehe noch aus. „Das sollte geprüft werden.“

Auch die geschotterte Fläche, zumindest das Stück auf öffentlichem Grund, soll bald der Vergangenheit angehören: Der anliegende Grundstückseigentümer sei bereits aufgefordert worden, das in diesem Winter zu beheben, weiß Radtke.

Weiterhin würde sich der Landschaftswart wesentlich mehr Kommunikation wünschen – und zwar im Vorfeld, nicht, um später Versäumtes nachzuholen. Angesprochen hat er die Problematik Hohenesch bereits in der jüngsten Umweltschutzausschusssitzung und betont, dass er sie als Tagesordnungspunkt in der kommenden Sitzung gerne besprechen würde. „Wenn Ausnahmen in Bebauungsplänen gemacht werden, muss der Verwaltungsausschuss das beschließen. Und ich kann mich an keinen Fall erinnern, wo wir einem Betrieb gestattet haben, vom Bebauungsplan abzuweichen“, sagt Radtke, der mehrere Jahre im Rotenburger Rat gesessen hat.  acb

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