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Zu nass: Landwirte müssen Aussaat nach hinten verschieben

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Von: Ann-Christin Beims, Andreas Schultz

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Maisstoppeln auf einem überschwemmten Rotenburger Acker
Was auf den ersten Blick den Eindruck von Schilf im See erwecken mag, sind in Wahrheit Maisstoppeln auf einem überschwemmten Rotenburger Acker. Niederschlagswasser macht Landwirten der Region zu schaffen. © Schultz

Es ist zu nass derzeit. Zwar füllt der Regen die trockenen Speicher wieder auf, doch erschwert er gleichzeitig den Landwirten im Kreis Rotenburg die Arbeit.

Rotenburg/Bötersen – Die Wümme tritt über die Ufer und lässt das Kreishaus zuweilen im Morgengrauen aussehen wie ein Hafenkontor. Wo sich Flächen in der Nähe eines Flusses befinden, stehen sie nicht selten unter Wasser. Es regnet nahezu ohne Unterlass. Vielerorts sind die Spuren wochenlangen Niederschlags zu erkennen. Für etliche Landwirte der Region werden sich die Wassermengen auch im betrieblichen Haushaltsbuch schmerzlich spürbar machen. Denn Regen – gerade in diesen Massen – kann den Betrieb schon mal hemmen.

„Es ist schwierig zurzeit“, sagt auch Hermann Solte. Seine Familie bewirtschatet in Bötersen einen Hof mit 300 Hektar Land und 300 Milchkühen. Für das Futter der Tiere sorgen Soltes selbst, darüber hinaus entfalten sich derzeit Wintergetreide und Winterroggen auf den Feldern des Hofs. Die Pflanzen wachsen, das lasse sich an den Wurzeln erkennen, erklärt der Landwirt. Die fürs Wachstum notwendigen Nährstoffe aus dem Boden sind bereits größtenteils aufgebraucht, wie eine jüngste Probe ergeben hat. Jetzt ist es Zeit fürs Nachdüngen. Und genau da liegt das Problem: „Auf den Acker können wir nicht. Der ist wassergesättigt“, sagt Solte.

Normalerweise würde der Landwirt nun Mineraldünger oder Gülle zuführen. Aber: „Das geht gerade nicht. Wir müssen warten, bis das Wasser weg ist“. Eine Geduldsprobe für die Landwirte – gerade für solche wie Solte, die nun Getreide auf dem Acker haben. Denn derzeit bilden die Pflanzen ihre Ähren. Und wenn die Nährstoffe fehlen, fallen diese kleiner aus. Das wiederum schmälert den Ertrag. „Und da, wo länger Wasser auf dem Feld steht, sterben die Pflanzen natürlich ab“, sagt Solte. Dass die Arbeit auf den Feldern derzeit nur eingeschränkt möglich ist, zieht einen Rattenschwanz nach sich. Der Landwirt erklärt, dass sich somit auch die Aussaaten für die folgenden Feldfrüchte nach hinten verschieben: „Wer Sommergetreide aussähen möchte – geht nicht. Und auch die Grünlandpflege – geht nicht“. In der Stimme des ansonsten gut gelaunten Milchhofbetreibers schwingt ein Quäntchen Frust mit.

Bei dem Wetter stecken Ann-Cathrin und Christoph Schröder tief im Matsch – teilweise helfen auch die Gummistiefel nicht mehr weiter.
Bei dem Wetter stecken Ann-Cathrin und Christoph Schröder tief im Matsch – teilweise helfen auch die Gummistiefel nicht mehr weiter. © Beims

Immerhin: Der lang anhaltende´Regen füllt die Wasserspeicher der zuweilen trockenen Böden teilweise wieder auf. „Grundsätzlich kann man sagen, dass wir da schon etwas von der Substanz gelebt haben“, gibt Solte mit Blick auf die vorangegangene Saison zu bedenken. Trotzdem bleibt die Hoffnung, dass es nicht durchgängig so weitergeht. In etwa vier Wochen werden die ersten Landwirte seiner Einschätzung nach darüber nachdenken, ihre Kühe draußen weiden zu lassen. Auch das wird nicht gehen, wenn der Boden dann noch zu feucht – und damit zu weich – ist. Man muss Geduld haben, aber noch gibt es keinen Grund zu verzweifeln – eine Sichtweise, die auch Solte teilt.

Auch die Unterstedter Landwirtin Franziska Kettenburg behält das Wetter derzeit gut im Auge. War es die Jahre vorher meist zu trocken, ist es jetzt „zu nass zum Losfahren“. Eigentlich würde sie jetzt auf den Feldern starten, denn im April wird der Mais gelegt. Auch wenn das noch ein paar Wochen hin ist, gibt es bis dahin noch einiges zu tun: „Da muss Gärsubstrat oder Gülle auf das Feld, grubbern, pflügen, erst dann ist das Saatbett vorbereitet.“ Doch das Wetter verschiebt die Pläne. Bleibt es so nass, wird es ein Kraftakt, die Felder vorzubereiten, weil alles in kürzerer Zeit als sonst erledigt sein muss. „Da kommt man irgendwann unter Zeitdruck“, gibt sie zu bedenken, dass viele Landwirte mehrere Hektar Felder bestellen müssen. „Der ganze Februar fehlt. Normalerweise fangen wir mit dem Vegetationsbeginn auf dem Acker an, aber so kann man da nicht drauf fahren.“

Um ihr Getreide, dass die Kettenburgs im Herbst gesät haben, macht sich Franziska Kettenburg noch keine Sorgen. „Hier ist der Boden sandig genug, dass das Wasser nach unten wegläuft.“

Der Roggen „säuft ab“

Während bei Kettenburgs die Tiere im Stall sind und das Wetter für sie somit keinen Unterschied macht, sieht es bei den Rotenburger Landwirten vom Buschhof Schröder anders aus: Die Angus-Rinder sind draußen, bei Wind und Wetter. Nur die Mütterkühe mit Kälbern haben die Möglichkeit, sich in einen Außenklimastall ins Trockene zu stellen. „Das ist eine robuste Rasse, die stört das nicht“, sagt Ann-Cathrin Schröder. Sie selber kommt eher ins Schlingern auf dem matschigen Feld. „Die Gummistiefel reichen nicht mehr, es läuft oben rein“, erzählt sie. „Aber die Tiere sind im Winter auf dem Acker- und nicht dem Grasstandort, weil der per se etwas trockener ist.“

Einzig die Aussaat und Ernte für das eigene Futter läuft derzeit unter Schwierigkeiten: Der Roggen ist schon in der Erde, steht aber in Teilen komplett im Wasser und „säuft ab“, sagt Christoph Schröder. Das tut dem Getreide nicht gut und kann sich negativ auf die Ernte auswirken. „Und wenn ich zu spät andünge, kommt das Wachstum zu spät in die Gänge.“ Dann fehlen den Pflanzen später die Nährstoffe – was zu Minderertrag führt. „Unsere Zeitfenster werden immer kürzer.“

Für den Ausfall können sie Sommergetreide nachdrillen. Aber: „Das ist dann nicht alles gleichzeitig fertig“, meint der Landwirt – und verursacht noch mehr bürokratischen Aufwand. Hinzu kommt: Durch die Ausfälle jetzt müssen sie später teils wieder nachts oder auch sonntags arbeiten – was wieder zu Problemen mit Nachbarn führen könnte. Und Anfang März sollen eigentlich Sommergerste und -hafer ausgesät werden. „Auch das wird noch nichts“, vermutet Ann-Cathrin Schröder.

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