Sittenser Verwaltungschef Jörn Keller plädiert für No-Covid-Strategie

Zu früh für Modellversuch

Jörn Keller
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Jörn Keller

Sittensen – Der Bürgermeister einer verhältnismäßig kleinen Samtgemeinde im Landkreis Rotenburg verschafft sich in diesen Tagen überregional Gehör: Jörn Keller, parteilos und seit anderthalb Jahren im Amt, macht seinem Unmut, aber auch seiner Hoffnung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie beim Messenger-Dienst Twitter Luft – und stößt damit auf große Resonanz. Keller plädiert für die sogenannte No-Covid-Strategie und hält es daher für falsch, in einer Phase steigender Infektionszahlen, von vielen Tests begleitete Modellprojekte mit Aussicht auf punktuelle Lockerungen durchzuführen.

Sittensen hat es aktuell mit 22 Infektionsfällen zu tun – bei einer Einwohnerzahl von rund 11 000. „Öffnungsmodelle bei erhöhten Infektionszahlen sind falsch“, sagt Jörn Keller auf Anfrage unserer Redaktion. Das habe man doch alles schon versucht und dafür auch die Quittung bekommen. „Wir müssen feststellen: Das klappt nicht.“ Eine Öffnung in eine Infektionswelle hinein, sei aus seiner Sicht eben nicht sinnvoll – dabei könnten auch die Tests kein Allheilmittel sein. Es sei einfach der falsche Zeitpunkt. Keller: „Die Zahlen müssen erst einmal runter.“

Das Land Niedersachsen indes setzt auf die Modellversuche – 25 Kommunen sollen dabei zum Zuge kommen. Rotenburg und Visselhövede haben sich beworben. „Ich will die Arbeit der Kollegen nicht kommentieren“, erklärt Keller. Auf Twitter schreibt er sehr deutlich: „Meine Hoffnungen in die vergangene MPK sind komplett enttäuscht worden.“ Modellversuche in Bezug auf weitere Lockerungen könne er nicht mehr nachvollziehen – „und das empfinden sehr viele Menschen genauso“.

Nach der Bundestagswahl im September werden wir Frau Merkel noch sehr vermissen.

Jörn Keller, Bürgermeister der Samtgemeinde Sittensen

Bevor Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend bei Anne Will in der ARD Platz nahm, äußerte der Samtgemeindebürgermeister via Twitter den Wunsch, „dass Frau Merkel bei Anne Will deutlich Position für niedrige Inzidenzen bezieht“. Nach der Ausstrahlung twitterte der von SPD, Grünen und WFB unterstützte Verwaltungschef: „Nach der Bundestagswahl im September werden wir Frau Merkel noch sehr vermissen.“

Parteipolitik spiele für ihn keine Rolle, erklärt Keller. Mit dem Auftritt Merkels sei er „nicht unzufrieden“. Sie habe im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr deutliche Worte gefunden. Sie habe das Thema vollumfänglich verstanden, wie es auch die Wissenschaft deutet. Diese Meinung habe sie übernommen. Das beruhige ihn. Denn er selbst sehe seit einem Jahr, wie sehr die Menschen eben auch in Sittensen leiden. „Ich werbe für mehr Geduld“, sagt er. Auch wenn er wisse, dass „keiner mehr Bock auf Lockdown“ habe. Der Druck, so Keller, sei groß. „Das verstehe ich, aber mit dem Virus lässt sich nicht verhandeln.“

Es sei also wichtig, Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahlen nach unten zu bringen. Ob es dabei einer Ausgangsbeschränkung bedürfe, wisse er nicht. Nur so viel: „Die Ferien kommen zum richtigen Zeitpunkt.“ Und danach müsse es in den Schulen mit den Tests losgehen.

Auf Twitter stößt der Verwaltungschef auf große Resonanz. „Damit habe ich gar nicht gerechnet“, erklärt er. Möglicherweise gebe es da einen Bedarf; Keller spricht von einem Vakuum. Er selbst brauche einfach mal ein Ventil. „Denn ich habe wirklich die Sorge, dass es in die falsche Richtung geht.“

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