Der Zirkus Olympia verbringt den Winter im Gewerbegebiet Hohenesch

„Das ist unser Leben“

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Claudia und Christian Lauenburger haben mit dem Zirkus Olympia in Rotenburg ihr Winterquartier bezogen.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Wenn die Zirkus-Saison im Oktober zu Ende ist, geht es für Mensch und Tier ins Winterquartier. Beim Zirkus Olympia ist die Wahl der Bleibe in der letzten Sekunde gefallen. Es hagelte Absagen, und eine eigene, dauerhafte Bleibe hat der Familienbetrieb nicht. Schließlich kam die Zusage aus der Stadt Rotenburg.

„Kurz vor knapp“ war es, dass der Zirkus der Familie Lauenburger eine Unterkunft für den Winter gefunden hatte. „Durch die Flüchtlingssituation halten viele Städte und Gemeinden größere Flächen frei, falls dort Zelte oder Container aufgestellt werden müssten“, berichtet Claudia Lauenburger. In dieser Notsituation ist ihr eingefallen, dass sie im Mai 2015 in Rotenburg auf dem Gelände der Firma Behrens Holz und Bauelemente gastiert hatten. „Ich habe mich an die Behrens-Brüder erinnert, dass sie sehr menschlich und tierlieb sind“, so die 53-Jährige. Spontan fragte sie dort an und erhielt eine Zusage. Seit dem 27. November haben sich die Lauenburger nun auf dem Gelände an der Karl-Göx-Straße im Gewerbegebiet Hohenesch in Rotenburg niedergelassen.

Der Landkreis hat eine Genehmigung erteilt, damit der Zirkus sein Lager in Rotenburg aufschlagen darf. Das berichtet Dr. Joachim Wiedner, Leiter des Veterinäramts des Landkreises Rotenburg. Mitarbeiter des Amtes haben demnach beurteilt, dass das Gelände für Tiere geeignet ist. Regelmäßig im Verlauf eines Jahres kontrollieren die Landkreise, in denen der Zirkus gastiert, ob aus tierschutzrechtlicher Sicht alles in Ordnung ist.

„Wenn etwas erforderlich ist, ordnen wir das auch an“, so Wiedner. Die Ergebnisse der Kontrollen stehen im zentralen Zirkusregister, das alle Veterinärämter abrufen können, aber nicht öffentlich ist. Ob es beim Olympia schon Beanstandungen gegeben hat, dazu darf Wiedner aus Datenschutzgründen keine Auskunft geben.

Auch aus Sicht des Amts für Bauaufsicht des Landkreises gebe es ebenfalls keine Bedenken gegen eine vorübergehende Nutzung des Platzes durch den Betrieb. Es seien keine negativen Auswirkungen auf die Nachbarschaft bekannt, heißt es.

„Da macht man was mit“, sagt Claudia Lauenburger, während ihr Mann Christian mit einem Besen die Zeltdecke hochdrückt, damit der Schnee hinunterrutscht. Zu viel von der weißen Masse darf nicht darauf liegen, damit das Gewicht nicht zu schwer wird, sonst würde das Material noch weitere Risse bekommen. „Wir müssen mal schauen, ob es noch einen Winter durchhält“, sagt sie. Das Zelt bietet Unterkunft für die Tiere des Zirkus Olympia: etwa 20 Pferde, drei Kamele, fünf Ziegen, jede Menge Meerschweinchen, Tauben und Hühner. „Uns geht’s nur um unsere Tiere“, sagt Claudia Lauenburger.

Die Zeit im Rotenburger Winterquartier ist bislang ruhig verlaufen. Bis Neujahr hatte sich das Wetter sich auch nur von seiner harmlosen Seite gezeigt, danach hat es aber doch geschneit. Den Tieren bereiten die Minusgrade aber keine Probleme, berichten die Eheleute, die seit 37 Jahren verheiratet sind. Die Kamele – genauer gesagt: Sibirische Steppenkamele – „mögen den Schnee sogar“, sagt Claudia Lauenburger. Sie stehen zwar in einem Zelt, können von dort aber direkt auf die Koppel nach draußen. „Die Tiere haben es lieber kälter als wärmer, auch Nässe ist nicht so gut“, berichtet der 58-Jährige Christian Lauenburger.

Etwas anspruchsvoller sind da schon die Menschen. Dem Familienzirkus der Lauenburger gehören insgesamt 15 Personen an, die jüngste ist zwei, die älteste ist Erna Lauenburger mit 82 Jahren, die Chefin. „Sie managed den Laden immer noch“, erzählt Claudia Lauenburger über ihre Schwiegermutter. In der vierten Generation sind die Lauenburger bereits mit ihrem Zirkus unterwegs, früher mit Kutsche und Pferden, heute ziehen Trecker und Autos die insgesamt 30 Wagen.

„Alles Marke Eigenbau“, sagt Claudia Lauenburger und weist auf das Innenleben des Wagens, der zu einer Küche umgebaut worden ist. „Wir müssen immer ordentlich heizen. Sobald die Tür aufgeht, ist der Winter im Wagen.“ Drei Gasflaschen pro Woche verbraucht der Familienbetrieb.

Familienbetrieb – ein Begriff, der bei den Lauenburgern Programm ist. Claudia Lauenburgers Satz, „das ist unser Leben“, keine dahergesagte Floskel. Es ist jeder auf den anderen angewiesen. Sie selbst hat zwar in die Familie eingeheiratet, aber auch ihre Großeltern und Eltern hatten einen Zirkus, „aber ich glaube, anders geht es auch nicht. Sonst hat man dafür wohl kein Verständnis“, ist sie sich sicher.

Mit einem Problem hat das Unternehmen derzeit ganz besonders zu kämpfen: Futtermangel. „Wenn es also in der Nähe einen Landwirt gibt, der Heu abzugeben hat, dann kann er sich gerne melden.“ Erreichbar ist die Familie unter der Mobilnummer 0177/5101117.

Für die Lauenburgers geht es Ende Februar ans Zusammenpacken. Dann geht die Reise nach Holstein, die Saison beginnt im März. Normalerweise ist Ende Oktober Schluss. Im vergangenen Jahr waren die Lauenburger aber noch vom 3. bis 8. November in Buchholz, weil die Saison nicht so gut gelaufen ist. Das war aber nur machbar, weil das Wetter noch gut war. „Leider war die Resonanz enttäuschend“, erzählt Claudia Lauenburger, „aber wenigstens haben wir es versucht“. Dass der erhoffte Besucheransturm ausgeblieben ist, habe an den nahenden Festtagen gelegen, ist sie sich sicher: „Je näher die Weihnachtszeit kommt, desto weniger Menschen kommen.“

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