Ziel ist der Chefsessel

Jens Richter will Bürgermeister in Verden werden

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Der CDU-Kreisgeschäftsführer Jens Richter will Bürgermeister in der Stadt Verden werden. 

Rotenburg – Es ist gut möglich, dass sich die beiden CDU-Kreisverbände Rotenburg und Verden im Sommer einen neuen Geschäftsführer suchen müssen. Jens Richter – in Verden seit 1998 und in Rotenburg seit 2002 auf diesem Posten – will Bürgermeister in der Stadt Verden werden. Die Wahl ist für den 26. Mai und somit parallel zur Europawahl angesetzt worden. Die achtjährige Amtszeit von Lutz Brockmann (SPD) endet im Oktober. Der neue Bürgermeister wird für die Zeit bis Ende der kommenden Wahlperiode – also bis 2026 – gewählt.

Richter geht davon aus, dass er es im Mai mit drei Mitbewerbern zu tun haben wird. Neben dem Amtsinhaber rechnet er mit dem Einzelbewerber Hermann Dittmers sowie mit einem Kandidaten der Freien Wähler. „Eine Entscheidung wird wahrscheinlich in einer Stichwahl fallen“, sagt der 51-jährige Christdemokrat. In seiner Funktion als CDU-Kreisgeschäftsführer habe er sich laut Vertrag zwar aus den politischen Abläufen herauszuhalten. Aber bereits seit 1996 ist er in Verden kommunalpolitisch aktiv. Auf Anhieb war ihm seinerzeit der Sprung nicht nur in den Ortsrat Dauelsen, sondern auch in den Verdener Stadtrat sowie in den Kreistag gelungen – bis heute ist er in allen drei Gremien vertreten. Im Kreistag führt er zudem seit fünf Jahren die Fraktion an. Von 2001 bis 2011 grüßte er bereits als stellvertretender Bürgermeister.

Jetzt will er in der Nachbarstadt auf den Chefsessel. Mit einem Sechs-Punkte-Programm wirbt er um Stimmen. Die Stadt Verden müsse sich nach außen besser vermarkten und daher ein professionelles Stadtmarketing betreiben, sagt Richter. Er will sich außerdem im Bereich Mobilität engagieren und fordert ein klares Verkehrskonzept. Sicherheit und Ordnung seien zwei weitere Aspekte, die es anzugehen gelte.

Außerdem fordert Richter im Bereich Bildung, eine Möglichkeit für ein duales Studium in Verden zu schaffen, um jungen Menschen vor Ort eine weitere berufliche Alternative bieten und damit den starken Wegzug der jungen Leute vermeiden zu können. Zugleich setzt der Vater zweier Kinder auf ein generationengerechtes Verden. Nicht zuletzt sei es ihm wichtig, dass für das Trinkwasserwerk Panzenberg endlich das Beurteilungsverfahren abgeschlossen und in diesem Zuge die Fördermenge reduziert wird. Auch die Gasförderung habe er im Blick – vor allem, wenn es darum geht, die Erdbebengefahr in der Region zu senken.

Die Stadt Verden liegt Jens Richter am Herzen, auch wenn er schon seit vielen Jahren an drei Tagen in der Woche in Rotenburg arbeitet. „Ich bin ein Verdener Kind, bin dort aufgewachsen“, sagt er. Nach seinem BWL-Studium habe er lange Zeit in der Hotellerie gearbeitet – davon einen großen Teil auch im elterlichen Betrieb. „Ich habe schon mit acht Jahren das erste Mal hinterm Zapfhahn gestanden“, berichtet Richter schmunzelnd.

Doch 1996 zog es ihn parallel dazu in die Politik. Zwei Jahre später übernahm er die Geschäftsführung im Kreisverband. „Ein Job, der mir immer noch sehr viel Spaß macht.“ Als Geschäftsführer organisiert er nicht nur die Mitgliederverwaltung, sondern ist auch Ansprechpartner, wenn es um Veranstaltungen und die dazu gehörenden Einladungen geht. Die Beitragsverwaltung ist ein weiterer Eckpfeiler seiner Aufgaben, und richtig gefordert ist er als Geschäftsführer vor allem dann ganz besonders, wenn ein Wahlkampf vor der Tür steht. Passend dazu sagt er: „Im Moment fehlt mir ein Geschäftsführer.“

Doch auch so bekommt er das alles unter einen Hut. Nicht zuletzt, weil Jens Richter gut vernetzt ist – in der Politik, aber auch nach außen mit vielen Institutionen und Einrichtungen. Mit dem Europaabgeordneten David McAllister verbinde ihn sogar eine fast schon freundliche Verbindung, und in Hannover, in den anderen Kreisverbänden sowie in Berlin ist Richter nach eigener Aussage ebenfalls gut vernetzt. „Ein Vorteil auch für meine Kandidatur und den Job des Bürgermeisters“, ist sich der Christdemokrat sicher.

Die CDU im Landkreis Verden hat derzeit 900 Mitglieder, in Rotenburg sind es doppelt so viele. „2017 haben wir im Zuge des Landtagswahlkampfes 450 neue Mitglieder dazugewonnen.“ Sowohl die Mitglieder in Verden als auch die Vorsitzenden der beiden Kreisverbände stehen hinter der Kandidatur des Geschäftsführers – auch, wenn sie sich im Erfolgsfall um einen Nachfolger bemühen müssen. 98 Prozent der Mitglieder stimmten in Verden für Jens Richter, der es als eine seiner positiven Eigenschaften bezeichnet, unterschiedliche Interessenlagen gut zusammenführen zu können. „Man muss sich immer an einen Tisch setzen und miteinander reden – dann lassen sich auch Lösungen finden“, lautet seine Devise. Viele Menschen in Verden wünschten sich einen Wechsel auf dem Chefposten im Rathaus. Vieles sei ihnen in der Stadt zu sehr eingefahren.

Die Stadt Verden hat zurzeit 27 000 Einwohner – Richter will es sich zum Ziel machen, dass die Reiterstadt im Laufe der kommenden Jahre weiter wächst und die 30 000-Marke knackt. Eine Stadt, die er schätzt und liebt, weil sie historisch gewachsen sei. Und: „Die Innenstadt ist schöner als in Rotenburg.“ Doch zu sehr will und darf er natürlich nicht über Rotenburg schimpfen – schließlich hat er hier vor 51 Jahren das Licht der Welt erblickt.

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