Nur noch Erstversorgung im MLK

Zeven schließt früher

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Die Befürworter des Erhalts des Martin-Luther-Krankenhauses hatten auch zum Kreistagsbeschluss am 11. April noch einmal ihre Meinung signalisiert. Es half nichts. Nun schließt die Klinik ihre Stationen sogar noch früher als geplant.

Zeven/Rotenburg - Von Michael Krüger. Das Zevener Martin-Luther-Krankenhaus (MLK) schließt seine stationäre Versorgung früher als geplant. Am 11. April hatte der Kreistag in einer Sondersitzung beschlossen, die verbliebenen 80 Betten des Hauses Anfang 2019 größtenteils in das benachbarte Krankenhaus nach Bremervörde im Ostemed-Verbund zu verlagern, nun ist klar: Es passiert schon bis Ende Juni. Chirurgie, die Klinik für Innere Medizin und die Notfall-Intensivstation werden bis dahin geschlossen.

Sven Freytag, Geschäftsführer der Ostemed Kliniken und Pflege GmbH, muss im Büro von Landrat Hermann Luttmann (CDU) an diesem Donnerstagvormittag das verkünden, was sich seit Monaten abgezeichnet hat: Weder Patienten noch Personal nehmen das hoch defizitäre Krankenhaus noch an, und mit dem Kreistagsbeschluss vor gut zwei Wochen hat sich die Lage noch einmal verschärft. Von den rund 80 Betten der Chirurgie und internistischen Abteilung sind nur noch maximal 30 belegt. Von rund 60 Pflegekräften haben seit Jahresbeginn 20 das Haus verlassen. Vertretungsärzte auf Honorarbasis sind nicht zu bekommen. Das Krankenhaus ist damit tot. „Ich habe damit gerechnet, dass das schon früher passiert“, sagt Freytag und zeigt sich betroffen, aber wenig überrascht.

„Die Situation ist immer hibbeliger geworden“, sagt er, die Verunsicherung bei den verbliebenen 160 Mitarbeitern insgesamt groß. Auch wenn zugesichert worden sei, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gebe, jeder einen neuen Arbeitsplatz im Ostemed-Verbund oder bei den übergeordneten Elbe-Kliniken Stade Buxtehude bekomme – der nach Fachkräfte lechzende Gesundheitsmarkt offeriere zu viele lukrative Möglichkeiten, um sich anders zu orientieren. Zudem würden niedergelassene Ärzte kaum noch auf Zeven setzen, die Patienten orientierten sich angesichts der bevorstehenden Schließung anders.

„Es geht um die Sicherheit der Patienten“

Nun zieht die Geschäftsführung die Reißleine und setzt das um, was erst in einem halben Jahr geplant war. „Ich muss so handeln“, sagt Freytag, denn: „Es geht um die Sicherheit der Patienten.“ Die Versorgung in Zeven müsse eingeschränkt werden, weil nicht mehr garantiert werden könne, die bestmögliche medizinische Handlung zu gewähren. Die stationäre operative chirurgische Versorgung und Notfallversorgung im MLK wird bereits zum 1. Mai geschlossen, die stationär allgemein internistische und intensivmedizinische Notfallversorgung zum 1. Juli. Beides könnte durch vorhandene freie Kapazitäten problemlos in Bremervörde aufgefangen werden. 

In Zeven bleiben die Schmerztherapie und die ambulante Notfall-Erstversorgung. Operationen wird es hier nicht mehr geben. Im Mai soll es Gespräche mit niedergelassenen Ärzten zum geplanten Medizinischen Versorgungszentrum in Zeven geben, sagt Landrat Luttmann. Auch würden jetzt die beiden im Kreistagsbeschluss verankerten 24-Stunden-Krankenwagen in Zeven stationiert, sodass die Leitstellen für Notfälle im Zevener Bereich und die längeren Fahrten ausreichend gut aufgestellt seien.

Landrat Luttmann verurteilt Abwerbeaktionen

Freytag macht neben der „negativen Berichterstattung in der Presse“ auch „massive Abwerbeaktionen von Krankenhäusern aus der Region“ für den vorzeitigen Niedergang in Zeven verantwortlich. Tatsächlich hatte die Klinik Lilienthal gleich am Tag nach dem Kreistagsbeschluss in Zeven in einem Infocafé um Pflege-Fachkräfte geworben. Landrat Luttmann verurteilt das scharf: „Das hätte es vor zehn Jahren nicht gegeben.“ Ein gewisser „Anstand“ fehle.

Am Rotenburger Diakonieklinikum hat man sich diesbezüglich nichts vorzuwerfen, sagt Geschäftsführer Detlef Brünger. Selbstverständlich habe auch das Diako Bedarf an Pflegefachkräften und Fachpersonal. Dazu würden zum Beispiel Anzeigen in Tageszeitungen geschaltet. Aber, so Brünger: „Aktionen, die darüber hinausgehen, haben wir nicht unternommen.“ Angst vor einer unzureichenden medizinischen Versorgung wegen des vorzeitigen Aus für die Zevener Klinik müsse sich zudem niemand machen. Brünger: „Wir können die Versorgung der Patienten in Rotenburg und Umgebung sicherstellen. Das ist unser Auftrag, und das haben wir auch in der angespannten Situation während der Grippewelle unter Beweis gestellt. Die Ressourcen wie Mitarbeiter, OP-Kapazitäten oder Verfügbarkeit der Betten werden wir entsprechend gut steuern.“

Kommentar: Der Schwarze Peter haust nicht woanders

Von Michael Krüger

Mit Verlaub, Herr Freytag, aber diese Nummer ist einfach zu billig! Die Situation ist natürlich für die Beteiligten vor Ort „dramatisch“, wie Sie selbst sagen, aber eben auch nicht überraschend. Wer möchte sich noch in einem Krankenhaus ohne Zukunftsperspektive behandeln lassen? Will man dort unters Messer, wo wechselndes Personal für komplette Unsicherheit sorgt? Und ist es den begehrten Pflegekräften zu verdenken, dass sie sich angesichts lukrativer Angebote aus der Branche überall in der Region umorientieren, anstatt auf ein vages Angebot für einen Job irgendwo zwischen Stade, Buxtehude und Bremervörde zu warten? Und gab es dieses überhaupt, Herr Freytag? Das eine ist die logische Folge des anderen. 

Aber der Ostemed-Geschäftsführer klagt trotzdem. Einerseits lobt er das Durchhaltevermögen des Personals bis heute, doch dann macht er die Situation auch und vor allem an „negativer Berichterstattung“ und „Abwerbeaktionen“ anderer Kliniken fest. Das ist im ersten Fall Blödsinn, weil keine Zeitung der Region je gegen das MLK geschossen hat, zum anderen ist es nur völlig legitim. Auch wenn man über die Art und Weise der Pflegekraft-Werbung streiten kann: Sich um die besten Kräfte zu bemühen, ist nicht verwerflich, sondern selbstverständlich.

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