Kreistag diskutiert

Zeven feilt an der medizinischen Perspektive nach dem Martin-Luther-Krankenhaus

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Im April wurde das Aus des Zevener Krankenhauses unter starken Protest beschlossen.

Rotenburg/Bremervörde - Von Michael Krüger. Die Gesundheitsversorgung in und rund um Zeven und damit im gesamten Nordkreis bleibt ein zentrales Thema der Kreispolitik – nicht nur wegen des Geldes.

Bis Ende des Jahres sollte das Zevener Martin-Luther-Krankenhaus (MLK)laut dem Kreistagsbeschluss vom 11. April noch arbeiten, tatsächlich haben alle zentralen Abteilungen aber schon im Sommer den Betrieb eingestellt. Die federführende Ostemed-Betreibergesellschaft mit den Elbe-Kliniken als Mehrheitseigner ringt seitdem um Nachfolgekonzepte.

„Wir haben ein bewegtes Jahr hinter uns“, stapelte Ostemed- und Elbe-Kliniken-Geschäftsführer Siegfried Ristau in der Kreistagssitzung am Mittwoch in Bremervörde noch tief. Es gab rasante Veränderungen nach dem Beschluss vom April in der ersten Kreistagssitzung der Geschichte des Landkreises unter Polizeischutz. 

Das zu Ende gehende Jahr sei geprägt gewesen von der Herausforderung, die Schließung des MLK vorzubereiten, die Patienten nach Bremervörde umzusteuern, Betten dorthin zu verlagern und das Personal anders einzusetzen. Bemerkbar gemacht hätten sich die nicht ausreichende Vergütung der Notfallversorgung („Das ist ein Skandal“) und der Fachkräftemangel auf den Intensivstationen – zumal bei schlechten Rahmenbedingungen für Kliniken. 

Auch das kommende Jahr werde geprägt sein vom Fachkräftemangel, von der Bautätigkeit an der Ostemed-Klinik Bremervörde, von der Verlegung der Schmerztherapie und der Krankenpflegeschule aus Zeven nach Bremervörde, von den Anlaufkosten für das im Januar startende Gesundheits- und Therapiezentrum Zeven (GuTZ) und den Nachlaufkosten für das MLK. In Bremervörde ist laut Ristau derweil die Urologie „wiederbelebt“ und die Geriatrie ausgebaut worden. 

Die Investitionen in Bremervörde betragen 36 Millionen 

Auf 36 Millionen Euro beziffert der Geschäftsführer die Investitionskosten in Bremervörde, von den Krankenkassen würden 3,6 Millionen und vom Land mit 25 Millionen Euro Förderung fließen. „Die Schließung des MLK war unbedingte Voraussetzung dafür, in Bremervörde investieren zu können.“ Kassen und Land hätten Zeven nicht mehr gefördert.

Doch reicht die Versorgung mit einem weiteren Gesundheitszentrum für Zeven aus? Immer noch gibt es Proteste und Initiativen, politische Kritik, allein vier Hausarztsitze gelten in der finanzstärksten Kommune des Kreises als unbesetzt. „Wir sind uns alle einig, dass das Gesundheitszentrum kein Ersatz für das MLK ist“, so der CDU-Kreisvorsitzende Marco Mohrmann in der Kreistagssitzung. Aber: „Es ist allemal eine Stärkung der medizinischen Versorgung in Zeven.“ 

Ob die Menschen das „GuTZ“ im alten Klinikgebäude annehmen oder sich doch anders orientieren, bleibt offen. Wie die Patientenströme seit der Schließung verlaufen, ist unbekannt. Die Ostemed-Geschäftsführung will entsprechende Daten noch für ihre Häuser in Bremervörde und Stade ermitteln.

Der Kreistag will beim Thema Versorgung mehr mitsprechen

Der Weg in den Altkreis Rotenburg bleibt aber unklar: Denn vom Agaplesion Diakonieklinikum in Rotenburg gibt es keine Zahlen, wie Landrat Hermann Luttmann (CDU) betonte, es könne wohl so gar nicht beziffert werden. Denn auch vor der Schließung haben es sich Patienten ausgesucht, wohin sie gehen – mit dem bekannten, schleichenden Niedergang des MLK aufgrund fehlender Frequentierung.

Um künftig etwas mehr mitsprechen zu können, wie die medizinische Versorgung in Zeven gestaltet wird, hat der Kreistag einen Beschluss für einen neuen Beirat getroffen. Der von der Mehrheitsgruppe um die CDU eingebrachte Antrag zielt auf die Stärkung der Entwicklung und Akzeptanz der ambulanten Versorgung im „GuTZ“. 

Der Beirat soll sich mit Vorschlägen zur Vernetzung und Anbindung des Großraumes Zeven an die Krankenhäuser in Bremervörde und Rotenburg und mit Fragen der Notfallversorgung befassen. Dass so ein Beirat, der mit Kreispolitikern, Ostemed-Vertretern, Lokalpolitikern, Senioren und Vertretern der Ärzteschaft besetzt wird und zweimal jährlich tagt, sinnvoll ist, ist politisch unumstritten. 

Allerdings sorgt die auf Initiative von Landrat Luttmann und der CDU durchgesetzte Geheimhaltung für Streit. CDU-Fraktionschef Marco Prietz verteidigte das Tagen hinter verschlossenen Türen, da er „keine Lust auf Schaufensterreden von Politikern aus Zeven“ habe. Zudem kämen auch Geschäftszahlen auf den Tisch, und wenn da dann etwas nicht laufe, stehe das Negative gleich in der Zeitung. 

Geäußert hatte die Kritik im Namen der SPD Henning Fricke, der im kommenden Jahr Samtgemeindebürgermeister in Zeven werden will. Er bezeichnete den Beirat als „Feigenblatt vor der Scham der MLK-Schließung“. Die Geheimhaltung werden Spekulationen auslösen: „Das ist Hochsitzpolitik.“

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