Zeitung am liebsten auf Papier

Digitales Leben: Wie sehr ist das Leben von Eike Holsten (CDU) digital geprägt?

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Der CDU-Landtagsabgeordnete Eike Holsten ist nicht nur persönlich, sondern auch technisch gut vernetzt. Handy, Tablet, Laptop und Computer liegen und stehen zum Arbeiten in seinem Büro bereit. Aber die Kreiszeitung liest er am liebsten auf Papier.

Rotenburg - Von Guido Menker. Er schafft es nicht ganz pünktlich zum vereinbarten Termin. Mit leichter Verspätung kommt Eike Holsten in sein Rotenburger Büro in der Geschäftsstelle des CDU-Kreisverbandes. Das ist allerdings alles andere als papierlos. Vor vier Tagen ist er das letzte Mal hier gewesen – da hat sich einiges auf seinem Schreibtisch angehäuft. So viel, dass der 35-Jährige erst einmal Platz schaffen muss, um sein Laptop und das Tablet ablegen zu können.

Wo steckt Eike Holsten? Es gibt Politiker, die es alle wissen lassen, was sie wann und wo gerade machen. Eike Holsten hält sich da sehr zurück. Einen Instagram-Account hat er zwar schon angelegt, aber noch nicht bespielt. Und auch via Facebook hält sich der Christdemokrat im Vergleich zu anderen Politikern eher zurück. Auf Twitter ist er gar nicht unterwegs. Und so ist erst zur Begrüßung zu erfahren, dass er gerade aus den Berufsbildenden Schulen (BBS) kommt, wo er zusammen mit dem CDU-Europaabgeordneten David McAllister zu Gast war.

Sein iPhone landet gleich beim Hereinkommen auf der Ladestation direkt neben der Tür. Ganz bewusst: Dort liegt es außer Reichweite und ist stumm geschaltet. So unterbricht es ihn nicht permanent bei der Arbeit, sagt er. Das digitale Zeitalter hat natürlich auch ihn in den Griff genommen. Und Holsten weiß ganz genau: Viele der Geräte, die er mit sich herumschleppt, können auch echte Zeitfresser sein. Er versucht, diszipliniert damit umzugehen.

Zunächst entschuldigt sich der Landtagsabgeordnete, weil er es nicht mehr geschafft hat, vor dem Termin ein wenig aufzuräumen. Mehrere unterschiedlich große Stapel Papier liegen auf einem Nebentisch. Es sieht nach reichlich Arbeit aus. „Aber ich kann jeden Stapel erklären“, sagt der zweifache Familienvater fast so, als bedürfe es einer Rechtfertigung. Bevor es losgehen kann, schaltet Eike Holsten seinen Computer ein und schließt sein Laptop daran an. „Es ist einfach angenehmer, mit einem großen Bildschirm zu arbeiten.“ Bis alles läuft, greift er zum Pressespiegel der vergangenen Tage, den ihm seine Mitarbeiterin Marlene Hestermann ausgedruckt und sortiert auf den Tisch gelegt hat. „IGS schon wieder – was gibt es da denn?“ Holsten überfliegt den Beitrag in der Kreiszeitung, die er von nachmittags an eigentlich permanent per App auf dem iPhone im Blick hat. Doch der Online-Kalender auf seinem Computer verrät: Manchmal bleibt nicht viel Zeit zwischen den vielen Terminen. Holsten war bis zum Vortag in Hannover – Sitzungswoche. „Da ist alles ganz eng getaktet.“ Da müssen wenige Blicke auf das Handy reichen, um auf dem Laufenden zu sein.

Viele Termine und Besprechungen, viele Inhalte, die gelesen und bewertet werden wollen, Anfragen per E-Mail, per WhatsApp oder SMS, dazu unzählige Anrufe im Laufe eines Tages: Der Landtagsabgeordnete nutzt heute viele technische Möglichkeiten, um seine Arbeit und den Kontakt nach außen zu organisieren. Doch wenn er dann am Schreibtisch im Abgeordnetenbüro Platz nimmt, steht das Handy still, und es zeigt auch nicht den Eingang neuer Nachrichten im Stand-by-Modus an. „Zu Hause findet das Handy gar nicht statt“, sagt Holsten. Auch dort landet es gleich am Eingang auf der Ladestation – dann ist die Familie dran. Das klingt alles sehr diszipliniert. Holsten: „Es ist die Frage, ob man alles mit sich machen lässt.“ Wer das Handy nicht auch mal abschaltet, kann selbst nicht abschalten. Nach 20 Uhr liest er auch keine E-Mails mehr. Und in vielen WhatsApp-Gruppen wissen die anderen ganz genau: Der Eike Holsten stößt morgens erst später dazu. „Mein Mitteilungsbedürfnis könnte vielleicht etwas ausgeprägter sein, auch wenn ich weiß, dass Wahrnehmung zum Geschäft gehört“, unterstreicht Holsten, der nicht nur im Landtag sitzt, sondern für die CDU auch im Rotenburger Stadtrat sowie im Kreistag vertreten ist.

Austausch erfolgt oft digital

Wie sehr ist das Leben eines Berufspolitikers digital geprägt? Um diese Frage geht es in dem Gespräch mit unserer Redaktion. Holsten hat sich zuvor Stichworte aufgeschrieben, die er für interessant hält. Ganz klassisch mit einem Stift auf Papier. Und doch weiß auch er zu schätzen, was die Technik heute zu leisten imstande ist.

Der Abgeordnete hat eine Mitarbeiterin in der CDU-Geschäftsstelle sowie eine weitere in Verden. Sie können sich nicht stets zusammensetzen, um alles zu besprechen. Da leistet die Technik große Hilfe. Alle drei haben Einblick in und Zugriff auf den Kalender. Für die Zusammenarbeit mit dem eigenen Team und den Kollegen in der Fraktion kommen bei Eike Holsten vor allem zwei Programme zum Einsatz, die sich nicht nur am Computer, sondern eben auch mobil nutzen lassen: Slack und Tello. Es sind Programme beziehungsweise Apps, über die sich nicht nur Inhalte teilen, sondern auch Aufgaben verteilen lassen. Darüber lasse sich das Tagesgeschäft regeln. Wer ist zuständig? Was ist in Arbeit? Was ist erledigt? Und mit den Fraktionskollegen hilft der Austausch – sei es bei Pressemitteilungen, bei Reden, bei Inhalten, die für alle wichtig sind, wenn sie im politischen Auftrag unterwegs sind, sich gegenseitig vertreten oder schnelle Antworten aus Bereichen benötigen, in denen sie weniger verankert sind als andere. Das alles in Echtzeit.

Den Weg im Auto nach Hannover oder zu Terminen nutzt Eike Holsten gerne, um seine Telefonliste abzuarbeiten. Die erstellt er zuvor handschriftlich. „Ich kenne mittlerweile jedes Funkloch auf der Strecke“, witzelt er. In Hannover angekommen, sitzt er im Plenum oder in seinem kleinen Büro. Alleine. Wenn er Hilfe benötigt, hilft die Technik, oder das Team der Fraktion steht ihm zur Seite. Im Büro kann er übrigens auch die Plenumssitzung verfolgen. Per Lautsprecher. „Aber das mache ich eigentlich nie.“ Holsten ist sehr routiniert, fehlt eigentlich nur, wenn er gerade Besuchergruppen durch den Landtag führt oder wichtige Gespräche außerhalb anstehen.

Digitale Technik weiß der Rotenburger zu schätzen. Und doch nimmt er sich vor, im neuen Jahr noch klarer strukturiert Offline-Zeiten für sich festzulegen, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. „Das ist viel effektiver, weil ich mich dann nicht ständig unterbrechen lasse.“ Denn Eike Holsten sagt auch: „Nichts ist wertvoller als das persönliche Gespräch.“ Deshalb ist es ihm wichtig, sich mindestens an jedem Freitag Zeit für ein Treffen mit Marlene Hestermann zu nehmen. Dazu gibt es dann einen Kaffee, den er am liebsten auch dann zu sich nimmt, wenn er mal in aller Ruhe die Kreiszeitung liest. Auf Papier. Ganz so wie früher.

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