Zehn Jahre Willkommensbesuche im Landkreis Rotenburg

Babyglück hinter 1 000 Türen

Suchen Ehrenamtliche, die Familienbesuche übernehmen möchten: Melanie Siller (v.l.), Svenja Keller, Marianne Vajen, Ursula Bohms, Ulrike Helle und Fiona Roos.
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Suchen Ehrenamtliche, die Familienbesuche übernehmen möchten: Melanie Siller (v.l.), Svenja Keller, Marianne Vajen, Ursula Bohms, Ulrike Helle und Fiona Roos.

Rotenburg – Wenn ein Neugeborenes ins Haus einzieht, ändert sich dort von einem Tag auf den nächsten fast alles. Die frischgebackenen Eltern stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Damit der Start ins ungewohnte Babyglück gelingt, stehen ihnen seit zehn Jahren die ehrenamtlichen Familienbesucherinnen des Landkreises zur Seite.

Sie geben Tipps, beantworten Fragen und kommen mit einer Tasche voller Geschenke: Darin sind ein Badetuch, Fotoalbum, Notfallkarten, eine mehrsprachige DVD und zahlreiche Broschüren. Eltern erhalten Informationen über Beratungsmöglichkeiten, Krabbelkurse und Elterncafés sowie Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Insgesamt 50 ehrenamtliche Familienbesucherinnen sind derzeit im gesamten Landkreis unterwegs. Pro Jahr besuchen sie etwa 1 000 Familien. Ein Ungleichgewicht herrscht derzeit im Südkreis, betont Sachgebietsleiterin Melanie Siller: „Dort gibt es zwar die meisten Geburten, aber die wenigsten Familienbesucherinnen.“ 15 sind es aktuell – etwa 20 müssten es mindestens sein. „Wir machen derzeit im Schnitt etwa vier bis fünf Besuche im Monat – auf Dauer können wir das aber nicht leisten“, sagt Ursula Bohms, Familienbesucherin seit der ersten Stunde.

Die Mitarbeiterinnen des Familienservicebüros suchen deshalb Ehrenamtliche unter anderem in Rotenburg und Sottrum. „Wir planen die Einsätze möglichst so, dass die Familienbesucherinnen kurze Wege haben, am besten im eigenen Ort unterwegs sein. Das klappt wegen des Mangels leider aktuell nicht immer“, bedauert Mitarbeiterin Fiona Roos.

Derzeit sind nur Frauen im Einsatz – doch das soll nicht so bleiben. Die Aufgabe sei nicht an ein Geschlecht gebunden, betont Roos und erklärt, was Interessierte mitbringen sollten: „Sie sollten kommunikativ sein, offen und keine Scheu davor haben, auf Menschen zuzugehen.“

Dass die künftigen Familienbesucher selbst Kinder haben und sich deshalb in die Situation der frischen Eltern hineinfühlen können, ist von Vorteil, aber keine Voraussetzung: Jeder Mitarbeiter wird geschult, die Kosten dafür trägt der Landkreis.

Die Idee, Willkommensbesuche anzubieten, hatte der ehemalige Landrat Hermann Luttmann 2010 aus Köln mitgebracht und bereits im Jahr darauf umgesetzt. Die Meldeämter informieren seither das Familienservicebüro über Geburten. Die Mitarbeiter schicken den Familien ein Glückwunsch-Schreiben und fragen darin nach, ob sich die Eltern einen Besuch wünschen. „Das Angebot kommt sehr gut an“, betont Melanie Siller.

Die Familienbesucherinnen schlagen dann einen Termin vor. „Wir können uns die Zeit frei einteilen. Das ist besonders wichtig für diejenigen, die noch berufstätig sind oder andere Verpflichtungen haben. Das lässt sich sehr gut miteinander vereinbaren“, betont Bohms, die genauso wie ihre Mitstreiterinnen mit offenen Armen empfangen wird: „Die Eltern sind dankbar für das Angebot. Einige backen sogar extra Kuchen“, berichten Marianne Vajen und Ursula Bohms.

Doch die letzte gemütliche Kaffeerunde sei lange her. Denn Corona-bedingt führen die Besucherinnen die Gespräche aus Sicherheitsgründen aktuell nur an der Haustür. Ein halbes Jahr mussten sie sogar komplett aussetzen – inzwischen haben sie die Arbeit aber wieder aufgenommen und alle offenen Termine nachgeholt.

Die Tür-und-Angel-Gespräche dauern in der Regel nur ein paar Minuten. „Besonders im Winter ist die Beratung nicht immer einfach. Aber wir sind froh, dass wir unsere Besuche auch in dieser schwierigen Situation aufrechterhalten können. Wir waren vorher aber näher an den Familien dran und hoffen, dass es bald wieder möglich sein wird“, so Ursula Bohms.

Genau wie für sie sind die Gespräche auch für Familienbesucherin Marianne Vajen eine Herzensaufgabe: „Die Eltern sollen wissen, dass sie sich jederzeit beim Familienservicebüro melden können, wenn sie Fragen haben oder Unterstützung brauchen.“

Vajen freut sich über den engen Austausch mit den weiteren Familienbesucherinnen: „Wir haben eine WhatsApp-Gruppe und treffen uns regelmäßig.“ Zuletzt anlässlich des zehnjährigen Jubiläums im Heidejäger in Mulmshorn. Dort wurden alle Familienbesucherinnen geehrt, die wie Ursula Bohms von Anfang an dabei sind.

Damals wurden noch ausschließlich Familien mit Erstgeborenen aufgesucht. Seit 2016 besuchen die Familienbesucherinnen auch Eltern mit Neugeborenen, die bereits ein oder mehrere Kinder haben.

Bei der Jubiläumsfeier lobten die Mitarbeiterinnen des Familienservicebüros die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Familienbesucherinnen und erklärten: „Bei unserem großen Spektrum an Aufgaben, die wir haben, ist das für uns die Kirsche auf der Sahnetorte.“ Auch der stellvertretende Landrat Erich Gajdzik dankte den Frauen.

Interessierte Männer und Frauen, die sich für die Aufgabe der Willkommensbesuche interessieren, melden sich telefonisch unter 04261 / 9832942 im Familienservicebüro des Landkreises in Rotenburg. Die Öffnungszeiten sind dienstags von 9 bis 12 Uhr und donnerstags von 14 bis 16 Uhr. Anfragen sind auch per E-Mail an familienservicebuero@lk-row.de möglich.

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