Mit Zahlen zahlen

Digitales Leben: Weg vom Papiergeld – die Sparkasse über neue Vertriebswege

Sparkassen-Bereichsleiter Sven Riggers demonstriert eine einfache Geldüberweisung per Handy. - Foto: Krüger
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Sparkassen-Bereichsleiter Sven Riggers demonstriert eine einfache Geldüberweisung per Handy.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Wenn an Heiligabend Geschenke übergeben werden, überwiegt noch die analoge Komponente: Etwas zum Spielen, Anfassen, Riechen, Fühlen oder Anziehen wird aus knisterndem Papier ausgepackt,

Schenker wie Beschenkte freuen sich über das Übergebene. Doch der Weg zum Präsent ist wie vieles auf der Welt längst ein digitaler: eingekauft oft im Onlinehandel, bezahlt mit ein paar Transaktionsnummern oder per Fingerabdruck, und auch im Ladengeschäft spielt Bargeld eine immer geringere Rolle. Als größtes Kreditinstitut der Region will die Sparkasse Rotenburg Osterholz auf diesen Weg führen – und hat für das Thema Digitalisierung seit diesem Jahr die 40 Mann starke Abteilung „Alternative Vertriebswege“ am Start.

Sven Riggers zückt sein Handy, hält es an das EC-Lesegerät, es piept. Keine drei Sekunden hat es gedauert, der eine Cent ist überwiesen, Riggers grinst. Nicht sonderlich spektakulär mutet das an, was der Bereichsleiter „Alternative Vertriebswege“ beim Pressetermin in der Zevener Sparkassenzentrale demonstriert, und doch ist es eine Demonstration der wohl tief greifendsten Veränderung im zwischenmenschlichen Bezahlsystem, seitdem Jäger und Sammler angefangen hatten, Tierfelle gegen Muscheln zu tauschen. Der Mensch gibt nicht mehr Scheine und Münzen für Waren, sondern Zahlen in der Cloud. Der Wert ist materiell nicht mehr fassbar, schon gar nicht anfassbar – und das Tempo der Veränderungen hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

Das Smartphone ist eine digitale Geldbörse

„Das Smartphone ist eine digitale Geldbörse“, sagt Riggers. Die zähen Jahre, in denen Überweisungen an Automaten oder Homebanking Einzug erhielten, sind Geschichte. Zwar bedient auch die Sparkasse mit ihrem breiten Filialnetz in der Region noch diejenigen, die selbst vorbei kommen wollen, einen Berater brauchen oder echtes Geld abheben wollen, doch parallel laufen längst ganz andere Wege. Auch das heimische Kreditinstitut tritt als Berater für digitales Zahlen auf, unterstützt Unternehmen bei Onlineaktivitäten und entwickelt Lösungen fürs mobile Zahlen. „Die Sparkassen-App ist seit Jahren das meistgenutzte Programm seiner Art“, betont Riggers. Tatsächlich ist die gemeinsame App aller Sparkasse vielfach ausgezeichnet worden, von der Stiftung Warentest zuletzt als Beste im Vergleich zu 37 anderen Banking-Apps benotet worden. 120 000 Privatkunden betreut die Sparkasse Rotenburg Osterholz, rund 60 Prozent davon sind laut Riggers mit einem Onlinezugang registriert. Rund 18 000 Kunden nutzten die regional angepasste Sparkassen-App, jedes Jahr kämen gut 1 000 dazu.

„Die App erleichtert das Leben, wie viele andere Dinge mit dem Smartphone auch“, betont Riggers und wird nicht müde, die Vorzüge des digitalen Bezahlens aufzuzählen. Es gehe schneller an der Kasse, weil niemand mehr Cent-Stücke suchen muss, es sei sicherer als Scheine in der Tasche, und der Kunde habe sofort einen Online-Überblick über alle getätigten oder geplanten Transaktionen. Und nicht zuletzt, davon profitieren die Kreditinstitute mit großem Filialnetz: Digitales Zahlen ist günstiger. Denn die Logistik mit Münzen und Scheinen ist teuer, die Gefahr von Falschgeld besteht, der Zeitaufwand ist deutlich höher. Und auch für den Handel ist bargeldloses Bezahlen einfacher, sicherer und damit günstiger. Die Zeiten, in denen Kartenzahlungen erst ab einem höheren Betrag überhaupt gewünscht sind, seien vorbei. „Gerade Kleinstbeträge sollte man mit Karte zahlen“, betont Riggers. Das werde auch akzeptiert, die Transaktionsgebühren für die Unternehmen seien von einstmals drei Prozent des Betrages auf heute ein Prozent gesunken. Und dass die meisten Supermärkte liebend gerne an den Kassen eine Geldausgabe ermöglichten, ist der Beweis: Sie wollen Bargeld loswerden.

Schon die nahe Zukunft werde weitere digitale Veränderungen mit sich bringen, heißt es bei der Sparkasse. Die Onlineberatung wird ausgebaut, auch per Video möglich. Und es gibt Kooperationen und eigene Systeme, um nicht mehr nur Kartenzahlungen, sondern kontaktloses Zahlen mit allen Endgeräten wie Handys oder „smarten“ Uhren zu ermöglichen. Seit Juli können Sparkassen-Kunden das Google-Bezahlsystem mit ihren Android-Handys nutzen, Girokarte oder Kreditkarte werden dafür digital gespeichert. Dazu gibt es Verhandlungen über eine Kooperation mit Apple. Dessen System „Apple Pay“ ist in Deutschland vor zwei Wochen gestartet, hat dafür aber bislang nur eine kleine Anzahl an Partnern, vornehmlich Internet-Banken. „Die Verhandlungen laufen aber“, betont Riggers. Denn jeder Sparkassenkunde solle mit seinem Gerät auch zahlen können. Woran es noch scheitert? Wenig überraschend: am Geld.

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