Polizei stellt Statistik vor / Positive Entwicklung bei Fahranfängern

Zahl der Unfälle im Landkreis steigt an

5 911 Verkehrsunfälle gab es im vergangenen Jahr auf den Straßen im Landkreis Rotenburg. In 17 Fällen, wie hier im September zwischen Lauenbrück und Vahlde, endeten sie tödlich. - Foto: Krüger

Rotenburg - Mehr Unfälle, zumeist Blechschäden, aber auch 17 Tote: Das ist die Bilanz aus der Unfallstatistik für den Landkreis Rotenburg für das vergangene Jahr, die die Polizei nun veröffentlicht hat. 4,8 Prozent mehr Unfälle im Vergleich zu 2014 haben die Ordnungshüter der Rotenburger Inspektion demnach festgestellt, aber auch Veränderungen bei den Ursachen.

So ist es nicht zu hohe Geschwindigkeit, sondern ein zu geringer Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug, der die Hauptursache von Unfällen ist. Das hat die für Rotenburg zuständige Polizeidirektion Lüneburg ermittelt, die ihrerseits eine Unfallstatistik für den gesamten Bezirk vorgelegt hat. Im Landkreis Rotenburg ist das allerdings die Hauptursache von schweren Verkehrsunfällen. Insgesamt 48 Mal krachte es, nachdem ein Autofahrer zu schnell unterwegs war. Vorfahrtsunfälle (29), Unfälle beim Überholen und durch Auffahren (16) sind weitere wesentliche Gründe.

Allerdings: „Waren bislang junge Fahranfänger überdurchschnittlich oft an schweren Verkehrsunfällen beteiligt, so zeichnet sich seit einigen Jahren eine positive Entwicklung ab“, so der Rotenburger Polizeisprecher Heiner van der Werp. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen verunglückten demnach im vergangenem Jahr zwei Menschen tötlich, 26 wurden schwer verletzt. „Das sind weitaus bessere Zahlen als noch vor zehn Jahren.“

Diese Altersstufe wurde nun von einer „neuen Risikogruppe“, wie es die Polizeidirektion Lüneburg ausdrückt, abgelöst – die Verkehrsteilnehmer über 65 Jahren. Die Zahl der Toten ist hier bezirkweit um 20 Prozent angestiegen, heißt es aus der Salzstadt. 9,4 Prozent mehr haben sich Verletzungen zugezogen. Es wird erwartet, dass sich der demographische Wandel weiter auf die Statistik auswirkt.

Insgesamt 5 911 Mal – und damit 271 Mal mehr als 2014 – hat es 2015 auf den Straßen im Landkreis Rotenburg gekracht. Dabei folge der Landkreis laut van der Werp dem Trend aus den Bundes- und Landesstatistiken. In den meisten Fällen blieb es jedoch bei einem Blechschaden. Bei 836 Unfällen zogen sich Beteiligte allerdings Verletzungen zu, 142 Menschen sogar schwere. 17 Mal waren dabei Tote zu verzeichnen, im Jahr 2014 waren es noch elf.

Jeder vierte Unfall im Landkreis war ein Wildunfall. 1 682 Mal stießen Autofahrer mit Wildtieren zusammen. „Trotz intensiver Präventionsprojekte stagnieren die Unfallzahlen seit vielen Jahren auf hohem Niveau“, so der Rotenburger Polizeisprecher. Im waldreichen Landkreis Rotenburg stellen seiner Auskunft nach Bäume am Fahrbahnrand ein zusätzliches Risiko dar. In 110 Fällen endete demnach das ungewollte Abkommen von der Fahrbahn an einem Baum und führte zu Verletzten.

In Lüneburg und in Rotenburg gehen die Beamten davon aus, dass die Benutzung von Smartphones während der Fahrt zum Anstieg der Unfallzahlen beitragen. Der Verkehrsexperte der Rotenburger Polizei, Rüdiger Radtke, bezeichnet die Ablenkung durch Handys als „neue, oft unterschätzte Gefahr“. Er geht hier von einer hohen Dunkelziffer aus.

Weniger Unfälle durch Alkohol und Drogen

Zurückgegangen seien im Landkreis dafür die Unfälle, die auf Alkohol- und Drogenkonsum zurückzuführen sind. Vor Jahren sei dies noch einer der Hauptursachen bei schweren Unfällen gewesen, so van der Werp, nun aber hätten regelmäßige Kontrollen dies in den Hintergrund gedrängt. Bei 68 Unfällen war 2015 Alkohol im Spiel. Im Vorjahr waren noch 83 Fahrer mit zu viel Promille im Blut verunglückt.

445 Mal erwischten die Beamten allerdings Verkehrsteilnehmer bei einer Fahrt unter Drogen- beziehungsweise Alkoholeinfluss, ohne dass es zu einem Unfall gekommen ist – 403 von ihnen waren männlich. Bezirksweit gab es hier einen Anstieg von 56,32 Prozent, von 446 auf 1 028.

Nach einem Tiefstand der Unfälle auf der Autobahn 1 zwischen Posthausen und Rade 2014 sind die Zahlen im vergangenen Jahr wieder gestiegen. „17 Prozent mehr Unfälle und 23 Prozent mehr Unfälle mit Personenschaden sprechen eine deutliche Sprache“, so van der Werp. Fünf Menschen wurden bei Unfällen im Zuständigkeitsbereich der Autobahnpolizei Sittensen getötet. 31 erlitten schwere Verletzungen.

„Sorgen bereitet den Unfallermittlern der Polizei allerdings ein seit Jahren erkennbarer Anstieg von Unfallfluchten“, erklärt der Polizeisprecher weiter. Demnach sei es in 945 Fällen zu unerlaubtem Entfernen vom Unfallort gekommen. Dadurch folge jedem sechsten Unfall ein strafbares Vergehen. Knapp die Hälfte der flüchtigen Unfallverursacher konnte die Polizei allerdings ermitteln – häufig mithilfe von Zeugenaussagen.

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