Telefonseelsorge steht rund um die Uhr bereit

Zahl der Anrufe steigt

Daniel Tietjen ist Leiter der Telefonseelsorge Elbe-Weser in Bad Bederkesa.
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Daniel Tietjen ist Leiter der Telefonseelsorge Elbe-Weser in Bad Bederkesa.

Rotenburg – Der mächtige Löwe liegt ermattet in der Sonne, bedeckt seinen Kopf mit den Pfoten und scheint sagen zu wollen: „Jeder braucht mal Hilfe.” Dazu diese knappen, prägnanten Versprechen: „Anonym. Kompetent. Rund um die Uhr.” Es ist das neue Logo der Telefonseelsorge (TS) Elbe-Weser, einer Einrichtung des Sprengels Stade der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover mit Sitz in Bad Bederkesa. „Es beschreibt kurz den Inhalt unserer Arbeit“, sagt Daniel Tietjen (41), seit fünf Jahren Leiter.

Jetzt sind es im Sprengel Stade, zu dem auch die Kirchenkreise Rotenburg und Bremervörde-Zeven gehören, genau 20 Jahre, dass sich die Telefonseelsorge mit ihren 100 Ehrenamtlichen – 70 Frauen und 30 Männer – rund um die Uhr bemüht, Menschen beizustehen und sie in unterschiedlichsten Situationen zu stützen. Vor wenigen Wochen hat Corona zum zweiten Mal „angeklopft”, lässt die Zahl der Infizierten rasant in die Höhe schnellen und verbreitet unter vielen Bürgern Ängste. Außergewöhnliche Zeiten, in denen die Telefonseelsorge mit ihrem Hauptdienstort Bad Bederkesa und der Niederlassung in Stade besonders gefordert ist.

Bundesweit, so Tietjen, Religions- und Sozialpädagoge sowie Supervisor, sei die Zahl der Anrufe in den 105 selbstständigen evangelischen und katholischen Telenseelsorge-Stellen beim ersten Lockdown um durchschnittlich 20 Prozent gestiegen und hätte die Bereitschaft der Ehrenamtlichen erheblich gefordert. Es ging um Ängste um die Gesundheit, den Beruf, Sorge um Angehörige im Pflegebereich, um besonders gefährdete ältere Menschen, häusliche Einsamkeit und Gewalt. Dazu die wachsende Zahl psychischer Erkrankungen bei jüngeren Menschen. Hier sei es Aufgabe des Staats, künftig mehr Therapieplätze zur Verfügung zu stellen.

Neben den Kirchenkreisen Rotenburg und Bremervörde gehören noch die fünf Kirchenkreise Cuxhaven-Hadeln, Wesermünde, Stade, Bremerhaven, Buxtehude, Osterholz-Scharmbeck und Verden zum Sprengel Stade. Sie gliedern sich in insgesamt 193 Kirchengemeinden. Die Telefonseelsorge ist zu jeder Tages- und Nachtzeit, an Wochenenden und Feiertagen unter der gebührenfreien Rufnummer 0800/ 1110111 oder 0800/ 1110222 und grundsätzlich für jeden Bürger unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit zu erreichen. Im Sprengel Stade beläuft sich die Zahl der Anrufer auf jährlich etwa 13 000. Tendenz: etwa gleichbleibend. Jüngere Menschen, sagt Tietjen, nutzten zunehmend das Chatangebot der Telefonseelsorge. Rund 1 500 Gespräche seien es zuletzt gewesen, ihre Zahl wachse ständig.

Diese Grundsätze gehören seit jeher zu den Stützpfeilern in der 64-jährigen Geschichte der Telefonseelsorge in Deutschland:

• Anonymität: Niemand, der anruft, wird nach seinem Namen gefragt. Jeder kann anonym bleiben. Das Telefonat ist gebührenfrei und hinterlässt keine Datenspuren.

• Verschwiegenheit: Alle Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht.

• Erreichbarkeit: Die Telefonseelsorge-Stellen sind Tag und Nacht bundesweit erreichbar, auch an Wochenenden und Feiertagen.

• Kompetenz: Die Mitarbeiter der Telefonseelsorge werden ausgewählt, ausgebildet, kontinuierlich weitergebildet und durch regelmäßige Supervision von Fachleuten begleitet.

• Offenheit: Die Telefonseelsorge ist offen für alle Problembereiche, für alle Anrufer in ihrer jeweiligen Situation.

• Gebührenfreiheit: Für Ratsuchende entstehen keine Kosten. Die anfallenden Telefongebühren übernimmt die Deutsche Telekom als Partner der Telefonseelsorge. Im Internet fallen lediglich die eigenen Verbindungskosten der Ratsuchenden an.

Der 41-jährige Tietjen, der seit dem 1. Oktober das Amt des Landeskirchlichen Beauftragten für die Telefonseelsorge-Stellen der Landeskirche Hannover inne hat und damit verantwortlich ist für die Koordination der telefonseelsorgerischen Arbeit, bemüht sich für die Telefonseelsorge Elbe-Weser um weitere ehrenamtliche Mitarbeiter, um die Kontinuität auch in Zukunft fortsetzen zu können.

Die Ausbildung erstreckt sich über einen Zeitraum von über zwei Jahren. Im ersten Jahr geht es um Kommunikationstheorien, Krisenintervention, systematisches Denken, Suizidalität, Familie und Selbsterfahrung, erklärt der Experte. Anschließend erfolge die Zulassung zum Dienst am Telefon. Im zweiten Jahr kommen dann auch noch spezifische Themen wie zum Beispiel Paarbeziehungen und Trauer hinzu. Interessierte melden sich unter der Telefonnummer 04745/6029 oder per E-Mail an TS.Elbe-Weser@evlka.de.

Landkreis beteiligt sich an den Kosten

Finanziert wird die Telefonseelsorge überwiegend aus Mitteln der Kirchensteuer. Hinzu kommen Spenden und vereinzelt staatliche Zuschüsse. Vor einigen Jahren waren die Verantwortlichen der Kirche aus finanziellen Gründen gezwungen, über die Fortführung der Telefonseelsorge nachzudenken. Längst hat die Landeskirche Hannover erkannt, wie wichtig der Bereich Telefonseelsorge in ihrer Gesamtarbeit ist und stellt ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung. Und auch diese Erfahrung erwähnt Daniel Tietjen gern: Der Landkreis Rotenburg gehöre zu einem der wenigen Kreise, die die Arbeit der Telefonseelsorge mit jährlich 2 000 Euro unterstützen würde.

Von Wieland Bonath

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