Jahrhunderte alter Sport und Selbstständigkeit

Yoga ist wie ein Saunagang

Inmitten der Pandemie wagt Romina Wöhrle den Schritt in die Selbstständigkeit.
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Inmitten der Pandemie wagt Romina Wöhrle den Schritt in die Selbstständigkeit.

Yoga verbindet Körper und Geist bei den Übungen auf besondere Weise. Der jahrhundertealte Sport kann auf vielen Ebenen helfen, weiß Romina Wöhrle.

Rotenburg – Mit seiner Umgebung ins Reine kommen, Stress oder Überlastung bewältigen, Ängsten und Depressionen mit Sport den Kampf ansagen: Yoga kann, bei richtiger Anwendung, viele Vorteile bieten. „Es ist kein Heilversprechen“, betont Romina Wöhrle, aber es kann unterstützen. Die Rotenburgerin öffnet in der kommenden Woche neben dem Stadtspeicher in der Innenstadt ihre „Yogalounge“. Es ist ein Schritt, inmitten einer Pandemie mit steigenden Corona-Zahlen auch hier im Kreis, der Mut erfordert.

„Ich hatte gehofft, dass es nicht so schlimm ist, wie es jetzt ist“, gibt die gelernte Sport- und Fitnesskauffrau zu, die im Sportiv, heute das Highlight, ihre Ausbildung gemacht hat. Doch als sie ab vergangenem Januar mit passenden Räumen ihre Selbstständigkeit plant, ist nicht abzusehen, wie es sich überhaupt weiterentwickeln wird. „Und wir werden noch lange damit zu tun haben.“

Es ist zwar eine „blöde Situation“, aber Freunde und Familie stehen komplett hinter ihr, erzählt sie. Und: „Wir haben immerhin keinen Lockdown.“ Das heißt, Wöhrle kann starten – unter der Auflage, die Kurse mit der 2G-plus-Regel stattfinden zu lassen. Das hat auch schon Absagen bedeutet. „Yoga ist für jeden, aber 2G-plus ist nicht für jeden“, erklärt sie.

Sie denkt auch an werdende oder junge Mütter, die sich noch nicht impfen lassen möchten, die zögern. „Vielleicht kann man Kurse für Mütter unter 3G anbieten?“, rätselt Wöhrle. Dazu müsste das Gesundheitsamt grünes Licht geben – und die Situation ändert sich momentan noch zu oft. Es gibt auch Menschen, denen aus medizinischer Sicht Yoga gut täte und für Präventionskurse übernehmen Krankenkassen einen Teil der Kosten.

Online-Kurse hat Wöhrle im vergangenen Jahr gezwungenermaßen viele gegeben, für ihr Studio wollte sie das nicht – auch keine Hybrid-Kurse. „Da kann ich nie allen gerecht werden.“ Für die Zeit eines Lockdowns ist es eine Lösung, auch wenn man nicht wie vor Ort Haltungen korrigieren kann und Sport in Präsenz immer schöner ist. Und gebraucht wird, weiß die Lehrerin: In Zeiten der Kontaktreduzierung sind Dinge wie gemeinsamer Sport umso wichtiger, gemeinsame Aktivitäten.

Doch erstmal steht überhaupt der Start vor der Tür, mit drei weiteren Lehrerinnen, von denen zwei Mentorinnen sind, bei denen sie gelernt hat und 15 Kursen kein minimalistischer Beginn. Doch da macht Wöhrle trotz Corona keine halben Sachen: „Wenn schon, dann will ich auch Gas geben“, sagt die Halb-Italienerin, die einen Teil ihrer Kindheit in Neapel verbracht hat. Sie spricht neben Italienisch und Deutsch weitere fünf Sprachen, wenngleich nicht alle fließend, merkt sie lachend an. So war auch die Überlegung da, damit etwas beruflich zu machen, aber letztlich „bin ich Sportlerin“, sagt Wöhrle.

Zeitweise hat sie in Ägypten gelebt, in einem Club Kurse gegeben. Schmerzende Knie, Schmerzen im Rücken: Irgendwann sei ihr klar geworden: „Ich kann Zumba-Kurse und ähnliches nicht mein Leben lang machen.“ Irgendwann braucht der Körper einen Plan B. Den hat sich die 33-Jährige nun gesucht. Da sie sich schon lange für Yoga interessiert, hat sie über die Jahre viele Aus- und Fortbildungen gemacht.

Dass sie einmal selbstständig sein möchte, war ihr immer klar. Doch zunächst ist sie mit ihrem Mann, der bei der Bundeswehr ist, viel umgezogen. Mittlerweile leben sie wieder in Rotenburg, sind in die Heimat zurückgekehrt. Vor drei Jahren dann, kurz nach ihrer Hochzeit, haben ihr Mann und sie mit Freunden am Stadtspeicher gesessen und rumgealbert. Wie toll der Platz doch für ein Yoga-Studio wäre, erinnert Wöhrle sich. Und heute baut sie die hellen Räume mit alten Holzbalken zu ihrem Wunschstudio um.

Yoga kann auf vielen Ebenen helfen, ist sie überzeugt. Ein „Trendsport“ mit Ablaufdatum sei er nicht. Es ist eine Technik, die Körper und Geist verbindet und vor mehr als 2000 Jahren in Indien entwickelt worden ist. Yoga ist heute auch in der westlichen Welt angekommen, hat sich etabliert. Auch wenn immer noch ein Teil Anerkennung fehlt: „Jeder kann sich Yoga-Lehrer nennen“, kritisiert Wöhrle.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Rotenburg: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Heute gibt es viele verschiedene Formen. Und die Zeiten, als Yoga als Sport belächelt wurde, haben sich geändert – auch dank wissenschaftlicher Studien zu den Effekten. „Es ist zusätzlich zu jedem Sport optimal. Jeder Fußballer, Handballer, Basketballer sollte Yoga machen. Es geht um Flexibilität, Training der Faszien und Muskelkraft“, sagt Wöhrle. „Yoga ist auch eine gute Alternative, um im Alter fit zu bleiben.“ Auch wer Rückenbeschwerden hat oder durch langes Büro-Sitzen Probleme mit Schultern oder Nacken, kann sich mit den Übungen stärken – wenngleich Männer und Frauen unterschiedliche „Baustellen“ haben. Yoga sei ein Sport, der viele Teilnehmer verändert, erzählt Wöhrle. Sie gehen mit einem guten Gefühl raus, sagen, dass es ihnen gutgetan hat – mental als auch körperlich. „Man denkt über sich selber nach, kommt runter. Es ist wie ein Saunagang.“ Außerdem lernt sie viele Menschen und ihre Geschichten kennen – was es so spannend mache. „Und egal wer vor mir sitzt: Auf der Matte sind alle gleich.“

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