Hamburger Vorstoß zu Einzelkarten

HVV-Beitritt: Der Wunsch nach Einheitlichkeit

Die Gemeinde Scheeßel hätte für ihren Bahnhof gerne das komplette Tarifangebot des HVV. Neue Chancen hierzu bietet nun ein Vorstoß aus Hamburg. - Archivfoto: Röhrs

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Eigentlich ist in Sachen Beitritt des Landkreises in den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) zumindest in Rotenburg alles beschlossene Sache, die Beitrittsverhandlungen sind aufgenommen.

Doch nun möchte die Hansestadt Hamburg Nachbesserungen. Durch sie stehen für die Bahnhöfe in Scheeßel und Lauenbrück wieder HVV-Einzelkarten zur Debatte.

Bislang galt: Auf den Bahnstrecken im Süden des Landkreises – zwischen Hamburg und Bremen und Soltau und Buchholz – sollen zumindest die Nutzer von Zeitkarten vom günstigeren HVV-Tarif profitieren können. Im Nordkreis soll es dagegen das komplette Tarifangebot des Verkehrsverbundes geben, da die betreffenden Kommunen die Mehrkosten dafür selbst aufbringen wollen. 

Kreisweit gibt es dementsprechend lokal verschiedene Ansätze, wie der HVV-Beitritt aussehen soll. Und nicht nur hier, Ähnliches gilt auch für die Kreise Cuxhaven, Heidekreis und Uelzen, die derzeit ebenfalls Beitrittsverhandlungen führen. Der Hansestadt Hamburg ist das zu kompliziert. Sie hat jetzt Bedenken angemeldet und möchte bei Beitritt der vier Landkreise ein einfacheres und einheitlicheres System, teilt der bei der Landkreisverwaltung zuständige Dezernent Torsten Lühring mit.

Einführung neuer Tarifringe

Einfachheit also, insbesondere den Fahrgästen käme zugute. Um sie zu erreichen, schlägt die Hansestadt vor, dass der HVV drei neue Tarifringe F, G, und H einführt. In dem an Hamburg dichtesten Ring F soll dann das komplette Tarifangebot genutzt werden können, in den anderen beiden das Zeitkartenmodell. 

Im Landkreis würden die Bahnhöfe Hesedorf, Bremervörde, Oerel und Heinschenwalde in den Ring F fallen, deren Kommunen – die Stadt Bremervörde und die Samtgemeinde Geestequelle – ohnehin die im Vergleich zum Südkreis geringen Mehrkosten für das komplette vergünstigte Angebot übernehmen wollen. 

An der Strecke von Hamburg nach Bremen würden die Bahnhöfe in Lauenbrück und in Scheeßel zu diesem Ring gehören. Allerdings: Zwar ist man in Scheeßel bereit, die entsprechenden Mehrkosten für sich zu tragen, die Gemeinde vom bisherigen HVV-Gebiet abtrennende Samtgemeinde Fintel mit ihrem Lauenbrücker Bahnhof nicht.

Offene Ohren in Scheeßel

Der Vorstoß aus Hamburg trifft daher an der Beeke auf offene Ohren. „Es ist kein Geheimnis, dass wir auch die Einzelkarten wollen“, sagt Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU). Einfachere Systeme begrüße die Gemeinde, begreife sie als Chance. Auch, um mit dem Nachbar aus Fintel neu ins Gespräch zu kommen.

„Für uns ändert sich erst einmal nichts“, sagt allerdings Fintels Samtgemeindebürgermeister Tobias Krüger (parteilos). Natürlich wolle man auch in Lauenbrück Einzelkarten anbieten können, allerdings „nicht unter diesen Bedingungen“. Der für Fintel verbleibende Kostenanteil für die reine Zeitkartenlösung mit dem HVV würde nach letzter Berechnung etwa 19 000 Euro jährlich betragen, mit Einzeltickets ginge es hingegen um rund 124 000 Euro. Zu viel, heißt es in Fintel.

Thema beim Lenkungstreffen

Das Thema kommt nun beim nächsten Lenkungstreffen zum HVV-Beitritt auf den Tisch. Dort soll laut Lühring auch konkret durchgerechnet werden, was die Komplettlösung für Scheeßel und Fintel genau kostet. „Bis dahin werden wir uns an die Beschlusslage halten“, so Lühring. 

Der geplante Abschluss der Verhandlungen Ende 2018 sei jedenfalls nicht in Gefahr. Krüger will die angekündigten genauen Zahlen abwarten. „Anschließend werden wir uns selbstverständlich mit den neuen Eckdaten befassen“, sagt er.

Im Ring F wäre übrigens auch der Visselhöveder Bahnhof, hier müsste aber der Heidekreis entsprechend mitziehen. Die Vissel-Stadt sei laut Lühring aber „zu vernachlässigen“. Schließlich plant sie, im kommenden Jahr Mitglied im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) zu werden.

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