Wen würde Martin Luther heute wählen?

Rudolf-Schäfer-Haus in Rotenburg stellt „benutzten Reformator“ aus

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Martin Luther in allen Facetten. Superintendentin Susanne Briese (r.) begrüßte die Gäste der Vernissage, Ina Welzel (l.) führte in die Ausstellung ein.

Rotenburg - 500 Jahre Reformation. Zu diesem Jubiläum hat der Rudolf-Schäfer-Verein in Rotenburg jetzt einen ganz anderen Zugang gefunden. Auf Initiative und durch Inspiration der Krankenseelsorgerin Pastorin Ina Welzel komponierte der Verein im Rudolf-Schäfer-Haus eine außergewöhnliche Ausstellung rund um den Reformator Martin Luther.

„Using Luther“ (Der gebrauchte Luther) heißt die Exponatenschau, die sich mit dem Gründer der evangelisch-lutherischen Kirche in ganz besonderer Art und Weise befasst. Zum einen werden Bilder des Reformators aus der Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren gezeigt, zum anderen die Bilder Luthers aus Feder und Pinselstrich von Rudolf Schäfer und Dokumente der hemmungslosen Vermarktung des Jubiläums.

Kuriose, fragwürdige und provokante Exponate

Initiatorin Welzel erinnerte während der Vernissage an Ursprung und Werdegang der Ausstellung. Von den Mitgliedern des Vereins waren Ideen und Exponate zusammengetragen worden, die Luther in außergewöhnlicher Verfremdung zeigen – als „Luther-Lolli“, als „Luther-Superman-Button“ bis hin zur Reklame für den schmackhaften „Luther-Burger“. Durch inspirierte und infizierte Mitglieder des Rudolf-Schäfer-Vereins hat sich das Zusammentragen von kuriosen bis hin zu fragwürdigen und provokanten Luther-Exponaten schnell verselbstständigt, so Welzel. Zur Ausstellung gehören jetzt knapp 50 Bilder und Gegenstände, die sich jeweils auf ihrer spezifische Art oder Abart mit Luther thematisch befassen.

Ina Welzel erinnerte daran, dass Luther schon zu der Zeit, nachdem er seine 95 Thesen am 31. Oktober 1517 eigenhändig an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg genagelt hatte, von Mächtigen ausgenutzt, benutzt wurde. Nämlich von den damaligen protestantisch orientierten Fürsten des Kaiserreichs. Sie nutzten Luther dafür, die katholische Kirche zu schwächen und ebenso die Macht des Kaisers, der sich zur katholischen Kirche bekannte. Luther selbst, so Welzel, habe sich zu Lebzeiten nie für Politik und Wirtschaft interessiert. Sein einziges Betätigungsfeld und Lebensengagement galt der Theologie. Dennoch wurde er von politisch Einflussreichen genutzt und benutzt.

Entsetzen über NPD-Plakat

Eine ganz andere Form der „Benutzung Luthers“ sei jetzt im Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation“ festzustellen, wie die Ausstellung im Schäfer-Haus eindrucksvoll unter Beweis stelle. Über einige Exponate könne man schmunzeln, lachen, sich mokieren, sich echauffieren oder sich nachdenklich stimmen lassen.

Luther schmeckt aber auch, wie Superintendentin Susanne Briese in ihrem Grußwort zur Vernissage feststellte, und sie erinnerte an Luther-Tee und Luther-Gebäck, Leckereien, wie sie auch im Schäfer-Haus den Besuchern gereicht wurden. Bei manchen Luther-Vermarktungen könne man gern auch den Kopf schütteln und eine eigene Meinung finden. Wo Grenzen eines „using Luther“ überschritten werden, wusste die Superintendentin auch. Briese berichtete von einer Beobachtung, dass ein NPD-Wahlplakat zur anstehenden Bundestagswahl mit dem Slogan warb: „Luther würde heute NPD wählen.“ „Das entsetzt mich“, so Briese, „genauso wie das, was ich in der Zeitung lesen musste, dass ein AfD-Kandidat behauptete: ,Mein Vorbild ist Jesus Christus’.“ Das seien Dinge, die gar nicht gingen.

M

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