Was ist erlaubt und was nicht?

Pause auf dem Schulhof und im Klassenzimmer: Sie wollen doch nur spielen

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Auf dem Schulhof der IGS Rotenburg können sich die Kinder Spiel- und Bewegungsgeräte ausleihen, damit sie eine Beschäftigung in den Pausen haben und keine Dummheiten anstellen.

Rotenburg - Von Joris Ujen. Wenn die Pausenklingel läutet, strömen jeden Tag viele Kinder voller Elan und erfreut wegen der kurzen Verschnaufpause auf den Schulhof. Streitereien um ein begehrtes Spielzeug oder wer jetzt die Schaukel benutzen darf, bleiben da häufig nicht aus.

Die etwas älteren Schüler interessieren sich dafür meistens nicht mehr und haben andere Dinge im Kopf, wenn sie ihre freien Minuten nutzen. So kommt es auch vor, dass einige von ihnen heimlich Zigaretten rauchen oder Wände beschmieren. Was erlaubt ist und was nicht, legt jede Einrichtung in ihrer Schulordnung selbst fest. 

Als Wegweiser dient dabei das Schulgesetz des jeweiligen Bundeslandes, in dem Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen festgehalten sind. Wir haben uns drei Schulen in Rotenburg angeschaut und nachgefragt, wie sie mit der vielen Energie, aber auch mit Regelverstößen der Schüler umgehen.

„Wir versuchen, mit unserem großen Angebot an Aktivitäten die Schüler in den Pausen zu unterhalten“, erklärt Detlef Lehmann, Schulsozialarbeiter an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Rotenburg. Zum Angebot zählen unter anderem zwei Fußballfelder, Basketballkörbe sowie allerhand Gerätschaften zum Spielen wie Skate- und Longboards, Einräder und Inline-Skates, die im Geräteschuppen von den Schülern ausgeliehen werden können. 

Rund 40 Bewegungsangebote

Vieles davon habe die IGS von der Theodor-Heuss-Schule übernommen, die 2010 sogar mit dem Deutschen Präventionspreis zur ganzheitlichen Gesundheitsförderung ausgezeichnet wurde. Insgesamt stelle die IGS damit rund 40 Bewegungsangebote bereit. „Dadurch kommt es nur ganz selten zu Vandalismusschäden“, so Lehmann, der das Konzept nur weiterempfehlen kann. Regelmäßige Projekte sollen die Kinder ebenfalls von Dummheiten fernhalten. „Wenn ein Schüler dann doch mal Unfug treibt, muss er als Wiedergutmachung auch mal Putzarbeiten leisten“, sagt Lehmann.

Die Stadtschule Rotenburg bietet ihren Grundschülern ebenfalls viele Möglichkeiten zum Spielen an, um präventiv Regelverstöße zu vermeiden. Mit einem Karteikartensystem können sich die Kinder dort ihre Spielzeuge aussuchen, kontrolliert von Viertklässlern, die extra dafür eine Prüfung absolvieren mussten. „Die schafft auch nicht jeder“, erzählt Rektorin Susanne Enders.

Sofort Schulordnung unterschreiben

Sobald ein neues Kind auf die Stadtschule kommt, müssen es und seine Eltern die Schulordnung – „Roter Faden“ genannt – unterschreiben. Streitereien gebe es natürlich auch dort, durchschnittlich passen aber drei Aufsichten auf, um das zu vermeiden. „Wenn im Herbst die Kastanien auf den Boden fallen, werfen Kinder damit manchmal auf andere Schüler. Oder wenn jemand die Nestschaukel zu lange besetzt, entstehen manchmal Konflikte“, so die Rektorin. „Das ist auch ganz normal. Selbst wenn wir mehr Aufsichten hätten, würde das vorkommen. Im Großen und Ganzen läuft das aber ganz gut.“

Sollte ein Kind dann doch mal aus der Reihe tanzen, wäge die Stadtschule die Höhe der Bestrafung ab. „Wenn ein Kind ,nur’ beim Werfen erwischt wird, kann das eine Stunde Hofarbeit mit sich führen. Sobald ein Personenschaden vorliegt, gucken wir ganz genau, was tatsächlich vorgefallen ist. Gegebenenfalls holen wir dann die Eltern dazu“, erklärt Enders das Prozedere. 

Wenn keine Einigung bei den „Streithähnen“ erzielt werden kann, beräumt die Einrichtung eine Klassenkonferenz ein. Mit Gesprächen, Entschuldigungen und Briefen klären sich die Streitigkeiten laut Enders aber meistens. Oder die beiden involvierten Schüler verbringen eine Pause miteinander. Für Handys sind die Grundschüler noch recht jung, nur wenige haben eins in ihrem Rucksack verstaut, um ihre Eltern erreichen zu können, so Enders.

Verantwortungsvoller Umgang mit Medien

Etwas älter sind hingegen die Schüler des Rotenburger Ratsgymnasiums und dementsprechend auch höher die Anzahl an Smartphones. „Wir möchten unsere Schüler erziehen, verantwortungsvoll mit neuen Medien umzugehen. Wir können uns nicht vor der Erkenntnis verschließen, dass junge Menschen vermehrt moderne Medien zur Kommunikation nutzen“, sagt Schulleiterin Iris Rehder. 

Um die Gymnasiasten aber vom kleinen Bildschirm wegzuholen, gibt es bestimmte Bereiche in der Schule, wo ein Handyverbot gilt. Dazu zählen die Klassenräume und der Flur zu den Zimmern. Rehder: „Wenn sich die Schüler in der Fünf-Minuten-Pause im Klassenraum aufhalten, möchten wir sie dadurch motivieren, nicht an ihrem Handy rumzuspielen, sondern miteinander zu reden.“

Trends wie das kleine Dreh-Spielzeug „Fidget Spinner“, beurteilt das Ratsgymnasium wie folgt: „Solange es nicht die Sicherheit gefährdet oder zur Störung beiträgt, haben wir bisher noch keinen Anlass gesehen, so etwas zu verbieten“, sagt die Leiterin. Regelverstöße im Klassenraum oder auf dem Schulhof können unter anderem dazu führen, dass der Schüler die Schulordnung abschreiben muss, so Rehder weiter. 

„Sollte jemand zum Beispiel den Schulhof verschmutzen, wäre eine mögliche Maßnahme, dass der Verursacher das Gelände an einem Nachmittag aufräumen muss.“ Rehder nennt diese Vorgehensweise „angepasste Erziehungsmittel“.

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