Wolfexperte Frank Faß hält Vortrag in Unterstedt / Landkreis fördert Zäune

Rad wird nicht zurückgedreht

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Alle Wölfe haben Hunger. Und das führt zwangsläufig zu Konflikten mit Nutztierhaltern.

Unterstedt - Von Bettina Diercks. Unmissverständlich hat Wolfexperte Frank Faß am Dienstagabend in Unterstedt klargemacht, dass Niedersachsens Bevölkerung sich mit Isegrims Anwesenheit abfinden muss. Politischer Wille auf EU-Ebene ist, den Grauen zu dulden. „Kein Nutztierhalter wird ‚Hurra‘ schreien, das ist mir klar“, sagte er.

Faß hielt auf Einladung des Niedersächsischen Landvolkes, Kreisverband Rotenburg-Verden, einen Vortrag mit dem Titel „Wunder, Wahnsinn oder Normalität“ zum Thema Wolf und Nutztierhaltung. Daher war auch nicht verwunderlich, dass mehr als die Hälfte der Zuhörer aus Tierhaltern mit Schafen, Rindern, Pferden oder Gatterwild bestand.

„Der Tag wird kommen, an dem Wölfe reguliert werden“, sagte Faß. Ein Patentrezept gegen Übergriffe auf Haustiere sei das aber nicht. Das sei eine Fehleinschätzung. Wichtig sei seiner Meinung nach, dass man sich rechtzeitig Gedanken mache, wie eine Bejagung der Wölfe auszusehen habe. Faß: „Eine Ausrottung von Wölfen werden wir nicht erleben. Das .“ Beim Wolf handele es sich um eine „prioritäre Art“, die den höchstmöglichen Schutz genieße.

Die EU fordere nicht nur ein Management, so Faß, sondern auch, einen „günstigen Erhaltungszustand der Population zu erreichen“. In Deutschland wäre dieser mit 1000 adulten Tieren erreicht. Laut Faß gibt es hierzulande zurzeit aber 300 Wölfe aller Altersstufen. Sie gehören zur „zentraleuropäischen Flachlandpopulation“, die wiederum die Vorkommen in Westpolen mit einschließt. Dazu kommt noch, dass die Gründertiere, die sich in Munster niedergelassen haben und von dort aus verbreiten, genetisch eigenständig behandelt werden und als nicht verwandt mit Westpolens Wölfen gelten. So will es die EU. Die zentraleuropäische Flachlandpopulation beinhaltet 30 Rudel in Deutschland und 31 in Westpolen.

Die Erfassung der Wölfe, das Monitoring, sei ebenfalls von der EU vorgeschrieben. Faß forderte die Anwesenden dazu auf, Sichtungen von Wölfen und Rissen, egal ob von Wild oder Haustieren, zu melden. „Wir bekommen sonst niemals ein klares Bild“, sagte er. Notwendig sei das aber gerade für Verhandlungen auf ministerialer Ebene, was Vermeidung und Entschädigung von Nutztierrissen angehe.

Der Landkreis Rotenburg hat laut Faß den Vorteil, dass er in die Förderkulisse Niedersachsens fällt und – neben der Entschädigung bei Rissen – beispielsweise Zaunbau mit bis zu 80 Prozent fördert. Ein Zusammenschluss, in dem Frank Faß sitzt, arbeitet derzeit daran, dass auch Hobbyhalter in den Genuss der Förderung kommen, die fallen bislang aus diesem Schema heraus. „Was haben wir davon, wenn ein Wolf bei den Hobbyhaltern das Jagen lernt?“, fragte Faß. Ein Zaun, richtig angelegt, gehöre seiner Meinung nach zur sichersten Wolfsabwehr. Herdenschutzhunde und Esel mögen für den einen Betrieb das richtige sein, für einen anderen aber vielleicht nicht.

Im Landkreis Rotenburg ist Jürgen Cassier der zuständige Wolfsberater. Der Leiter des Amts für Naturschutz und Landschaftspflege klärt über das Verhalten des Wolfes und den Umgang mit ihm auf. Er biete besonders Waldkindergärten an, zu ihnen zu kommen, sagte Cassier bei der Infoabend zum Thema Wolf des Niedersächsischen Landvolkes in Unterstedt. Zu erreichen ist Jürgen Cassier unter Telefon 04261/9832800 oder per E-Mail juergen.cassier@lk-row.de.

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